Portugiesische Weine zum Frühlingsmenü

Portugiesische Weine zum Frühlingsmenü

Die Weine für unser Frühlingsmenü 2015 wurden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Marburger Weinhändler O Vinho, der sich auf portugiesische Weine spezialisiert hat. Das kam uns in mehrfacher Hinsicher sehr gelegen. Denn erstens hat O Vinho bereits mehrfach bewiesen, dass sie die Weinphilosophie von mankannsessen unterstützen und hochklassige, preiswerte Weine im Angebot haben, nämlich hier, hier und hier. Und zweitens finden wir, dass portugiesische Weine mit ihrer eigenständigen Charakteristik perfekt in den Frühling passen. Die hier vorgestellten Weine sind, mit einer kleinen Einschränkung, feinfruchtig und mittelkräftig, dabei frisch und elegant. Alles Eigenschaften, die man im Frühling gern an sich heran lässt und die sehr schön mit unseren Gerichten harmonieren.

Quinta do Ortigão branco 2013

Der Ortigão aus der portugiesischen Region Bairrada ist gekeltert aus den autochthonen Rebsorten Arinto und Bical, was ihn wie viele portugiesische Weine eigenständig und angenehm exotisch macht. Seine blassgelb-grünliche Farbe lässt ihn in der Tat ein wenig frühlingshaft wirken. Die Nase wittert leichte Mineralik und dezente tropische Frucht. Mit seiner blumig-duftig-fruchtigen Note und der feinen Säure ist er ein würdiger Begleiter zu Fisch und Meeresfrüchten. Das Flaschenetikett verspricht, er sei "crunchy on the mouth", das ist nett und passend formuliert. Wir finden ihn außerdem würzig, kräutrig und rund.

Der Wein hat eine schöne Länge, man trinkt in am besten bei einer Temperatur von 10-12 °C, also nicht zu kalt. Trotz seiner 13,5 Vol.-% Alkohol ist der Ortigão ein feiner, eleganter Wein. Wir genossen ihn zu Fjord-Forelle auf Blumenkohl-Kokos-Püree an Kapern-Vinaigrette. O Vinho bietet ihn an für angemessene 9,60 EUR

Maroteira Dez Tostoes branco 2013

Für unseren Hauptgang, die Kalbs-Involtini gefüllt mit Bärlauch-Pesto, Serrano und Mozzarella an Salbei-Trüffel-Tagliatelle durfte es dann zwar weintechnisch weiß weitergehen, aber eine Nummer kräftiger sein. Da kam uns der Dez Tostoes (dt. etwa "Zehn Münzen") des Weinguts Maroteira aus dem südportugiesischen Alentejo wie gerufen. Er wurde sortenrein vinifiziert aus der ebenfalls autochthonen Rebe Antao Vaz, auch dies ein Garant für eine gewisse Exotik.

Von Farbe und Nase dem zuvor verkosteten Ortigao recht ähnlich, präsentiert er sich mit einer ätherischen Note und am Gaumen kräftig, würzig und cremig sowie mit geringer Säure und angenehmer Restsüße, die ihn sehr ausgewogen macht. Mit 13,5 Vol.-% Alkohol ist auch er kein Leichtgewicht, aber sehr elegant und bekömmlich. Die 8,90 EUR, die O Vinho für ihn verlangt, stellen aus unserer Sicht ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis dar.

Maroteira Ten Gulden red 2011

Beim Weingut Maroteira spielt man gern mit verschiedenen Sprachen, in einer Saison heißt ein Wein portugiesisch Dez Tostoes, in der nächsten englisch Ten Gulden, beides heißt in etwa Zehn Münzen. Konsequenterweise verlangt O Vinho für diesen Rotwein denn auch runde zehn Euro. Das ist gleichermaßen originell und fair, denn diese spontan vergorene Cuvee aus Aragonez (Tempranillo) 50%, Syrah 30%, sowie jeweils 10% von Alicante Bouschet und Touriga National hat es in sich.

Im Glas schimmert er dunkelrot-violett, in der Nase weckt er Assoziationen an Marmelade, Kompott und leichte Vanillenoten. Der Ten Gulden ist ein dichter, körperreicher Wein mit intensiven Aromen von reifen roten Früchten wie Himbeer, Cranberry und Schwarzkirsche, fein eingerahmt von dezenten Röstaromen. Er wirkt insgesamt eher leicht und elegant, trotz seiner stattlichen 14,5 Vol-% Alkohol, ein echtes Kunststück. Wir haben diesen Wein zum feierlichen Abschluss unseres Menüs nach dem Dessert genossen, er wäre aber sicher auch ein guter Begleiter zu den Kalbs-Involtini gewesen.

Maroteira Cem Reis Viognier 2011

Kommen wir nun zu der oben erwähnten kleinen Einschränkung. Der Cem Reis Viognier 2011, ebenfalls von Maroteira, konnte nach übereinstimmender Meinung des vierköpfigen mankannsessen-Verkostungsteams nicht ganz mit den drei übrigen Weinen des Verkostungs-Portfolios mithalten. Als sortenreiner Viognier gekeltert, ist er ein echtes Kraftpaket. Aber ebenso wie manche Bodybuilder treibt er es etwas zu doll. Die Barrique-Noten sind in Bouquet und Geschmack sehr vordergründig, um nicht zu sagen aufdringlich wahrnehmbar. Außerdem verfügt der Cem Reis über eine sehr lebhafte, beinahe spitz zu nennende Säure. Diese könnte man vielleicht besser genießen, wenn er etwas mehr Süße und/oder Cremigkeit aufweisen würde.

So wirkt er leider ziemlich unausgewogen und mag sich so gar nicht in die geschmeidige, elegante Phalanx unserer Frühlingsweine einreihen. Jedenfalls konnte er sich mit keinem unserer drei Gänge so recht anfreunden. Diese Charakteristik blieb ihm übrigens über vier Tage in der angebrochenen Flasche erhalten. Wer barrique- und gleichzeitig säurebetonte Weißweine mag, dem mag der Cem Reis die von O Vinho verlangten 14,90 Euro wert sein, unsere Sache war er leider nicht so.

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