Der Ultra-Wein: 2006 Kaiken Ultra - Cabernet Sauvignon

2006 Kaiken Ultra - Cabernet Sauvignon

Für den 2006 Kaiken Ultra - Cabernet Sauvignon habe ich gleich mit zweien meiner Gewohnheiten gebrochen. Nämlich erstens hier nur Weine der Preisklasse kleiner 10 Euro vorzustellen. Aber so etwas kann passieren, wenn man es bei der jüngsten Verkostung bei Jacques mit einem solchen Über- oder besser Ultra-Wein zu tun bekommt. Der Agenturinhaber hatte listig eine offene Flasche davon auf den Aktionsverkostungstisch geschmuggelt. Ich war leider etwas spät dran und konnte sozusagen nur noch das Ausstellungsstück erwerben.

Und zweitens Weine aus der Rebsorte Cabernet Sauvignon zu kosten. Seit einiger Zeit versucht sich ja alle Welt, sogar in unseren Breiten, an schweren, barrique-lastigen Rotweinen aus Syrah- oder Cabernet-Reben. Das ist für mich ungefähr so wie italienisches Bier - das geht schlicht und ergreifend gar nicht. Lasst das bitte die Winzer machen, die was davon verstehen! A propos Italien: Selbst italienische Rotweine sind immer öfter Cabernets. Und speziell die Neue-Welt-Weine der südlichen Hemisphäre schmecken oft übertrieben nach Holz und schwarzen Johannisbeeren, um mit Gewalt gegen die großen Gewächse aus Bordeaux anzustinken, anstatt die eigenen Stärken zu kultivieren. Solche Cabernets stehen bei mir deshalb eigentlich auf dem Index.

Was bin ich im nachhinein froh, dass ich mir gleich zwei Mal einen Ruck gegeben habe ...

Herkunft

Was dem Gourmet der Sternekoch, ist dem Weinfan der Star-Winzer. Aurelio Montes aus Chile hat sich diese Bezeichnung ohne Frage verdient, und zwar nicht durch Allüren und Marketing, sondern durch wirklich erstklassige Weine, mit denen er einen wichtigen Beitrag für den Aufstieg seiner südamerikanischen Heimat in die Liga der Premiumwein produzierenden Länder geleistet hat. Jacques' Weindepot hat einige davon im Stammsortiment.

Für den Kaiken hat Montes einen Ausflug auf die andere Seite der Anden, in die Provinz Mendoza des benachbarten Argentinien, gemacht. Seine Trauben - eine Cuvée aus 90% Cabernet Sauvignon und 10% Malbec - stammen von dort, aus einem Weinberg in 750 m Meereshöhe. Kaiken ist übrigens, so lehrt die wie immer informative Website von Jacques, nicht etwa der japanische Begriff für Qualitätswein, sondern der Name der Mapuche-Indianer für die patagonische Wildgans, die - wie sinnig - über den Anden zwischen Chile und Argentinien hin und her fliegt. Dieses Detail verrät uns Aurelio Montes auf seinem Etikett, weitere interessante Einzelheiten findet man unter www.kaikenwines.com. Reifen darf der Wein zwölf Monate in französischen Barriques.

Verkostung

Das Resultat ist einfach zum Niederknien. Der Kaiken Ultra hat so gar nichts von den marmeladigen, mit Vanille- und Cassistönen überladenen Neue-Welt-Cabernets, die allerorten opportunistisch imitiert werden, nur um Robert Parker zu gefallen. Was nicht heißt, dass der Wein von Weinkritikern links liegen gelassen wird. Das Internet ist voll von Bewertungen jenseits der 90 Punkte auf der Parker-Skala. Man denkt sich, so viele Experten können nicht irren - und behält recht.

