Weinempfehlung zu einem oder mehreren Gerichten

Rarität für die Terrasse: Albet i Noya Cabernet rosat 2013

Albet i Noya Cabernet rosat 2013

Die Terrassensaison ist eröffnet, Zeit für den ersten Rosé des Jahres. Genauer gesagt, einen "Rosat". Das ist katalanisch, denn mein Wein ist der Albet i Noya Cabernet rosat 2013 aus der spanischen Weinbauregion Penedès, der laut Wiki-pedia bedeutendsten in Katalonien. Der auf Bioweine spezialisierte Weinversand Delinat, dessen Degustier-Service ich mir seit einiger Zeit gönne, hat gutes Timing bewiesen und mir rechtzeitig eine Kiste mit drei Flaschen Roséwein geschickt.

Die Weine zum mankannsessen-Weihnachtsmenü 2013 vom Weingut Kreuzberg

Kreuzberg-Weine zum Weihnachtsmenü

Bereits 2009 konnten wir hier drei Weine des renommierten Weinguts Kreuzberg von der Ahr vorstellen. Wir freuen uns daher sehr, dass wir für unser diesjähriges Weihnachtsmenü Weingut Kreuzberg als Sponsor gewinnen konnten. Liest man die Referenzen auf der Homepage des Weinguts nach, findet man so beeindruckende wie die "Kollektion des Jahres" der Feinschmecker Wine Awards 2011, dreieinhalb Sterne bei Eichelmann oder ein Platz auf der Handelsblatt-Liste der 100 besten Weingüter Deutschlands.

Diese Referenzen sind hart erarbeitet, überlässt Kreuzberg doch schon im Weinberg nichts dem Zufall. Dort betreibt er integrierten Weinbau mit organischer Düngung und Bodenbearbeitung. Schon mal per Hand an einem Steilhang Mist verteilt? Da kann man nur sagen: Respekt! Selektive Handlese und aufwändige Gärverfahren mit hochwertigem Materialeinsatz gehören ebenso dazu, das mineralisch geprägte Terroir des Devonschiefers gibt's von der Natur obendrein.

Wir fühlen uns deshalb sehr geschmeichelt, waren aber bei der Weinprobe dennoch um größtmögliche Objektivität bemüht.

Zum Feste nur das Beste: Der Wein zum Weihnachtsmenü

Der Wein zum Festmenü 2012

Ein festliches Dinner wird erst durch passende Weine eine runde Sache. Unser Sponsor Solvino war wie auch letztes Jahr wieder so nett, uns ebensolche zu unserem Weihnachtsmenü zur Verfügung zu stellen. Die waren mal wieder etwas kostspieliger, aber einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul, pardon auf den Preis. Und zu Weihnachten darf es ja gern mal etwas mehr sein, deshalb heben wir zum Fest der Feste traditionell die Zehn-Euro-Grenze bei Weinempfehlungen auf. Das ist schon deshalb sinnvoll, weil das Niveau der diese Woche vorgestellten Rezepte hochwertige Weine quasi erforderlich macht, um kulinarisch auf Augenhöhe zu bleiben.

Dieses Mal durften wir uns an folgenden kostbaren Tropfen erfreuen:

Gar nicht verkalkt: Rudolf May Silvaner Kalkmineral 2011 Kabinett

Rudolf May Silvaner Kalkmineral 2011

Da ich nördlich der deutschen Weinbaugebiete geboren bin und auch dort sozialisiert wurde, hatte ich schon einige Vorurteile über Wein mitbekommen, bevor ich den ersten Schluck davon genießen konnte. Eins davon war: "Frankenwein ist sauer". Der trockene, eher säurebetonte Wein aus Franken war schon damals nichts für Weineinsteiger, die typischerweise eher den süßlichen Schoppenweinen zugeneigt sind. Im traditionellen Bocksbeutel abgefüllt, war der Frankenwein schon immer was für Kenner und Liebhaber.

Offizielle Statistiken erhärten dies, etwa 40% der Frankenweine mit amtlichem Prüfsiegel tragen das Prädikat "trocken", eine etwa gleich große Menge wird in den klassischen Bocksbeutelflaschen abgefüllt. Wobei die fränkische Version von "trocken" die verschärfte ist, denn in Franken darf ein trockener Wein nur maximal 4 g/l Restzucker enthalten anstatt wie sonst in Deutschland 9 g/l. Den ältesten Urahnen des Bocksbeutels, ein keltisches Tongefäß aus der Zeit um 1400 v. Chr., fand man übrigens auf fränkischem Boden bei Wenigumstadt. Neben der Müller-Thurgau ist die Silvaner die klassische, prägende Weinrebe in Franken.

