Spaniens Winzer trotzen der Krise: D.O. Utiel-Requena Partybox Rosé 3,0 L.

D.O. Utiel-Requena Partybox Rosé

Den Online-Weinversand vinos.de habe ich schon länger in Beobachtung. Nach eigenen Angaben waren sie seinerzeit einer der ersten Online-Weinshops überhaupt und haben mit über 1.800 das umfangreichste Angebot an spanischen Weinen im Netz, das ich je gesehen habe. Dabei geht die Preisspanne von einfachen Landweinen (span. Vino de mesa) für unter vier Euro bis zur Ultra-Premiumklasse im vierstelligen Euro-Bereich, das Ganze mit sehr attraktiven Versand- und Rücknahmebedingungen.

Auch für die aktuelle Wirtschaftskrise im Mittelmeerraum hat man die passende Antwort parat. Es wurde kurzerhand das Bodegas Projekt Krisenbox ins Leben gerufen, nach eigenen Angaben um die derzeit sehr günstigen Preise für spanischen Wein direkt den deutschen Endkunden zugute kommen zu lassen. Hierzu wurden insgesamt vier Bag-in-Box-Abfüllungen (neudt. für Weinschlauch) kreiert und zum knallharten Preis von jeweils 10 Euro/3 l angeboten.

Das mag man Krisengewinnlertum nennen oder als Marketing-Gag bezeichnen. Ich habe mir mein eigenes Bild gemacht und mir die Partybox Rosé der hierzulande weithin unbekannten D.O. Utiel-Requena kommen lassen. Das Ergebnis: Alle Achtung! Wenn in Spanien alle so kreativ mit der Krise umgingen, wäre sie vermutlich schnell überwunden. Mehr dazu im Blog.

An der Partybox Rosé fand ich mehrere Dinge originell. Erstens natürlich die alles andere als dezente Aufmachung. Wenn ein durch und durch seriöser Wein-Shop solche Artikel ins Angebot nimmt, macht mich das grundsätzlich neugierig.

Zweitens logischerweise der Preis, dafür bekommt man 3-Liter-Weinschläuche normalerweise nur bei Aldi oder in französischen Supermärkten. Der gelegentlich zu Hochnäsigkeit neigende Wolfram Siebeck hat eine Verkostung dieses "Billigweins" dankend abgelehnt, vinos.de waren aber cool genug, dieses Feedback auf ihrer Seite zu veröffentlichen, offenbar hielt man es für verkaufsfördernd.

Und drittens die Cuvée aus der originär spanischen, aber mir bisher nicht sonderlich bekannten Rebsorte Bobal zu 80% und Cabernet Sauvignon zu 20%. Spanische Rosés sind sonst fast immer aus Tempranillo oder französischen Edelrebsorten gekeltert, ein weiterer Grund also, hier zuzuschlagen.

Die Extravaganz setzte sich im Glas dann weiter fort: Der Wein schimmert mit einem kräftigen, fast bonbonmäßigen Himbeerrot und zeigt ein frisch-fruchtiges Bouquet mit würzigen, leicht ätherischen Noten. Für mich war da Kardamom dabei, vermutlich eine Eigenart der Bobal.

Zu trinken ist er dann leicht, fruchtig, trocken, mit Aromen von Johannis- und anderen roten Beeren. Ein unkomplizierter Terrassen- und Sommerwein mit einer dezenten Säure und ebenso verträglichen 12,5 Vol.-% Alkohol. Als Trinktemperatur empfiehlt sich wie bei fast allen Rosés 10-12 °C, die Angabe auf der vinos.de-Webseite von 16-18 °C muss falsch sein.

Eine Bemerkung noch am Rande: Heute möchte ja jeder ökologisch sein, sogar Firmen wie Porsche bieten ihre Fahrzeuge neuerdings mit Hybrid-Triebwerken an. Für mich ist das ungefähr so wie mit alkoholfreiem Bier, entweder richtig oder gar nicht.

Im Falle von Weinschläuchen ist Öko aber ein gutes Argument. Dort, wo es auf Stil und Ambiente nicht so ankommt, muss man Wein nicht aus Flaschen ausschenken. Wenn der Wein nicht dazu ausgelegt ist, in der Flasche zu reifen, sondern zum sofortigen Verbrauch bestimmt ist, spricht eigentlich nichts gegen einen Weinschlauch. Vinos.de verweist hier denn auch zu Recht auf die überlegene Ökobilanz von 85% weniger Abfall und 55% weniger CO2-Emissionen.

Für mich war dagegen immer maßgeblich, den Wein glasweise trinken zu können, ohne dass der Rest in der Flasche nach und nach ungenießbar wird, auch eine Form von Nachhaltigkeit. In diesem Fall gibt es zu dem ohnehin günstigen Preis das gute Gewissen gratis dazu.

Dazu passt...

Der D.O. Utiel-Requena Partybox Rosé ist nicht unbedingt ein Wein zum Essen, wenn man von Pasta oder Grillgerichten mal absieht, wozu eh jeder Wein passt. Dafür aber einer, den man an warmen Sommerabenden glasweise wegschlotzen oder, wie die Verpackung schon suggeriert, auf einer Terrassen-Party ausschenken kann. Die angebrochene Packung hält sich nach Herstellerangaben drei Wochen im Kühlschrank. Ich war bei Weinschläuchen bisher immer Haltbarkeitsdauern von drei bis sechs Monaten gewohnt. Allerdings fürchte ich, dass ich das in diesem Fall nicht austesten werde, der Schlauch wird höchstwahrscheinlich vorher leer sein.

Vielen Dank für den Hinweis

Vielen Dank für den Hinweis auf diesen Wein. Ich als angehender armer Student habe mich oft gefragt, wie ich das Weinproblem lösen kann. Unsere Hausweine kosten so um die 5 Euro, was bei einem etwas beschränkteren Konsum natürlich auch okay wäre, für umgerechnet auf die Flasche 2,50 Euro wäre die Krisenbox natürlich die grandiose Lösung !
Hast du den Weißwein auch ausprobiert ? Grüße, cheftatze

Weißwein

Noch nicht, kann aber noch kommen.

Doppelt gespart

Habe mich auch mal verleiten lassen 3 verschiedene Boxen zu bestellen und habe passend dazu noch einen 5€-Vinos-Gutschein gefunden: 20120-ABL-5-5

Link repariert

Der Link auf das Projekt Krisenbox ist jetzt repariert. Hättet Ihr aber auch mal sagen können, dass der nicht tut, alles muss man selber machen...

Bislang immer abgeschreckt

Hallo Weinnase.

Der Wein aus dem "Karton" bzw. Weinschlauch hat mich bis jetzt immer etwas abgeschreckt. Aber Du hast es eigentlich in Deinem Artikel ganz treffend formuliert. Aus ökologischen Gesichtspunkten absolut sinnvoll und da, wo er die Flasche nicht zwingend braucht, ist er in diesem Schlauch gut aufgehoben.

Ich glaube, ich werde ihn auch mal testen :)

Viele Grüsse
Tobinger

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