Das beginnt bei Farbe und Bouquet: Der Kaiken Ultra leuchtet im Glas feurig rubinrot, in die Nase steigen dezente, vielschichtige Aromen, die u. a. an Pfeifentabak erinnern. Bei einer Blindprobe hätte ich nie auf einen Cabernet getippt, das Barrique ist allenfalls zu ahnen, und die Frucht entfaltet sich sehr komplex. Im Mund breitet sich ein angenehm samtiges Gefühl aus, verursacht von der sehr gut ausbalancierten Säure, die zwar leicht prickelt, aber trotz des vergleichsweise jugendlichen Alters keinerlei Spitzen zeigt. Allerdings hatte ich den Wein für eine Stunde im Dekanter, das sollte man sich bei so einem Tropfen gönnen. Der Charakter des Kaiken ist einem spanischen Rioja recht ähnlich, dabei ohne vordergründiges Holz, aber auf jeden Fall mit schönen Röstaromen und einer angenehmen Restsüße. Der runde, komplexe Wohlgeschmack klingt im Mund ewig lange nach. Und trotz der heftigen 14,5 Vol.-% Alkohol ist er erstaunlich bekömmlich.

Ein paar Worte zur Ökologie

Bei Weinen aus der neuen Welt handelt man sich immer schnell die Kritik ein, warum man denn Weine um den halben Globus schippern muss, wenn doch bei uns vor der Haustür so tolle produziert werden. Dazu möchte ich erwidern: Erstens ist dank moderner Containerschifffahrt die Ökobilanz des Transports einer Palette Wein von Argentinien nach Deutschland kaum schlechter als für eine Palette Bier von Warstein nach Hamburg. Und zweitens: Das Bessere ist der Feind des Guten. Es gehört nun mal zu den Annehmlichkeiten der Globalisierung, dass man heutzutage aus allen Ländern dieser Welt das Beste daheim zu kaufen bekommt. Ich bin viel zu sehr Genussmensch, als dass ich dieses Angebot ignorieren könnte.

Beschaffung

Ach ja, der Preis. Ich hatte eingangs ja erwähnt, dass ich diesmal mein Portmonee etwas weiter aufgemacht habe. Für den Kaiken Ultra muss man bei Jacques stolze 13,90 Euro berappen. Angesichts der überragenden Qualität kann man das nur als fair bezeichnen. Dennoch es geht noch etwas preiswerter: Wenn man sich das Verkosten sparen und vom heimischen Schreibtisch aus bestellen will, kommt man beim Online-Shop Belvini sogar für "nur" 11,90 Euro zum Zuge.

Dazu passt ...

Der Kaiken ist der perfekte Wein zu Rindersteaks. Das dürfte nicht überraschen, schließlich ist es ein Argentinier, und dort zählen Rindersteaks ja quasi zu den Grundnahrungsmitteln. Für mich war er der Begleiter zu den genialen Rindersteaks mit Balsamico-Schalotten, Kartoffelgratin und Bohnengemüse. Dabei entwickelte sich eine perfekte Harmonie zwischen den süß-säuerlichen Balsamico-Schalotten und der eleganten Säure-Restsüße-Balance des Weins. Ich könnte ihn mir auch zu pikanten asiatischen Gerichten mit dunklem Fleisch, z.B. Curries aus Rind- oder Lammfleisch, vorstellen.

10'000km

Warum soll mich ein Wein, der von Chile bis Europa mehr als 10'000km gemacht hat interessieren? Sollte nicht gerade in Kochblogs nach dem Motto "die besten Zutaten wachsen im eigenen Garten" mehr ökologischer Sinn vorhanden sein?

Nehmt mir die Hasstirade nicht übel. Versteht viel mehr was für ökologisch unbegründbarer Unsinn der Transport von Esswaren um die halbe Welt ist.

Grüsse und weiterhin viel Spass beim Kochen.

Ökologie vs. Hedonismus

Dieser Einwand ist sicher relevant, wie ich ja auch in dem Beitrag schon schrieb. Allerdings geht es in diesem Blog nicht in erster Linie um Ökologie, sondern um Genuss. Und genossen habe ich den Wein in vollen Zügen, darauf kommt es mir an. Ihn als "Essware" zu bezeichnen, trifft es finde ich nicht ganz. Außerdem: Deutschland exportiert seine Spitzenprodukte auch in alle Welt. Und ja, ich bekenne mich schamlos zu meinem Hedonismus.

Ich hoffe dann doch sehr,

Ich hoffe dann doch sehr, dass dieser Kommentar vom Hometrainer aus geschrieben wurde, der ökologisch korrekt den PC mit Strom versorgt.
*Kopfschüttel* Der Kommentar ist völlig fehl am Platz.

