Die Weine zum mankannsessen-Weihnachtsmenü 2015 vom Weingut Menges

Menges-Weine zum Weihnachtsmenü

Wir sind nicht sicher, ob es erlaubt es, von Tradition zu sprechen, wenn etwas zum fünften Mal stattfindet. Aber warum eigentlich nicht, in unserer schnelllebigen Zeit. Also: Traditionell dürfen wir uns zu unseren Weihnachtsmenüs darüber freuen, dass die Weine dazu von uns freundich gesonnenen Winzern und Weinhändlern gesponsort werden. Dieses Jahr gilt unser Dank Weingut Menges aus Rauenberg. Für die überregionalen Leser unseres Blogs: Das liegt am südlichen Rand der Weinbauregion Badische Bergstraße, 20 km südlich von Heidelberg. Wir haben das Weingut hier bereits vor genau sechs Jahren in unserem ersten Winzerporträt vorgestellt.

Vater Edwin und Sohn Sebastian Menges stellten sich gern der Herausforderung, zu unserem Thema "Starke Aromen zum Fest" die passende Weinbegleitung auszusuchen. Wahrlich keine leichte Aufgabe diesmal, galt es doch Weine auszuwählen, die mit so intensiven Gewürzen wie Ingwer, Anis und Kaffee mithalten konnten. Aber da die Beiden in ihrem Weinkeller gern experimentieren und neue Techniken ausprobieren, hatten sie auch keine Probleme damit, uns diese ganz und gar unkonventionelle Weinprobe zusammenzustellen. Und den Wagemutigen hilft bekanntlich das Glück, wie schon die alten römischen Dichter wussten. Um es vorweg zu nehmen: Wir hatten eine diebische Freude daran, diesmal gleich mit drei kulinarischen Konventionen zu brechen.

Rotwein zur Suppe: Edvin 2014

Konvention Nr. 1: Zur Suppe gehört angeblich, wenn überhaupt, Sekt oder Weißwein. Das kann man gelten lassen, wenn man es mit einer Hühnerbouillon oder Spargelcremesuppe zu tun hat. Wir aber hatten unsere Paprika-Pastis-Suppe, und mit den darin reichlich enthaltenen mediterranen Aromen konnte unserer Überzeugung nach nur ein würziger Rotwein klarkommen. Prädestinierter Vertreter aus dem Hause Menges: Der Edvin 2014.

Mit seiner dunkelroten, ins Violette spielenden Farbe und seinem Bukett von Brombeeren, Cassis und, ja genau, Amarenakirsche könnte man ihn bei einer Blindprobe durchaus für einen jungen Côtes du Rhône halten. Dabei wird seine Cuvée dominiert von Rebsorten, die an der badischen Bergstraße zuhause sind. Auch im Geschmack gibt er sich als mediterran anmutender Schmeichler, samtig, rund, mit ätherischen Noten und Anklängen von Schwarzkirsche, mit durchaus wahrnehmbaren Tanninen und einer spritzigen Säure.

Insgesamt ein jugendlich-frischer, mit null komma null Gramm Restzucker durch und durch trockener und mit mäßigen 13 Vol.-% Alkohol bekömmlicher Wein, der mit unserer Suppe leichtes Spiel hatte, die kräftigen Aromen harmonierten wunderbar miteinander. Weingut Menges veräußert ihn zu 10,50 Euro die Flasche.

Süßwein zum Hauptgang, Weißwein zur Ente: Rauenberger Burggraf Riesling Spätlese Süß 2013

Konvention Nr. 2: Zu dunklem Fleisch müsse es ein trockener, roter Wein. In der Regel liegt man damit ja auch richtig. Allerdings ist in diesem Falle schon das Rezept eher ungewöhnlich: Ente im Riesling-Jus, und dann auch noch mit Ingwer. Da verbietet sich der Rotwein schon nach der klassischen Schule, nach der es heißt: Denselben Wein ins Glas und in die Sauce.