Rudolf May ist Winzer im fränkischen Retzstadt, ca. 20 km nördlich von Würzburg. Sein relativ junges Weingut, gegründet erst 1999, ist mit 13 ha Anbaufläche nicht gerade klein. Man ist dort stolz auf sein "Terroir", karge, "skelettreiche" Böden, die von Muschelkalk geprägt sind, und praktiziert naturnahen Weinbau mit viel Handarbeit an vorzugsweise alten Rebstöcken. Neulich hatte ich das Vergnügen, seinen Silvaner Kalkmineral 2011 zu verkosten, ein Geschenk der Familie.

Auch in nicht-homöopathischen Dosen gut verträglich: Harteneck Gutedel 2011

Harteneck Gutedel 2011

Das Weingut Harteneck liegt im Markgräflerland, das ist die sonnenverwöhnte Region ganz im Südwesten Deutschlands, südlich von Freiburg. Dort hat man sich ganz dem biologisch-dynamischen Weinbau nach Demeter-Regeln verschrieben, das ist die Premier League des Bio-Weins, ökologischer Landbau unter anthroposophischen Prinzipien. Bei den Anbaumethoden spielt z. B. Hornkiesel und Hornmist eine zentrale Rolle "für die Biodynamik zur Speicherung kosmischer Kräfte (sic!)". Da darf man doch mal gespannt sein, einen Wein, der kosmische Kräfte bündelt, habe ich noch nie probiert.

Die Gutedel, je nach Region auch Chasselas oder Fendant genannt, gilt als eine der ältesten Rebsorten. Nach einer Überlieferung soll ihr Ursprung in Ägypten vor 5.000 Jahren liegen, auch wenn dies wissenschaftlich nicht bestätigt ist. Sie ist die meistangebaute Rebsorte der Schweiz und im Markgräflerland. Der Harteneck Gutedel 2011 trocken ist nach eigenen Angaben der beliebteste Wein des Weinguts.

Terrassenwein in Rot: Flor de Montgó Organic Bag-in-Box 3l.

Flor de Montgo

Das Schöne beim Weintrinken ist, dass man genießen und sich gleichzeitig ganz entspannt weiterbilden kann. Z. B. wusste ich bisher weder genau, wo die Weinbauregion Yecla liegt (im Südosten Spaniens), noch was die Rebsorte Monastrell genau ist. Letztere ist besser bekannt unter ihrem französischen Namen Mourvèdre, sie ist eine der in Südfrankreich verbreiteten Edelreben und fast immer in Cuvées von Châteauneuf-du-Pape und anderen Weinen der Region vertreten. In der spanischen D. O. Yecla stellt sie mit ca. 80% den Löwenanteil der Rotwein-Trauben.

Die Monastrell wird nur selten reinsortig ausgebaut. Somit ist die Flor del Montgo Organic Bag-in-Box - 3,0 L. des Online-Weinshops vinos.de gleich in dreifacher Hinsicht etwas Besonderes: Ein reinsortiger Monastrell als Biowein im Weinschlauch. Da juckt einem die Weinnase und sagt: Her damit!

Spaniens Winzer trotzen der Krise: D.O. Utiel-Requena Partybox Rosé 3,0 L.

D.O. Utiel-Requena Partybox Rosé

Den Online-Weinversand vinos.de habe ich schon länger in Beobachtung. Nach eigenen Angaben waren sie seinerzeit einer der ersten Online-Weinshops überhaupt und haben mit über 1.800 das umfangreichste Angebot an spanischen Weinen im Netz, das ich je gesehen habe. Dabei geht die Preisspanne von einfachen Landweinen (span. Vino de mesa) für unter vier Euro bis zur Ultra-Premiumklasse im vierstelligen Euro-Bereich, das Ganze mit sehr attraktiven Versand- und Rücknahmebedingungen.

Auch für die aktuelle Wirtschaftskrise im Mittelmeerraum hat man die passende Antwort parat. Es wurde kurzerhand das Bodegas Projekt Krisenbox ins Leben gerufen, nach eigenen Angaben um die derzeit sehr günstigen Preise für spanischen Wein direkt den deutschen Endkunden zugute kommen zu lassen. Hierzu wurden insgesamt vier Bag-in-Box-Abfüllungen (neudt. für Weinschlauch) kreiert und zum knallharten Preis von jeweils 10 Euro/3 l angeboten.

Das mag man Krisengewinnlertum nennen oder als Marketing-Gag bezeichnen. Ich habe mir mein eigenes Bild gemacht und mir die Partybox Rosé der hierzulande weithin unbekannten D.O. Utiel-Requena kommen lassen. Das Ergebnis: Alle Achtung! Wenn in Spanien alle so kreativ mit der Krise umgingen, wäre sie vermutlich schnell überwunden. Mehr dazu im Blog.

