Slainte Mhath: Chocolate Trifle

Trifle

Die britische Küche hat nicht unbedingt den besten Ruf, daran haben auch Leute wie Jamie Oliver oder Gary Rhodes nicht viel ändern können. Eine Speisenart brauchte allerdings den internationalen Vergleich noch nie zu scheuen, und das sind die Süßspeisen des Vereinigten Königreichs. Und wenn man die dann noch mit dem unbestreitbar überlegensten kulinarischen Produkt der britischen Inseln, dem Malt Whisky, kombiniert, dann bekommt man ein Dessert, das in jeder Hinsicht gourmettauglich ist. Man muss allerdings bei der Whisky-Dosierung vorsichtig sein.

Das Rezept stammt aus der kleinen Bibel für Schokoholiker, dem kleinen Buch der Schokolade von Teubner. Im deutschsprachigen Internet sucht man vergebens danach, die ersten 50 Treffer auf Google sind ausnahmslos englischsprachige Websites. Das liegt vielleicht auch an der Schreibweise, aber das Trifle ist ohne Zweifel typisch britisch. Trifle heißt in der englischen Nebenbedeutung übrigens "Kleinigkeit", auch das angesichs der Zutatenliste typisch britisches Understatement.

Zur Sache: Trifles sind, wenn man so will, die britische Variante von Tirami sù, sie bestehen immer aus Beerengrütze, getränkten Löffelbiskuits als Zwischenschicht und süßer Creme, in diesem Fall auf der Basis von Schokolade. Die Zubereitung ist etwas komplizierter als beim italienischen Schwesterrezept, lohnt sich aber unbedingt.

Zutaten

für vier Personen

für die Beerengrütze

  • 100 ml Apfelsaft
  • 2 EL Zucker
  • 2 leicht gehäufte TL Speisestärke
  • 1 cl Whisky
  • 250 g gemische Beeren, tiefgekühlt

für die Löffelbiskuits

  • 1/2 Tasse Milch
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Kakaopulver
  • 3 cl Whisky
  • 10 Löffelbiskuits

für die Schokoladencreme

  • 1 1/2 Blätter Gelatine
  • 75 g dunke Kuvertüre (70% Kakao)
  • 1 gr. Tasse Milch
  • 4 EL Zucker
  • 1 Eigelb
  • 1 EL Mehl
  • 1 Becher Sahne

Ein Wort zum Whisky

Bei der Verwendung von Weinen und Spirituosen beim Kochen scheiden sich traditionell die Geister. Puristen beharren grundsätzlich auf der Verwendung hochwertiger Produkte. Die Faustregel lautet dort: Derselbe Wein ins Essen wie zum Essen. Ich finde das zumindest teilweise Verschwendung. Z.B. würde ich nie echten Champager für Champagner-Sorbet oder teuren Portwein für Saucen verplempern, das halte ich beinahe für barbarisch, zumindest aber für versnobt. Den Unterschied zu einem Standardprodukt dürfte niemand herausschmecken. Auch zum Flambieren würde ich nie teuren Cognac nehmen.

Etwas Anderes ist das bei Spirituosen in Desserts. Da der Alkohol hierbei nicht erhitzt wird, kommt das Aroma in voller Schönheit der Speise zugute. Spart man hier an der Qualität, schlägt das unweigerlich auf das Gelingen des Gesamtkunstwerks durch. Deshalb habe ich bei diesem Rezept Nägel mit Köpfen gemacht und meinen guten 18-jährigen Laphroaig Islay Single Malt Cask Strength (56%) aus dem Schrank geholt. Das Ergebnis war durchschlagend, der Whisky drückte dem Dessert unverkennbar seinen Stempel auf. Das sehr rauchige, torfige Aroma des Laphroaig war allerdings ziemlich dominant und hat die Schokolade und die Beeren beinahe plattgemacht.

Das Originalrezept ist aus Irland, wo Whiskies grundsätzlich nicht getorft werden und im Vergleich zu Islay Malts eher weinig-mild schmecken. Beim nächsten Versuch wäre meine Empfehlung also wohl eher ein Bushmills oder Jameson. Für Nicht-Whiskologen: Slainte Mhath (ausgesprochen etwa "Sslanndje wah") ist ein unter Single-Malt-Fans verbreiteter gälischer Trinkspruch.

