Gar nicht verkalkt: Rudolf May Silvaner Kalkmineral 2011 Kabinett

Rudolf May Silvaner Kalkmineral 2011

Da ich nördlich der deutschen Weinbaugebiete geboren bin und auch dort sozialisiert wurde, hatte ich schon einige Vorurteile über Wein mitbekommen, bevor ich den ersten Schluck davon genießen konnte. Eins davon war: "Frankenwein ist sauer". Der trockene, eher säurebetonte Wein aus Franken war schon damals nichts für Weineinsteiger, die typischerweise eher den süßlichen Schoppenweinen zugeneigt sind. Im traditionellen Bocksbeutel abgefüllt, war der Frankenwein schon immer was für Kenner und Liebhaber.

Offizielle Statistiken erhärten dies, etwa 40% der Frankenweine mit amtlichem Prüfsiegel tragen das Prädikat "trocken", eine etwa gleich große Menge wird in den klassischen Bocksbeutelflaschen abgefüllt. Wobei die fränkische Version von "trocken" die verschärfte ist, denn in Franken darf ein trockener Wein nur maximal 4 g/l Restzucker enthalten anstatt wie sonst in Deutschland 9 g/l. Den ältesten Urahnen des Bocksbeutels, ein keltisches Tongefäß aus der Zeit um 1400 v. Chr., fand man übrigens auf fränkischem Boden bei Wenigumstadt. Neben der Müller-Thurgau ist die Silvaner die klassische, prägende Weinrebe in Franken.

Rudolf May ist Winzer im fränkischen Retzstadt, ca. 20 km nördlich von Würzburg. Sein relativ junges Weingut, gegründet erst 1999, ist mit 13 ha Anbaufläche nicht gerade klein. Man ist dort stolz auf sein "Terroir", karge, "skelettreiche" Böden, die von Muschelkalk geprägt sind, und praktiziert naturnahen Weinbau mit viel Handarbeit an vorzugsweise alten Rebstöcken. Neulich hatte ich das Vergnügen, seinen Silvaner Kalkmineral 2011 zu verkosten, ein Geschenk der Familie.

Mays Ehrgeiz liegt darin, "die Mineralik des Muschelkalks spürbar zu machen", wie er auf seiner Website schreibt. Der Silvaner Kalkmineral ist prototypisch für diesen Weintyp. Die Rebstöcke sind gut 30 Jahre alt und stehen auf dem Muschelkalk der Lage Retzstadter Langenberg.

Der Wein präsentiert sich mit blassgelber Farbe und duftigem, filigranem Bouquet, die Nase wittert Aromen von Pfirsich und Stachelbeer. Dezent mineralisch in der Nase und am Gaumen, zeigt er erwartungsgemäß eine trockene Note. Kein Wunder bei 6,6 g/l Säure und weniger als 3 g Restzucker. Diese Ausstattung lässt ihn frisch, elegant und klar wirken, gleichzeitig ist er mit seinen ausdrucksstarken Aromen und den 12,5 Vol.-% Alkohol von mittelkräftiger Statur.

Der Silvaner Kalkmineral ist nicht unbedingt ein Schnäppchen, mit Preisen ab 9 Euro liegt er nur knapp unterhalb der mankannsessen-Preisgrenze. Davon ist er aber jeden Cent wert, denn er ist in der Tat ein "Silvaner der Extraklasse" mit exzellenten Kritiken. Der 2010er war dem Gault-Millau immerhin 86 Punkte wert. Das will schon was heißen, denn laut dem Gault-Millau Weinguide sind bereits Weine mit 85 Punkten "besser als 95 Prozent der übrigen deutschen Weinproduktion". Es seien "sehr gute Weine, die in der Regel fein altern. Hier findet sich oft das beste Preis-Genuss-Verhältnis." Dann sind 9 Euro doch wirklich fair.

Dazu passt...

Zu diesem feinen Wein genossen wir eine Pilzlasagne mit Kürbissauce.

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