Rarität: Weinbau Pavillon Gundelsheimer Himmelreich Urban 2003

Pavillon Urban

Wer eine Flasche des heute verkosteten Weins besitzt, darf sich glücklich schätzen, denn er hat eine absolute Rarität im Keller. Der Gundelsheimer Himmelreich ist nämlich aus der Rebsorte Urban gekeltert. Urban? Rebsorte? Ja, manche Entdeckungen sind so ungewöhnlich, dass es selbst im Internet kaum Informationen darüber gibt. Die Rebsorte Blauer Urban war früher in Südeuropa sehr verbreitet, wurde aber vor ca. 100 Jahren zugunsten von Trollinger und Lemberger fast ausgerottet.

In Deutschland gibt es heute fast nur noch Versuchsanbau. Einer dieser experimentierfreudigen Winzer ist Norbert Greiß, Besitzer des Weinguts Pavillon in Gundelsheim, Württemberg und Fan des naturnahen Weinbaus. Er entdeckte Ende der neunzehnhundertneunziger Jahre in einer Parzelle seiner Weinberge Rebstöcke, die er keiner der ihm bekannten Rebsorten zuordnen konnte. Das Gutachten eines Önologen ergab zweifelsfrei, dass es sich dabei um Blauen Urban handelte. Greiß war sofort hellauf begeistert und begann mit dem Experimentieren. Das war gar nicht einfach, schließlich gab es so gut wie keine Erfahrungen mehr im An- und Ausbau dieser Rebsorte. Der hier vorgestellte Wein ist das Ergebnis von fünf geduldigen Jahren Versuchsanbau. Der im Holzfass ausgebaute 2003er profitierte dabei besonders von den Ausnahmebedingungen des Jahrhundertsommers.

Hatte ich nicht neulich noch über deutsche Winzer gelästert, die Holzfassweine keltern? Nun, nicht direkt, ich meinte, man sollte es den Winzern überlassen, die was davon verstehen. Und Norbert Greiß versteht was davon. Er hat schon seinen Lemberger seinerzeit im Holzfass ausgebaut und lieber als Landwein verkauft, als sich mit dem traditionsverliebten amtlichen Prüfungsausschuss um ein QbA-Zertifikat zu streiten. Sein Schaden war es nicht. Qualität verkauft sich eben auch ohne Marketing.

Der Pavillon Gundelsheimer Himmelreich Urban ist ein Wein für Liebhaber gehaltvoller, rassiger Rotweine. Obwohl die Urban höchstwahrscheinlich von der Trollinger abstammt, einer Rebsorte, die vor allem als leichtgewichtige Begleitung des ausdrucksstarken Lemberger Bedeutung hat, liefert sie hier einen rubinroten Wein mit fast mediterranem Bouquet und ebensolchem Aromenreichtum ab. Der Charakter des Weins erinnert in seiner Lebendigkeit an einen Bardolino, mit einer rassigen Säure, gut eingebundenem Holz und einer komplexen, trockenen Struktur.

Beschaffung

Vom Pavillon Urban gibt es pro Jahrgang nur wenig mehr als hundert Flaschen. Eine davon kostet deshalb stolze 16 Euro. Dafür bekommt man aber auch einen wirklich besonderen Wein, den man einfach mal probiert haben muss, um zu glauben, was für Weine auf heimischem Boden gedeihen. Kudos an Norbert Greiß und seine Experimentierfreudigkeit. Wenn man etwas Glück hat, schickt er einem vielleicht die eine oder andere Flasche. Kontaktdaten findet man auf seiner Website.

Dazu passt ...

Der Pavillon Gundelsheimer Himmelreich Urban 2003 war der perfekte Begleiter zu den Pilzlasagne mit Kürbissauce und Balsamico-Portwein-Reduktion.

Danke...

dass Du diese Rebsorte wieder in Erinnerung bringst.
Ich finde € 16,00 übrigens nicht teuer, wenn man bedenkt, wieviel Arbeit, Liebe, Rückschläge, Mut und Genuss hier in so einer Flasche stecken.

Urban...

...gibt es in Deutschland auch im Jahre 2015 nur "aus Versuchsanbau".

Und zwar von Familie Greiss und vom Weingut Graf Adelmann.
Und beide Erzeuger produzieren ernstzunehmende Weine aus der alten Sorte.
Die 2007er Spätlese Barrique von Greiss aus dem Barrique ist ihr Geld absolut wert. Ein ernstzunehmender Rotwein mit gutem Extrakt, Beerenaromen, mürbem Tannin und fein eingewobenen Barriquenoten. 87/100

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