Weinempfehlung zu einem oder mehreren Gerichten

"Le Beaujolais nouveau est arrivé!" - oder darf's lieber ein Junger Österreicher sein?

Beaujolaus nouveau und Junger Österreicher

Der dritte Donnerstag im November ist bei vielen Weinfans ein Kultdatum: "Le Beaujolais nouveau est arrivé!" - Der neue Beaujolais ist da! Dies hat eine lange Tradition. Der Verkauf jungen Weins des aktuellen Jahrgangs ist nach dem französischen Weingesetz eigentlich nicht erlaubt. Im November 1953 jedoch erstritten sich die Winzer des Beaujolais eine Ausnahmegenehmigung, ihren neuen bzw. ersten ("nouveau" bzw. "primeur") Wein ab dem dritten Donnerstag im November desselben Jahres verkaufen zu dürfen. Seitdem flippt die gesamte Wein trinkende Welt regelmäßig Mitte November aus und stürmt die Weinregale. Angeblich werden jedes Jahr 40 Millionen Flaschen Beaujolaus nouveau produziert, von denen über drei Viertel nach Nordamerika, Japan, Deutschland und Großbritannien exportiert werden.

Wie so oft ist ein Kult der Qualität eines Produkts nicht unbedingt zuträglich. Beaujolais hat in vielen Kreisen das Image eines Billigweins, und das teilweise zu Recht. Die Gamay-Traube, aus der er gekeltert wird, tritt im Qualitätsweinbau ansonsten nicht in Erscheinung. Natürlich gibt es auch anspruchsvolle, reifere Beaujolais, im Vergleich zu ihren jungen Ablegern sind sie jedoch kommerziell wie kulinarisch vergleichsweise unbedeutend. Für einen Beaujolais nouveau vernünftiger Qualität muss man fast so viel ausgeben wie für einen ordentlichen Burgunder. Anlass genug für einen Test, ob das Geld gut angelegt ist.

Wer Beaujolais partout nicht mag, für den gibt es mittlerweile zum Glück auch andere Primeur-Weine. Neben einem Beaujolais nouveau habe ich mir deshalb einen jungen Kremser aus Österreich genauer angeschaut und natürlich probiert.

Fruchtiger Sizilianer: 2008 Feudo Arancio Nero d'Avola Sicilia Weinschlauch 5 Liter

Feudo Arancio

Feudo Arancio heißt auf gut Deutsch "Orangenhof". Das ist der Name eines sizilianischen Landweins, der seit einiger Zeit bei Jacques im Angebot ist. Dabei ist die Namensgebung nicht etwa ein Hinweis auf den durchaus fruchtigen Charakter dieses Weins, sondern darauf, dass Zitrusfrüchte das bedeutendste Agrarprodukt dieser Gegend sind. Die Liebhaber der sizilianischen roten Leitrebe Nero d'Avola dürfen sich freuen, denn sie bekommen mit dem Feudo Arancio ihren Lieblingswein im 5-Liter-Weinschlauch, und das bei einem fantastischen Preis-Leistungsverhältnis.

Wein aus der Wüste: Artero Muñoz la Mancha Crianza 2006

Artero Crianza 2006

Die spanische Weinregion La Mancha ist in Deutschland immer noch kaum bekannt. Und das, obwohl sie mit mehr als 500.000 Hektar Rebflächen das größte Weingebiet der Welt ist und die Hälfte der spanischen Weinproduktion liefert. Ebenso wenig bekannt ist, dass der typische spanische Wein eigentlich der Weißwein ist. 450.000 ha der Mancha sind mit der Weißwein-Rebe Airén bepflanzt, das entspricht ziemlich genau 50% der Rebfläche Frankreichs. Und das, obwohl nach dem Beitritt Spaniens zur EU ein Drittel der Rebflächen der Mancha stillgelegt wurden. Leider liefert die Airén nur äußerst durchschnittliche Weine, die allenfalls für die Brandy-Destillation taugen.