Mumm vs. Hedonismus

Ich finde diejenigen, die erkennen dass die Globalisierung im Bereich der Nahrungsmittel aus verschiedenen Gruenden ein grosses Problem ist, auch den Mumm haben sollten diese und die betroffenen Nahrungsmittel abzulehnen (auch Wein).

Völlig fehl am Platz find ich

Völlig fehl am Platz find ich den Kommentar nicht. Und viele Blogger suchen gezielt nach guten Dingen aus ihrer Region, was ich auch nur unterstützen kann. Und ich hab auch immer wieder prinzipielle Problem mit Weinen aus Übersee, kaufe sie nicht, bin aber froh, wenn ich mal Gelegenheit habe sie irgendwo zu probieren.
Zum Wein, so wie Du ihn beschreibst scheint er doch eher recht modern zu sein. Vielleicht hat ihm der Malbec etwas Struktur mitgegeben, dass er nicht ganz so cabernettypisch ist. Den Hammer finde ich die 14,5 Prozent, das wäre mir eindeutig zu viel.

Also ich sag einfach mal,

Also ich sag einfach mal, guter Test, werde ihn bestimmt probieren. :)

Re: ...

@AxelF: :-)
@Spaghetti: Wenn Du hier unbedingt politisieren willst, bitte: Ich kann und will nicht verhehlen, dass ich es etwas zynisch finde, einerseits in einer Gesellschaft zu leben, die ihren Reichtum mit globalem Export von Premiumgütern erzielt, und andererseits Produzenten aus Schwellenländern und ihren hiesigen Kunden die rote Öko-Karte unter die Nase zu halten. Das passt einfach nicht, sorry.
@Wolf: Du wirst hier demnächst ganz sicher auch wieder deutsche Weintests finden. Aber ebenso, wie wir Rezepte aus aller Welt präsentieren, tun wir das auch mit den Weinen. Die 14,5% stören übrigens wirklich nicht, der Wein ist sehr elegant. Dann eben ein Gläschen weniger, fällt aber echt schwer. ;-)
@Gourmet: Danke, Du wirst es nicht bereuen.

Deutsch? Naja, die Toskana

Deutsch? Naja, die Toskana ist von uns aus etwa genauso weit weg wie die Mosel :-) Näher sind Franken, Baden oder Alto-Adige/Trentino...

Kann sein dass jemand meinen

Kann sein dass jemand meinen Kommentar unpassend findet. Es ist einfach was mir sofort durch den Kopf gegangen ist und dafuer ist doch die Kommentarfunktion da.

Den *Kopfschuettel* von AxelF nehme ich eigentlich nur mit Traurigkeit zur Kenntnis. Ich finde Resourcenverbrauch ist für einen halbwegs dokumentierten Menschen jederzeit ein Thema. Ausserdem zeigt der Blog interesse für Oekologie indem in einem Abschnitt das Thema vorweggenommen worden ist.

AT Weinnase: Ich finde ein Vergleich hinkt. Erstens wuerde ich Esswaren und Technologie nicht vergleichen. Esswaren sind ganz besonders weil es hungernde Menschen gibt, auch in Schwellenländern. Zweitens zeigts du die rote Karte nicht dem Schwellenland, sondern dem "westlichen" Multinationalem Konzern. Dieser hat die lokale Bevölkerung enteignet und zu Angestellten gemacht. Mit dem Lohn können sie nicht einmal genug essen kaufen. Hätten sie ihr eigenes Land könnten sie zumindest essen. Tönt wie ein Märchen, ist aber so.

Danke für den ausführlichen

Danke für den ausführlichen Bericht, werde den Wein mal mit meiner Frau an einem lauschigen Sommerabend probieren.

Re:

Freut mich, es gibt ihn jetzt übrigens wieder bei Jacques, wenn ich richtig gesehen habe.

Ökobilanz

Jeglicher Unterschied in einer CO2 Bilanz eines Weins aus Chile im Vergleich zu einem europäischen Wein fällt meine Meinung nach in dem Moment, in dem der Konsument in seinem Q7 zum nächsten Weinhändler (so hoffe ich doch), oder zum Supermarkt fährt.

Prost!

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