Also Riesling zur Ente. Wenn diese Entenbrüste dann aber mit Waldhonig glaciert wurden und außerdem noch die kräftigen Ingwer-Aromen zu berücksichtigen sind, gibt's nur eine Möglichkeit: Ein süßer Riesling muss her. Dann aber bitte einer mit einem kräftigen Schuss Säure als Gegengewicht. Glücklicherweise hat Menges auch hier etwas Passendes im Keller: Den Rauenberger Burggraf Riesling Spätlese Süß 2013. Allerdings sind wir hier nicht so weit gegangen, den guten Prädikatswein für die Sauce zu verplempern. Die Wette, dass man das herausschmecken kann, würden wir jederzeit eingehen.

Im Glas präsentiert sich dieser Riesling erwartungsgemäß blassgelb mit grünen Reflexen, sein Bukett ist würzig und erinnert an Karamell. Am Gaumen britzelt die kräftige Säure und erzeugt ein tolles Mundgefühl - 9,5 g/Liter Säure stehen hier 61 g Restzucker gegenüber. Bei den Aromen harmonieren weißer Pfirsich, getrocknete Aprikosen und Quitte mit süßlich-erdigen Noten, die mit dem Waldhonig des Rezepts genial korrespondieren, das ganze bei sehr bekömmlichen 8 Vol.-% Alkohol. Ab Weingut kostet eine Flasche dieses Weins 8,50 €.

Trockener Roter zum Dessert: Rauenberger Burggraf Lemberger 2005

Konvention Nr. 3: Zum Nachtisch gehört ein Süßwein. Auch dies passt natürlich fast immer. Wenn Kaffee im Spiel ist, bietet es sich allerdings an, einen Wein mit Röst- und leichten Oxidationsnoten auszuwählen. Mein zumindest Patron Edwin Menges, und der sollte es wissen, denn er hat es bereits selbst ausprobiert. Also wäre ein Port oder Sauternes passend, oder eben ein alter Rotwein. Wir schätzen uns glücklich, dass Familie Menges uns für diesen Gang aus ihrem Weinarchiv eine kleine Kostbarkeit gespendet hat: Den von einer stattlichen Staubkruste bedeckten Rauenberger Burggraf Lemberger 2005.

An dieser Stelle müssen wir allen etwas beichten, die versuchen möchten, unser Menü samt Weinauswahl 1:1 nachzustellen: Der Lemberger 2005 steht bei Menges leider nicht in der Preisliste. Wir konnten der Versuchung dennoch nicht widerstehen, diese Kombination auszuprobieren. Es gibt eben Angebote, die man nicht ablehnen kann.

Der Wein hatte nach dem Öffnen allerdings eine kleine Überraschung parat: Von rubinroter Farbe, zeigte er keinerlei Oxidationsspuren, dafür ein filigranes, komplexes Bukett, zurückhaltende Aromen von roten Johannisbeeren und Zartbitterschokolade, flankiert von weichen Tanninen. Auch die immer noch kräftige Säure war deutlich, aber angenehm spürbar. Insgesamt zeigte sich diese Wein-Preziose trotz ihrer zehn Jahre sehr robust und elegant, definitiv trocken, wie es nun mal Stil des Hauses ist und, last but not least, wie auch die anderen Weine der Probe sehr bekömmlich.

Und auch wenn von Oxidation keine und von Röstnoten nur geringe Spuren festzustellen waren, erwies sich auch dieser Wein als Glücksfall für den ihm zugedachten Gang. Die kräftigen Anis- und Kaffee-Aromen und die Süße des Desserts machten ihm überhaupt nichts, vielmehr löste die Geschmackskombination bei allen Teilnehmern des Festmenüs spontane Glücksgefühle aus.

Fazit

Wie beim Kochen, so lohnt es sich auch beim Wein immer mal wieder, sich nicht an Regeln zu halten. Alle gesponsorten Weine erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen zu hundert Prozent und harmonierten vorzüglich mit den ihnen zugeordneten Speisen. Also bitte keine Angst vor starken Aromen, und wie man sieht, müssen es hierzu nicht immer schwere Franzosen, Italiener oder Spanier sein. Zumindest nicht, wenn man innovative Winzer wie Edwin und Sebastian Menges vor Ort hat.

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