Das Klima der Mancha (span. für "Schmutzfleck") ist extrem, im Winter sinken die Temperaturen auf -15°C, im Sommer erreichen sie bis zu 45°C. Dabei ist es fast wüstenhaft trocken. Trotz dieser unwirtlichen Bedingungen entstehen in der Mancha manche hervorragenden Weine, diese sind dann allerdings meist Rotweine. Führend ist dabei die edelste spanische Rotweinrebe Tempranillo, hier Cencibel genannt. Einer davon ist der Artero Crianza 2006 von den Bodegas Muñoz. So viel vorweg: So viel Wein für so wenig Geld bekommt man nicht alle Tage.

Der Ultra-Wein: 2006 Kaiken Ultra - Cabernet Sauvignon

2006 Kaiken Ultra - Cabernet Sauvignon

Für den 2006 Kaiken Ultra - Cabernet Sauvignon habe ich gleich mit zweien meiner Gewohnheiten gebrochen. Nämlich erstens hier nur Weine der Preisklasse kleiner 10 Euro vorzustellen. Aber so etwas kann passieren, wenn man es bei der jüngsten Verkostung bei Jacques mit einem solchen Über- oder besser Ultra-Wein zu tun bekommt. Der Agenturinhaber hatte listig eine offene Flasche davon auf den Aktionsverkostungstisch geschmuggelt. Ich war leider etwas spät dran und konnte sozusagen nur noch das Ausstellungsstück erwerben.

Und zweitens Weine aus der Rebsorte Cabernet Sauvignon zu kosten. Seit einiger Zeit versucht sich ja alle Welt, sogar in unseren Breiten, an schweren, barrique-lastigen Rotweinen aus Syrah- oder Cabernet-Reben. Das ist für mich ungefähr so wie italienisches Bier - das geht schlicht und ergreifend gar nicht. Lasst das bitte die Winzer machen, die was davon verstehen! A propos Italien: Selbst italienische Rotweine sind immer öfter Cabernets. Und speziell die Neue-Welt-Weine der südlichen Hemisphäre schmecken oft übertrieben nach Holz und schwarzen Johannisbeeren, um mit Gewalt gegen die großen Gewächse aus Bordeaux anzustinken, anstatt die eigenen Stärken zu kultivieren. Solche Cabernets stehen bei mir deshalb eigentlich auf dem Index.

Was bin ich im nachhinein froh, dass ich mir gleich zwei Mal einen Ruck gegeben habe ...

Urlaubswein: Villa Anitan Blanco - Weinschlauch 10 Liter

Villa Anitan Blanco

Auch ein 10-Liter-Weinschlauch gehört zu meiner Urlaubs-Standardausstattung für Ferien-wohnungen. Fährt man im Sommer an die Küste, bietet sich ein leichter, fruchtiger Weißwein an, der gut zu Fischgerichten passt. Jacques' Weindepot hat auch hier wieder etwas Passendes im Angebot, den Villa Anitan Vino de Mesa Blanco aus Spanien. Leider hatte ich vergessen, ein Foto zu machen, bevor ich den Karton für die Rückreise entsorgte. Auf dem Foto oben also nur die Innereien, der eigentliche Schlauch mit dem traurigen Rest von drei Wochen Urlaub. Den Originalzustand kann man bei Jacques betrachten.

Der 2009er ist da! Aroma Frambuesa Syrah Rosé 2009

Aroma Frambuesa Syrah 2009

2009er? Jetzt schon? In der Tat, denn in den Weingärten des Nuevo Mondo auf der Südhalbkugel ist schon im März Weinlese. Die ersten Lesen des 2009er Jahrgangs sind jetzt auf Flaschen gezogen und im Handel erhältlich. Mein Lieblingsweinhändler Jacques´Weindepot hat im aktuellen Aktionsprogramm den Aroma Frambuesa Syrah Rosé 2009 von Estelle Dauré aus dem Colchagua Valley in Chile im Angebot.

Spritziger Sizilianer: Grillo 2008 Luigi Avogadri

Grillo 2008 Luigi Avogadri

Bei dem heute vorgestellten Wein handelt es sich nicht etwa um einen speziellen italienischen Wein nur für Grillabende - obwohl er zu diesem Anlass sicher ausgezeichnet geeignet wäre. Grillo ist vielmehr eine hauptsächlich auf Sizilien vorkommende Weißweinrebe. Einige Weinhändler behaupten sogar, es gäbe sie nur dort, Önologen und andere gebildete Menschen sprechen von in solchen Fällen von autochthon.

