Italiens Weine Teil 3 und Italiens Küche: Prosecco, Verdicchio, Barolo - ein dreifach Hoch

Italiens Weine Teil 3 und Italiens Küche: Prosecco, Verdicchio, Barolo - ein dreifach Hoch

Zu Beginn des diesjährigen meteorologischen Sommers wurde an dieser Stelle eine Testserie über italienische Weine mit dazu passenden Menüvorschlägen angekündigt. Jetzt, zu dessen Ende kommt mit Teil 3 der große Rundumschlag: Mankannsessen.de freut sich, diesmal einen überaus harmonischen Wein-Dreiklang zu präsentieren mit dazu passendem Drei-Gänge-Menü, alles echt italienisch.
Hier die Kandidaten:

  • Zum Antipasto präsentieren wir den Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG Spumante Brut von Desiderio Jeio zu Mousse de trota affumicata con pane nero
  • Zum primo piatto schenken wir den Podium Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore DOC 2011 von Garofoli zu Scampi e zucchini alla griglia con pesto di estragone e pistacchi ein
  • Zum secondo piatto servieren wir den Barolo Cerequio 2010 von Michele Chiarlo zu Costicina dell’agnello alla griglia su salsa di arancia e melagrana

Jeio Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG Spumante Brut

Den Anfang macht, wie könnte es anders sein, der Prosecco von Desiderio Jeio aus Valdobbiadene, einem der Hauptorte des Prosecco-Gebiets. Er darf sich deshalb mit dem Qualitätssiegel DOCG schmücken und ist aus einer Assemblage der Prosecco-Leitrebe Glera mit kleinen Anteilen von Verdiso, Pinot Bianco und Chardonnay gekeltert.
Im Glas präsentiert er sich blassgelb mit grünlichen Reflexen. Die ins Glas gesteckte Nase registriert erfreut intensive, elegante Fruchtaromen. Zunge und Gaumen erspüren eine lebhafte, feine Perlage und eine komplexe Fruchtigkeit. Der Charakter des Jeio ist, wie es sich für Schaumweine der Kategorie brut gehört, trocken, die Säure ist mit 5,5 g/l präsent, aber durch die Restsüße von 9 g/l gut ausbalanciert. Er hat einen schönen Nachklang, und durch seinen Alkoholgehalt von nur 11,5 Vol.-% ist er sehr gut bekömmlich. Auch mit einem Schuss Holunderblütensirup schmeckt er vorzüglich, für einen „Hugo“ allerdings ist er definitiv zu schade. Die empfohlene Trinktemperatur liegt bei 8 °C.
Der Prosecco von Jeio hat offenbar eine große Fangemeinde, er hat sogar eine eigene Facebook-Seite mit immerhin derzeit 820 Fans. Erhältlich ist er z. B. bei prosecco.com für 8,25 Euro pro Flasche.

Mousse de trota affumicata con pane nero

Der Jeio Valdobbiadene Prosecco ist ein standesgemäßer Begleiter zu Räucherforellenmousse auf Pumpernickel, bei uns besser bekannt als „nice things“ oder italienisch Mousse de trota affumicata con pane nero. Pumpernickel ist zwar nicht unbedingt typisch italienisch, sondern westfälisch, aber Fusion-Küche ist immer spannend, und wer es partout authentisch mag, kann die Mousse auch gern auf Crostini servieren.

