Schneeglöckchen im Glas: Languedoc gegen Kraichgau - wer kann's besser?

Schneeglöckchen

Hurra, es ist Frühling, zumindest meteorologisch, die Spätwintersonne ist schon kräftig und lässt in den Gärten die Krokusse und Schneeglöckchen sprießen. Eine schöne Jahreszeit, allerdings schwierig, um einen Wein zu positionieren. Wer denkt im Kontext von Fastenzeit und Frühling schon an Wein?

Wie gut, dass es kreative Winzer gibt, die auf beinahe alles eine Antwort haben. So z. B. die Familie Theisserenc von der Domaine de l’Arjolle (sehr informative Website in Deutsch mit Online-Shop!) aus der Lage Côtes de Thongue im südfranzösischen Languedoc, seit Jahrzehnten Stammlieferanten von Jacques' Weindepot. Sie haben seit jeher pünktlich zur Saison einen Wein mit dem klingenden Namen Perce-neige (frz. für Schneeglöckchen) im Angebot. Wir haben den 2011er aus gegebenem Anlass verkostet und mit einem sehr ähnlichen Wein aus heimischer Produktion, der 2009er Cuvée "Sebastian" des Kraichgauer Weinguts Menges, verglichen.

Domaine de l'Arjolle Perce-neige Côtes de Thongue 2011

Der Domaine de l'Arjolle Perce-neige Côtes de Thongue Indication Géographique Protégée, wie er vollständig heißt, ist ein Klassiker im Spätwintersortiment von Jacques'. Die umtriebige Familie Theisserenc zählt zu den Pionieren des modernen Weinbaus im Languedoc und hat dort bereits in den 80er Jahren Sauvignon Blanc und Viognier angebaut. Ihrer Cuvée aus diesen beiden Rebsorten setzen sie eine Prise Muscat hinzu.

Das Ergebnis ist ein strohgelber Wein mit blumigem Bouquet, das in der Tat an Frühlingsblumen wie Schneeglöckchen erinnert, die Muscat lässt grüßen. Das Aroma ist frisch-fruchtig, man denkt an Grapefruit und grünes Gras, was zweifellos von der Sauvignon blanc stammt. Der Anteil an Viognier dürfte für den ausgewogenen Gesamteindruck verantwortlich sein.

Beim Blick in die technischen Daten stellt man erstaunt fest, dass der Perce-neige mit nur 0,8 g/l Restzucker auskommt und einen Gesamtsäuregehalt von stolzen 6,2 g/l aufweist. Dabei ist er relativ leicht (Alkoholgehalt 12% Vol.), trotz der kräftigen Säure angenehm zart und etwas mineralisch. Jacques empfiehlt eine Trinktemperatur von 10 °C und bietet ihn exclusiv für 6,50 € pro Flasche zum Kauf an.

Menges Cuvée "Sebastian" 2009

Interessanterweise findet sich im badischen Kraichgau ein Wein, der von der Cuvée, der Typizität, dem Alkoholgehalt und sogar vom Preis her sehr ähnlich ist, nämlich beim Weingut Menges. Er nennt sich Cuvée "Sebastian" nach seinem Schöpfer, dem Junior-Winzer des Weinguts. Auch der 2008er wies, wie man im damaligen Winzerporträt nachlesen kann, kaum Restzucker auf, hatte eine kräftige Säure und bestand aus Sauvignon Blanc mit einem Spritzer Muskateller (frz. Muscat). Allerdings verwendet Sebastian Menges in seiner Cuvée Pinot statt der vollmundigen Viognier.

Der jetzt im Verkauf befindliche 2009er unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt vom Vorgänger-Jahrgang: Sein Restzuckergehalt beträgt jetzt 5,1 g/l, er macht den Wein etwas runder, ohne dass er an Frische oder Spritzigkeit einbüßt. Dabei ist er mit 12,5% Vol. Alkohol leicht bis mittelkräftig und hat bereits eine gewisse Reife, die ihn besonders ausgewogen macht.

Wer kann's besser?

Das ist eigentlich so eine Frage wie die, ob Bach oder Beethoven der größere Komponist war oder Rembrandt oder Rubens der größere Maler. Beide Weine sind auf ihre Weise sehr überzeugend, sie haben eine sehr ähnliche Charakteristik und exakt denselben Preis.

Die Besonderheit des Menges Cuvée Sebastian ist für mich, dass er ein heimisches Erzeugnis ist und von einem kleinen Weingut stammt, während der Perce-neige das Produkt eines Massenbetriebs ist, der zugegebenermaßen über ein überzeugendes Marketingkonzept verfügt. Letztere verraten leider nicht, wie viele Hektar sie bewirtschaften, es dürften ein paar Hundert sein.

Aber das ist ja letztlich das Schöne: Dass es mehr gute Weine auf der Welt gibt, als man schafft, zu probieren. Das größte Glück ist für mich, immer wieder welche zu finden.

Danke für den Tipp! Ich kauf

Danke für den Tipp!
Ich kauf gern die Weine vom Weingut Bös in Malschenberg. Da kann ich ja auch mal einen Abstecher nach Rauenberg machen :)

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