Zubereitung

1. Schokoladencreme

Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Zwei Drittel der Kuvertüre grob, ein Drittel sehr fein hacken (Küchenmaschine!). Die Milch mit der Hälfte des Zuckers aufkochen. Das Eigelb mit dem Mehl kräftig verrühren, dann den restlichen Zucker einarbeiten. Die Milch unter Rühren auf die Eigelb-Mehl-Mischung gießen, die Masse zurück in den Topf geben und unter ständigem Rühren aufkochen lassen. Wenn die Masse kocht, unter Rühren noch ca. 2 min. erhitzen, bis sie eine sämige Konsistenz hat. Die fein gehackte Kuvertüre und die eingeweichte Gelatine in die heiße Eigelb-Milch-Creme geben und verrühren, bis die Schokolade geschmolzen ist. Die Creme abdecken (Frischhaltefolie!) und auf Raumtemperatur abkühlen lassen.

2. Beerengrütze

Die Hälfte des Apfelsafts mit Zucker mischen und aufkochen, den restlichen Saft mit der Stärke anrühren und unter Rühren in den kochenden Saft geben und eine Minute köcheln lassen. Den Whisky untermischen, die Beeren zugeben und vom Herd nehmen. In eine passende Schüssel (Fassungsvermögen ca. 1,5 l) geben.

3. Löffelbiskuits

Milch, Zucker und Kakaopulver aufkochen, vom Herd nehmen, 2 min. abkühlen lassen und den Whisky einrühren. Die Löffelbiskuits einzeln durch die Flüssigkeit ziehen und anschließend nebeneinander auf die Beerengrütze legen. Die restliche Flüssigkeit mit einem Löffel über die Biskuits geben.

Fertigstellen

Die Sahne schlagen, die abgekühlte Creme kräftig durchrühren, ein Drittel der Sahne untermischen und glattrühren. Die restliche Sahne mit der grob gehackten Kuvertüre mischen und unterrühren. Die Schokoladencreme auf die Löffelbiskuits geben und glatt streichen.

Das Trifle schmeckt am besten, wenn es vor dem Servieren abgedeckt über Nacht durchziehen kann.

Ich habe zu Weihnachten mein

Ich habe zu Weihnachten mein erstes Kochbuch geschenkt bekommen. Wunderschön, mag ich jedem zum Liebhaben ans Herz legen: Whisky&Food von Chandra Kurt. Irgendwann koche ich auch bestimmt mal was daraus.

Die Kombination

Die Kombination Schokolade-Whisky habe ich schon einmal gegessen, da allerdings mit einem ganz milden Vertreter. Die Whiskologie ist ja eine Kunst für sich, ich kenne mich da leider noch gar nicht aus. Aber torfige Whiskies finde ich irgendwie ... amüsant. Es schmeckt für mich so seltsam, irgendwie erinnert es mich einerseits an Pferde (denen schmiert man manchmal Zeug auf die Hufe, das genauso riecht wie torfiger Whisky schmeckt) und andererseits ist es so ein besonderer, auch guter Geschmack, dass ich immer wieder probieren muss :-)

Das klingt ausgezeichnet. Ich

Das klingt ausgezeichnet. Ich mag Schokolade, als Nordlicht auch Beerengrütze, und Whisky zählt zu meinen Leidenschaften...

Einen Laphroaig hätte ich dafür wahrscheinlich nicht genommen - der haut ja alles um, was ihm in die Quere kommt. Obwohl ich zum Trinken auch auf Islay zu Hause bin, denke ich dass gewisse Highland-, oder wie du schon schreibst irische Whiskeys dankbarere Partner für Süßes wären. Wobei - einen Versuch ist es wert...

Wird auf jeden Fall ausprobiert!

Da kann man weitergehen und

Da kann man weitergehen und den Whisky auch noch zum Dessert trinken.

Ich könnte mir das Rezept auch gut mit Glenmorangie vorstellen.

endlich mal jemand, der Gary

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