Alle Jahre wieder: Welcher Wein zum Weihnachtsmenü? mankannsessen.de hat Antworten

Der Wein zum Weinachtsmenü

Es soll angeblich Menschen geben, die nur zu Weihnachten Wein trinken und sonst nie. Das liegt natürlich außerhalb meiner Vorstellungskraft, aber einmal im Jahr ist immerhin besser als nie. Aber gleichgültig, ob selten oder nicht: Damit dieses Ereignis nicht zum Frusterlebnis wird, möchte mankannsessen.de auch hier etwas Schützenhilfe leisten und zum zuletzt hier vorgestellten Weihnachtsmenü die - hoffentlich - passenden Weine präsentieren. Und da es ein schöner Brauch ist, sich an Weihnachten etwas Besonderes zu gönnen, wird die 10 €-Preisgrenze für diese Weinempfehlung außer Kraft gesetzt.

Bei der Auswahl und Beschaffung der Weine war uns einmal mehr unser Sponsor solvino.de behilflich. Schon an dieser Stelle sei verraten, dass wir drei Weine zu verkosten hatten, die jeder für sich alles andere als alltäglich waren.

Sauvignon Blanc 2009 Constantia Glen, Constantia (Südafrika)

Den Anfang zur Pastinakensuppe machte ein Sauvignon Blanc aus Südafrika, der 2009er Constantia Glen. Die Sauvignon Blanc erhielt durch 8% Sémillon Rückendeckung, außerdem wurden ganze 4% der Cuvée in Barriques ausgebaut. Dadurch behielt der Wein zwar die Charakteristik eines reinsortigen Sauvignon blanc, gewann aber spürbar an Rückgrat. Mit einem Alkoholgehalt von 13 Vol.% ist er gehaltvoll, aber nicht zu schwer.

Im Glas zeigt er eine blassgelbe Farbe mit leichten grünlichen Reflexen. Das Bouquet erinnert spontan an frisch gemähten Rasen - typisch Sauvignon blanc - und etwas Limetten. Meine Mitverkoster waren da noch kreativer, sie erinnerte der Wein an Teer und Maiglöckchen. Wie neulich hier schon erwähnt, die Gedanken sind frei. In der Tat weist der Constantia Glen ein ungewöhnlich komplexes und duftiges Bouquet auf, da sind viele Assoziationen möglich.

Im Mund beeindruckt zunächst die kräftige Säure, ohne adstringierend zu wirken. Das Mundgefühl war im Gegenteil sehr frisch und angenehm, was man wohl gern mit dem Begriff Schmelz umschreibt. Von Restsüße keine Spur, dafür viel Zitrusfrucht und ein faszinierender mineralischer Ton, den ich mal ganz frech als Feuerstein klassifiziere. Insgesamt eine grandiose Balance von komplexen Aromen mit einem tollen Nachhall.

Obwohl die Pastinakensuppe einen eher süßlichen Charakter hatte, passte der Constantia Glen hervorragend dazu, ähnlich wie frische Beerenfrüchte zu Mousse au Chocolat. Das süß-saure Wechselspiel entfachte im Mund ein regelrechtes Aromenfeuerwerk. Auch andere sind von diesem Wein begeistert, der John Platter´s South African Wine Guide 2010 z. B. verlieh ihm 4,5 von 5 Sternen.

Solvino empfiehlt eine Trinktemperatur von 8-10°C, etwas wärmer schmeckt er aber auch noch sehr gut. Den Preis von 9,95 € kann man bei der gebotenen Qualität fast als Schnäppchen bezeichnen.

Valpolicella Superiore Ripasso DOC 2008 Corte Adami, Soave (Venetien)

Zum Hauptgang, der Ente mit Essigkaramellsauce, tranken wir dann einen Valpolicella Superiore Ripasso, und zwar den 2008er von Corte Adami.