Bio-Wein vom Feinsten: Pasión Delinat 2009

Pasión Delinat 2009

Bis vor Kurzem hab ich mir nicht viel aus Wein aus biologischem Anbau gemacht. Beim Wein interessieren mich in erster Linie Geschmack und Herkunft. Meinen Lieferanten vertraue ich in der Regel soweit, dass sie mir ein lebensmitteltechnisch einwandfreies Produkt verkaufen, und bei Anbautechniken finde ich vor allem wichtig, inwieweit sie dem Geschmack und der Typizität des Weines zuträglich sind.

Aber man lernt ja gern dazu. Neulich wurde ich eingeladen, einen neuen Wein des Schweizer Versandhandelsunternehmens Delinat AG zu verkosten, den Pasión Delinat 2009. Delinat ist auf den Vertrieb von europäischen Weinen aus kontrolliert biologischem Anbau spezialisiert.

Das Probepaket erreichte mich zusammen mit professionellem, speziell für diesen Wein erstellten Prospektmaterial (siehe S. 7-13), einem kleinen Tapas-Kochbuch und sogar, man glaubt es kaum, einer dem Wein gewidmeten CD mit Flamenco-Musik. Ein solches Marketingfeuerwerk macht mich normalerweise eher skeptisch, es wäre nicht das erste Mal, dass hier eine gut geölte Marketingmaschine einen mittelmäßigen Massenwein teuer verkaufen helfen soll. Aber diesmal war alles anders ...

3Klang 2008, Weingut Ihle, Rauenberg/Kraichgau

Ihle 3klang

Dass auch deutsche Winzer heutzutage gehaltvolle, dichte Rotweine produzieren, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass dies angeblich an der Klimaerwärmung liegt, ist dagegen in meinen Augen blanker Unsinn. Das Klima in Deutschland ist kaum messbar wärmer geworden, das merkt man ja dieses Jahr mal wieder ganz deutlich. Wenn überhaupt, dann findet die Erwärmung im globalen Durchschnitt statt. Aber lassen wir das, hier ist ein Gourmet-Blog und nicht Greenpeace.

Der eigentliche Grund für immer mehr gute deutsche Rotweine liegt schlicht darin, dass die hiesigen Winzer sich zum Einen die Techniken ihrer Kollegen aus dem Ausland und aus Übersee abgeschaut haben. Und zum Anderen gibt es mittlerweile für diese Weine auch einen Markt, sprich der deutsche Weintrinker honoriert zunehmend die Bemühungen heimischer Winzer, indem er für einen guten Rotwein lokaler Provenienz auch mal zehn Euro und mehr zu zahlen bereit ist.

Die Winzerfamilie Ihle aus dem kurpfälzischen Rauenberg hat diese Erkenntnis konsequent umgesetzt. Kellermeister Andreas Ihle hat sein Wissen in Südafrika auf den neuesten Stand gebracht. Sein Lemberger Alte Reben und der Spätburgunder Barrique sind seit jeher Monumente badischen Rotweinbaus jenseits des klassischen Spätburgunders.

Außerdem begann Ihle vor einigen Jahren mit dem Versuchsanbau der eigentlich südfranzösischen Syrah-Rebe auf seinen Parzellen. Das Ergebnis ist seit 2008 käuflich zu erwerben, und zwar in verschiedenen Ausbaustufen. Neben einer reinsortigen Syrah-Abfüllung führt Ihle in seinem Sortiment noch zwei Cuvées mit Syrah-Anteil. Eine davon, den 3Klang 2008, schaute ich mir neulich genauer an.

Und es schmeckt doch: Weiße Schokolade mit Curry, Kokos und Banane zu Weißburgunder lieblich

Weiße Schokolade mit Curry und Kokos mit Weißburgunder lieblich

Ich gesteh's lieber gleich: Bei dieser Verkostung habe ich gleich zwei Tabus gebrochen. Wein und Schokolade? Ein No-Go für mich - bisher. Und lieblicher Weißwein? Ist doch was für Kaffeetanten, geh mir fort mit dem klebrigen Zeug! Und dann noch beides gleichzeitig... Aber wenn es so nett präsentiert wird wie letztens bei dem Verkostungs-Event Wein und Schokolade des Winzerkellers Wiesloch, dann gibt man sich halt einen Ruck.

Und das war nicht umsonst. Vor allem, wenn man einen wirklich gut ausbalancierten Wein wie den Malscher Ölbaum 2009 Weißburgunder Kabinett lieblich des Winzerkellers Wiesloch mit einer so ungewöhnlichen und edlen Schokolade wie der Schweizer Marc Antoine weiße Schokolade Curry, Cocos, Banane kombiniert.

Nach dem Essen: Prickelnder Lesegenuss mit dem neuen Buch von Ann Westphal