Garofoli Podium Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore DOC 2011

Danach war es Zeit für den ersten Gang und den dafür erwählten Wein. Zunächst zum Hersteller: Das Weingut Garofoli ist nach eigenen Angaben die älteste Weinkellerei der mittelitalienischen Weinregion Marken (Marche), wovon Verdicchio dei Castelli di Jesi eine bekannte Teilregion ist. Daher der etwas längliche Name unseres nächsten Kandidaten, des Podium Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore DOC, Jahrgang 2011, von Garofoli.
Dieser Wein ist zu 100% aus der Traube gekeltert, die genau so heißt wie sein Anbaugebiet: Verdicchio. Charakteristisch für Weine aus dieser Rebsorte ist eine goldgelbe Farbe mit leichten grünlichen Reflexen, nomen est omen (verdiccio ist italienisch für grüngelb).
Der Podium ist nicht irgendein Wein, das italienische Weinmagazin Gambero Rosso verlieh ihm dieses Jahr zwei rote Gläser. Diese Auszeichnung erhalten nur Weine, die es bis in die Schlussrunde für drei Gläser geschafft haben. Ende der neunziger Jahre erhielt er sogar insgesamt fünfmal hintereinander diese höchste Auszeichnung. Hier zahlt sich offenbar die aufwändige Vinifizierung aus, u. a. der 15-monatige Ausbau im Edelstahl bei konstanten 10° C und die anschließende 4-monatige Verfeinerung auf der Flasche in klimatisierten Lagerräumen.
Sein Bouquet hat einen für Verdicchio typischen mineralisch-rauchigen Ton, auch die Fruchtnoten von grünen Äpfeln und Pfirsichen im Bouquet und im Aromenspektrum sind charakteristisch für ihn. Der Geschmack des Podium ist geprägt von schönen, komplexen Fruchtaromen, der Wein präsentiert sich rund, harmonisch, weich und ausgewogen mit einer dezenten Säure. Die monumentalen 14,5 Vol.-% Alkohol merkt man ihm beim besten Willen nicht an, sie spielen aber sicher eine Rolle dabei, dass er trotz der geringen Restsüße nicht unbedingt trocken wirkt. Man sollte ihn nicht zu kalt trinken, als ideale Temperatur werden 12-14 °C empfohlen.
Die Navigation auf der innovativ designten und informativen dreisprachigen Website des Herstellers macht viel Spaß, man kann dort für den Podium auch ein eigenes Informationsblatt herunterladen. Für die Lagerfähigkeit gibt Garofoli bei adäquater Lagerung 6 Jahre, für besondere Jahrgänge sogar 10 Jahre an. Das dürfte allerdings schwer fallen, denn schon der 2011er Jahrgang präsentiert sich mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis als idealer Begleiter zu würzigen Fischgerichten. Beziehen kann man ihn z. B. bei superiore.de zu 10,95 Euro pro Flasche.

Scampi e zucchini alla griglia con pesto di estragone e pistacchi

Wir genossen den Podium zu Garnelen-Zucchini-Spießen vom Grill mit einem Pesto von Estragon und Pistazien, italienisch Scampi e zucchini alla griglia con pesto di estragone e pistacchi. Die Herstellung ist denkbar einfach: Garnelen und Zucchinistücke im Wechsel auf Grillspieße aufstecken und auf dem Grill von jeder Seite zwei Minuten grillen. Für das Pesto je eine Handvoll Pistazien und frischen Estragon mit einer halben Tasse Olivenöl pürieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und zu jedem Spieß 1-2 EL davon auf einen Teller geben. Dieses Pesto ist sehr aromatisch und lässt die Spieße hervorragend mit dem Podium Verdicchio harmonieren.