Den Valpolicella Ripasso nennt man auch den kleinen Amarone. Wer es nicht weiß: Der Amarone ist eine aus getrockneten Trauben gekelterte Weinspezialität der Region Valpolicella mit einem eigenwilligen, konzentrierten Aroma. Für einen Ripasso (auf deutsch sinngemäß etwa "ich komm noch einmal vorbei") wird Valpolicella aus 40-50 Jahre alten Reben ein zweites Mal auf dem Trester des Amarone vergoren. Hierdurch wird der Ripasso intensiver und kräftiger als der eher leichte Valpolicella.

Der Corte Adami wird komponiert aus der für Valpolicella typischen Cuvée von 50 % Corvina und 15% Rondinella, ergänzt um 35% der Amarone-Traube Corvinone. Der Alkoholgehalt liegt bei recht opulenten 13,5 Vol.%. Er wird für 12 Monate im Holzfass ausgebaut.

Der Wein schimmert im Glas rubinrot, das komplexe Bouquet enthält feine Röstnoten und Anklänge an Lakritz und Rosinen (Amarone!). Der Auftakt in der Mundhöhle ist eher leicht, der Wein hat weniger Körper als erwartet, vielleicht ist er noch etwas jung. Man nimmt Aromen von Tabak und Dörrpflaumen wahr, die schön ausbalancierte Säure sorgt zusammen mit den feinen Tanninen für ein angenehmes Mundgefühl.

Der Corte Adami ist zweifellos ein großer Wein mit komplexen Aromen. Mit unserem kräftigen Hauptgericht aus dem Weihnachtsmenü, vor allem der intensiven Sauce, war er allerdings ein wenig überfordert. Liebhaber kräftiger, körperreicher Rotweine sind zu diesem Gericht mit einem chilenischen oder argentinischen Cabernet, wie etwa dem Kaiken Ultra, evtl. besser bedient. Wer sich in den Ripasso verguckt hat, sollte den dritten Gang dagegen durch einen mit einer leichteren Sauce ersetzen, wie z. B. Rinderfilet Wellington oder Hirschkalbsrücken.

Der Gambero Rosso 2012 bewertet den Corte Adami mit 1 Glas. Solvino rät zu einer Trinktemperatur von 18-20°C. Man bekommt ihn dort derzeit für 13,90 € (statt 15,90 €).

Adsum Passito Sauvignon Blanc IGT 2009 Pierpaolo Pecorari, San Lorenzo Isontino (Friaul)

Abschließend gab es dann als Begleiter unseres Zimtparfaits mit Burgunderpflaumen einen italienischen Dessertwein, und zwar den 2009er Adsum Passito von Pierpaolo Pecorari, ein reinsortiger Sauvignon Blanc Auslese mit ca. 90 Gramm Restzucker und einem Alkoholgehalt von 14 Vol.%. Er wird hergestellt aus Trauben von über 40 Jahre alten Reben und wird für rund 11 Monate unter wiederholtem Aufrühren der Hefe ("Battonage") in Eichenholzfässern vergoren, dazu kommen noch einmal 7 Monate Reife in der Flasche. Pro Jahr werden jährlich nur 2000 kleine Flaschen abgefüllt.

Der Adsum (lat. "Da bin ich") ist ein rassiger Wein mit einer feinen Säure, einem frischen Aroma von gelben Früchten und vielleicht auch frischen Kräutern und einer gar nicht pappigen, eleganten Restsüße. Dennoch hat er etwas Mühe, sich gegen das Zimtparfait und insbesondere die sehr aromatischen, süßen Burgunderpflaumen zu behaupten. Ein Portwein oder Sauternes wäre hier evtl. besser zurechtgekommen, es muss ja nicht gleich Château d'Yquem sein. Perfekt passen dürfte der Adsum z. B. zu Zitronenparfait oder auch zu reifem Käse.

Solvino verspricht für diesen Wein ein Reifepotenzial bis 2018 und empfiehlt eine Trinktemperatur von 11°C. Erhältlich ist er dort für stattliche 17,95 €, was allerdings für hochwertige Süßweine ein marktüblicher Preis ist.

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