Allerdings schreibt Wikipedia, dass die Grillo eigentlich aus Apulien stammt und erst nach der Reblauskatastrophe nach Sizilien gekommen ist. Mittlerweile wird sie offenbar auch auf dem italienischen Festland und sogar in Australien, Mexiko (!) und Brasilien (!!) angebaut. Wobei mir Mexiko und Brasilien als Weinbaunationen bisher völlig unbekannt sind, aber man lernt ja nie aus.

Der Wein dürfte übrigens ein passender Begleiter zu dem hier offenbar sehr beliebten Brathuhn mit Zitrone nach Marcella Hazan sein. Mehr dazu im Artikel.

Terrassenwein: 2008 Marrenon rosé Côtes du Luberon Weinschlauch

2008 Marrenon rosé Weinschlauch

Die Schafskälte liegt hinter uns, der Terrassen-Saison steht nichts mehr im Wege. Die perfekte Ergänzung zu einem lauen Sommerabend auf der Terrasse ist für mich ein Glas Rosé. Leider gibt es da ein Problem: Die meisten Rosés halten sich nicht besonders lange in der geöffneten Flasche. Man muss sich dann gewöhnlich zwischen den zwei Alternativen entscheiden: Entweder mehr zu trinken - was auf Dauer nicht gesund ist - oder irgendwann den Rest verdorbenen Weins wegzuschütten - was schade ist. Glücklicherweise gibt es eine dritte Alternative ohne die beiden Nachteile. Sie ist allerdings schuld daran, dass auch dieses Foto nicht besonders spektakulär ausfällt - was man vom Gegenstand dieses Blogs bei weitem nicht behaupten kann.

Klassiker zum Spargel: 2008 Fürstenfass Riesling, Weinkellerei Hohenlohe, Württemberg

2008 Fürstenfass Riesling

Rieslingweine zählen nach wie vor zu den beliebtesten Begleitern traditioneller Spargelgerichte, vor allem wegen der riesling-typischen Säure. Früher, als Spargel noch eine knackig-bittere Geschmacksnote hatte (wer erinnert sich noch?), muss diese Allianz noch kongenialer gewesen sein. Heute schmeckt Spargel gefälliger, aber Riesling kann man immer noch gut dazu trinken, wie fast alle fruchtbetonten Weißweine. Schwerere Weißweine mit Holzfasstouch aus Australien oder Sauvignon blanc dagegen kommen mit Spargel gar nicht zurecht - zumindest meiner Erfahrung nach.

Das Angebot an hochwertigen Rieslingen ist in Deutschland glücklicherweise nach den Irrungen der 70er und 80er Jahre wieder riesig. Man erinnert sich mit Grausen an die Massen-Rieslinge von der Mosel, mal Zuckerwasser, mal essigsauer. Aus dieser Zeit stammt vermutlich meine instinktive Vorsicht gegenüber deutschen Weinen. Das ist heutzutage glücklicherweise nicht mehr begründet.

Strasbourger Mitbringsel Teil 4: La Bastide St. Dominique Cuvée Jules Rochebonne 2006

Strasbourger Mitbringsel Teil 4: La Bastide St. Dominique Cuvée Jules Rochebonne 2006

Eigentlich bin ich zu befangen für die Beschreibung dieses Weines, denn Syrah-Cuvées aus der AOC Côtes du Rhône gehören seit jeher zu meinen Lieblingsweinen, und die Kreationen von Marie-Claude und Gérard Bonnet von Château La Bastide St. Dominique aus Courthézon südöstlich von Orange in der Provence sind für mich jedes Jahr allein Grund genug, nach Strasbourg zu fahren und meine Bestände aufzufüllen.

Aber ich will versuchen, sachlich zu bleiben. Die Cuvée Jules Rochebonne von La Bastide St. Dominique besteht zu 75% aus Syrah und zu 25% aus Grenache noir. Das Ergebnis ist ein in jeder Hinsicht beeindruckender, opulenter Rotwein.