Michele Chiarlo Barolo Cerequio 2010

Schließlich war der Moment gekommen für den Star des Abends, den Barolo Cerequio 2010 von Michele Chiarlo. Das Weingut liegt in der Region Langhe (Langa) im Herzen des Piemont. An Selbstbewusstsein mangelt es einem dort nicht, im Hausprospekt (die Homepage ist online nicht auf deutsch, dafür aber auf italienisch, englisch, japanisch und russisch verfügbar) weist man stolz darauf hin, dass der Atlante delle vigne di Langa ihre Weingärten als “die im Gebiet um Cerequio schönste Ansammlung außergewöhnlicher Lagen, die die Langa vorzeigen kann” bezeichnet. Zum Gut gehören 9 Hektar Weinberge und ein Weiler aus dem 19. Jahrhundert, der als Resort der Barolo-Crus des Hauses umgebaut wurde und den schönen Namen „Palas Cerequio“ trägt. Das Archiv für die von 1958 bis heute erzeugten Baroli enthält mehr als 6.000 Flaschen.
Der Weinberg für den Cerequio Barolo ist wie es sich gehört zu 100% mit Nebbiolo bestockt, die Rebstöcke sind über 40 Jahre alt. Im Hausprospekt wird man nicht müde, auf die radikale Behangreduzierung hinzuweisen, die der Steigerung der Qualität dient. Die Crus des Hauses – und um einen Cru, ein Großes Gewächs handelt es sich hier – werden zwei Jahre in 700 l-Tonneaux ausgebaut, es werden dabei aber nur zu 50% neue Hölzer verwendet. Zur Trinkreife empfiehlt Chiarlo ein Alter von 5–6 Jahren für eine „gute Balance“, verspricht jedoch eine „exzellente Entwicklung mindestens bis zum 20. Jahr“. Wir waren mit unserer Verkostung also genau genommen ein wenig zu früh dran. Die empfohlene Trinktemperatur beträgt von uns getestete und für gut befundene 17-18 °C.
Schreiten wir also endlich zur Tat. Einen solchen Wein hat man nicht alle Tage im Glas, es war also högschde Konzentration angesagt. Im Glas funkelt er vielversprechend mit einem rubin- bis granatroten Farbenspiel. Das komplexe Bouquet lässt Röstnoten erahnen und ein Dutzend anderer Aromen, deren Aufzählung ziemlich willkürlich wäre. Die Profis greifen hier ins oberste Regalfach, man findet Beschreibungen, die u. a. auf weiße Trüffel, zerstoßenes Granit, Rosen und Veilchen verweisen.
Wir lassen das mal so stehen und ergänzen aus den eigenen Verkostungsnotizen: Die eleganten Tannine sind gut eingebunden und sorgen mit der dezenten Säure für ein tolles Mundgefühl. Hier hat es sich offenbar ausgezahlt, dass ich den Wein einen Tag vor der Verkostung geöffnet und im Dekanter im Klimaschrank habe atmen lassen.
Der Cerequio ist ohne Zweifel ein großer Wein, feingliedrig, komplex, eher leicht und doch reif, mit vielschichtigen Facetten und einem laaangen Abgang. Dem Wine Spectator und Robert Parker war er 95 Punkte wert, das ist wirklich eine Ansage. Ich gebe gern zu, dass meine Sensorik für die Verkostung großer Gewächse ziemlich untrainiert ist, ebenso wie mein Vokabular, deshalb will ich es hier dabei belassen. Etwas überraschend war für das gesamte Verkostungsteam das doch sehr zarte Aromenspektrum, evtl. sind auch wir schon von den roten Aromenbomben, die derzeit so in Mode sind, beeinflusst. Vielleicht war er auch einfach noch etwas jung. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass die Speise, zu der man den Cerequio zu kredenzen gedenkt, nicht zu würzig ist.
Wer es jetzt wissen will, für den habe ich noch eine schlechte Nachricht. Den Cerequio kann man z. B. über Italvinus beziehen, für – bitte tief Luft holen – 61 Euro, pro Flasche. An großen Gewächsen ist eben alles groß. Ob er das wert ist? Das soll jeder selbst entscheiden. Es ist klar, dass Barolo eine wertvolle Marke ist, und ein Cru hat nun mal seinen Preis. Letztlich entscheiden den aber auch hier immer Angebot und Nachfrage.

Costicina dell’agnello alla griglia su salsa di arancia e melagrana

Welches passende Gericht kann es nun mit diesem Nobelwein aufnehmen? Wir meinen, uns hier für etwas Edles entschieden zu haben, das auf Augenhöhe mithalten kann: Gegrilltes Lammcarrée an einer Orangen-Granatapfel-Sauce mit Rosmarinkartoffeln, auf italienisch etwa Costicina dell’agnello alla griglia su salsa di arancia e melagrana. Für die Sauce reduziert man 100 ml Orangensaft sowie jeweils 50 ml Granatapfelsirup und Balsamicoessig in einer Sauteuse auf etwa ein Drittel und schmeckt mit Salz und Pfeffer ab. Das Lammcarrée benötigt auf dem Holzkohlengrill etwa 20 Minuten. Dazu passen Rosmarinkartoffeln. Auch die sind einfach und schnell zu bereitet: Für vier Personen 1,5 kg Kartoffeln längs halbieren, große vierteln, ebenso drei abgezogene Knoblauchzehen. Die Nadeln von zwei Rosmarinzweigen grob hacken. Alles auf ein Backblech geben, salzen und pfeffern, mit einer halben Tasse Olivenöl begießen, durchschwenken und ca. 40 min. bei 180 °C im Backofen garen.

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