Radikal vertikal: Auxerrois und Spätburgunder Rosé von Weingut Barth, Baden

Auxerrois und Spätburgunder Rosé von Weingut Barth, Baden

Der Sommer ist in meiner Wahlheimatgemeinde immer die Zeit der Weinproben und Weinfeste. Da wollen wir bei Mankannsessen nicht hintenan stehen. Bei der 8. Rauenberger Weinkost kam ich mit dem Malschenberger Winzer Volker Barth ins Gespräch über seine aktuelle Preisliste, auf der Auxerrois dreier verschiedener Jahrgänge stehen. Meine flapsige Bemerkung, da könne man ja mal eine Vertikalprobe machen, setzte er gleich am Tag drauf in eine Einladung um.

Für den interessierten Laien: Als Vertikalprobe bezeichnet man eine Verkostung verschiedener Jahrgänge desselben Weines in chronologischer Reihenfolge. Es wurde dann sogar eine Doppel-Vertikal-Probe draus, Volker Barth hatte nämlich auch noch zwei Rosé-Jahrgänge zu verkosten. Das Ergebnis war überaus überraschend.

Vertikalprobe Spätburgunder Rosé 2015 und 2016, Weingut Barth, Baden

Ich beginne mit der Rosé-Probe, auch wenn diese zeitlich nach der Auxerrois-Probe stattfand, denn sie lieferte einfach das schönere Foto. Um es vorab zu sagen: Nicht nur farblich hätten diese beiden Weine unterschiedlicher nicht sein können.

Der Spätburgunder Rosé 2016 schimmerte in hellem Rosé mit einem warmen Bronzeton und überraschte mit frischen, knackigen Fruchtaromen, die an reife Banane erinnerten. Auch der Winzer hatte den Wein vorher noch nie in einer Degustation verkostet und war selbst überrascht. Mit 12,5% Vol.-Alkohol gab sich dieser jugendlich-spritzige Wein mittelkräftig, in Stilistik und Farbe erinnerte er mich sehr an provenzialische Rosés.

Ganz anders dagegen sein nur ein Jahr älterer Vetter: Obwohl dessen Maischestandzeit nur minimal länger war, präsentierte der sich mit einem kräftigen kupferfarbenen Rosé-Ton, die für einen Spätburgunder Rosé typischen Erdbeer-Aromen waren in der Nase und am Gaumen sehr präsent. Insgesamt ein süffiger, runder und gefälliger Wein mit sehr dezenter Säure, sicher auch bedingt durch die hohe Öchslezahl der 2015er Trauben und den damit verbundenen etwas höheren Alkoholgehalt von 13%.

Beide Weine sind ab Weingut für 6,50 € die Flasche erhältlich. Volker Barth vertritt als Winzer eher die puristische Linie und verzichtet aufs Einfärben, das unterschiedliche Erscheinungsbild seiner beiden Rosés nimmt er dafür gern in Kauf. Außerdem sucht man bei ihm Prädikatsbezeichnungen vergeblich, obwohl die meisten seiner Weine mit Sicherheit Kabinettweine, wenn nicht sogar Spätlesen sind.

Vertikalprobe Auxerrois von Weingut Barth, Baden

Vertikalprobe Auxerrois 2014 - 2016, Weingut Barth, Baden

Kommen wir also zur Auxerrois-Weinprobe. Die Auxerrois ist in meiner Weingemeinde überaus beliebt, Rauenberg ist stolz darauf, einen großen Teil der badischen Rebfläche in seiner Gemarkung zu wissen. Das Auxerrois-Festival der Interessengemeinschaft Rauenberger Winzer zur Probe Wein und Spargel, die traditionell im Mai stattfindet, ist regelmäßig sehr gut besucht.

Begonnen haben wir mit dem 2014er: Sofort fiel die ausdrucksstarke "Burgundernase" mit den typischen Aromen weißer Pfirsich und Birne sowie etwas Karamell und Honig auf. Den Gaumen verwöhnte dieser sehr ausgewogene Wein dann mit viel Schmelz und einer feinen Säure, dazu üppige gelbe Frucht. Man darf diesem 2014er Auxerrois eine voll entwickelte Reife ohne die geringsten Alterserscheinungen attestieren, auch die eleganten 12% Alkohol stehen ihm vorzüglich. Während man also gemeinhin sagt, dass drei Jahre alte Weißweine an ihrer Altersgrenze sind, ist dieser Auxerrois immer noch ein klarer Kauf.

Ganz anders dagegen der 2015er: Das Bouquet entwickelt sich nur langsam, die Aromen in Nase und Gaumen sind eher zurückhaltend. Obwohl der 2015er mit 13,5% über den stärksten Alkoholgehalt dieser Probe verfügt, ist er von eher mittelkräftiger Statur, dezent-elegant, und mit mittlerer Frucht im Vergleich zum fast blumigen 2014er. Vielleicht war er bei der Öffnung etwas zu kalt, auf jeden Fall sollte man ihm noch etwas Zeit geben.

Der 2016er war dann überraschenderweise ein Beispiel dafür, dass ein frisch abgefüllter Weißwein noch nicht ganz trinkreif sein kann: Er gab sich sehr verschlossen auch nach leichter Erwärmung, die kräftige Säure hatte ein paar unangenehme Spitzen, das Aroma war geprägt von grüner Banane. Insgesamt ein noch sehr jugendlicher, mit 12,5% mittelkräftiger Wein, der spürbar noch "in der Pubertät" ist. Man sollte ihm definitiv noch mindestens ein Jahr Zeit lassen und ihn nicht zu kalt trinken.

Auch diese Weine sind alle ab Weingut für 6,50 € pro Flasche erhältlich. Volker Barth, im Haupt- oder Nebenberuf - er legt sich da nicht fest - Musiklehrer, bewirtschaftet sein mit 1,5 Hektar sehr kleines Weingut als Ein-Mann-Betrieb. Seine Weine haben durchweg Boutique-Charakter. Wer schon immer Spaß daran hatte, sorten- und terroirtypische Weine abseits des Mainstream zu entdecken, ist bei ihm richtig. Besonders viel Spaß macht eine Verkostung im Sommer am Probiertisch in seinem rustikalen Garten. Kontakt: Tel.: 0174/9897564. E-Mail: weinbau-barth@gmx.de.

Ein besonderer Geheimtipp sind die roten Spätburgunder, die Volker Barth nach seinen beiden kleinen Söhnen benannt hat und die sich durch einen überaus gekonnten Umgang mit dem Holzfass auszeichnen. Darüber werde ich beizeiten in einem weiteren Blog an dieser Stelle berichten.

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