Weihnachtsspecial Teil 1: Im olympischen Peking

Weihnachtsvierteiler - Teil 1: Im olympischen Peking

Man mag sich die vielleicht berechtigte Frage stellen, was ein Reisebericht über eine Wüstenreise in einem Foodblog zu suchen hat. Aber gerade bei einer Reise nach China spielt natürlich das Thema Essen eine große Rolle (die Frage, wie man sich in der Wüste ernährt, ist schließlich auch nicht ganz unspannend), und außerdem haben einige Leser seinerzeit den Wunsch nach einem Bericht und Fotos geäußert. Dem komme ich nun mit einem Weihnachtsspecial gerne nach.

Teil 1: Im olympischen Peking

Sinn, Zweck und Höhepunkt der Chinareise war zwar eine 10-tägige Wanderung durch die Wüste Gobi. Da wir jedoch sowieso über Peking fliegen mussten, hatte der Reiseveranstalter hier einen knapp 2-tägigen Aufenthalt mit einem Besichtigungsprogramm eingeplant.

Zwei Tage sind sicher viel zu kurz, um dieser Stadt gerecht zu werden, aber dennoch waren wir froh, die Gelegenheit zu haben, mehr von Peking zu sehen als nur den Flughafen.

Ankunft und erste Eindrücke

Anfang September 2008 kommen wir an Pekings internationalem Flughafen an. Zu diesem Zeitpunkt sind die olympischen Sommerspiele schon zu Ende, und die Paralympics stehen kurz vor ihrem Beginn. Wir, eine 7-köpfige Reisegruppe, kommen aus verschiedenen Ecken Deutschlands und haben uns erst auf dem Flug kennengelernt.

Hinweisschild für die Paralympics

Unsere Ankunft in Peking ist völlig unproblematisch. Pekings internationaler Flughafen ist sehr modern, und alles ist sehr gut organisiert. Aufgrund der olympischen Spiele sind überall Informationsstände, an denen man Reisematerial (Karten etc.) in verschiedenen Sprachen bekommen kann. Nachdem die Einreiseformalitäten abgeschlossen sind, treffen wir unsere lokale Reiseführerin Lydia. Wie viele Chinesen, die regelmäßig mit Westlern zu tun haben, hat auch sie einen "Künstlernamen", damit Westler nicht in die Verlegenheit kommen, ihren vermutlich komplizierten chinesischen Namen falsch auszusprechen. Ihren chinesischen Namen haben wir nicht erfahren.

Hinweisschild für die Paralympics

Da wurde die Kurve angesichts der Beladung wohl etwas zu forsch genommen. Jemand aus unserer Reisegruppe eilt herbei, um zu helfen.

Am Flughafen steigen wir in unseren Bus, der während unseres Peking-Aufenthaltes für uns zur Verfügung steht und fahren zu unserem Hotel, das im Nordteil der Stadt liegt. Wären auf Straßen- und Werbeschildern keine chinesischen Schriftzeichen, so könnte man den Eindruck haben, sich in einer westlichen Großstadt zu befinden: Qualitativ sehr gute Straßen, moderne Gebäude, kein Verkehrschaos wie ich es aus indischen Großstädten kenne. China's Infrastruktur ist (zumindest in den Städten, die wir während unserer Reise besucht haben) sehr gut. Aus meiner Sicht ist China hier klar weiter als Indien, der anderen aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsmacht.

Von dem berüchtigten Smog, der in vielen chinesischen Großstädten herrschen soll, stellen wir zu dieser Zeit in Peking nichts fest. Das mag sicherlich daran liegen, dass viele Fabriken für die Dauer der olympischen Spiele geschlossen worden sind und auch daran, dass nur die Hälfte der Autos auf den Straßen ist (an einem Tag fuhren die Autos mit einer geraden, anderntags die mit einer ungeraden Nummer). Allerdings werden wir auch später in Lanzhou und Xining, welches beides ebenfalls Millionenstädte sind, keinen Smog bemerken.

Fast-Unfall

Weiße Haut gilt in China als schick und erstrebenswert.

Müllabfuhr

Die Straßen waren wie geleckt. Hier ein Wagen der Müllabfuhr.

Nichtsdestotrotz hat Indien einen Vorteil gegenüber China, und das ist die Sprache. In Indien spricht ein weitaus größerer Anteil der Einwohner Englisch als in China, und wenn man die Englisch sprechenden Einwohner beider Länder vergleicht, so sprechen die Inder im allgemeinen besseres und verständlicheres Englisch. Allerdings ist zu erwarten, dass China in diesem Bereich schnell aufholen wird.

Entspannung

Entspannung

Zigarettenpause

Zigarettenpause

Für jemanden, der kein Chinesisch spricht, ist die Verständigung in China schwierig bis unmöglich. Selbst in Hotels, in denen regelmäßig westliche Besucher logieren, sprechen nur sehr wenige Angestellte Englisch. Taxifahrer sprechen in der Regel kein Englisch. Auch in Restaurants wird im allgemeinen kein Englisch gesprochen. Da wir immer zusammen mit der ganzen Gruppe essen gehen, übernimmt unsere Reiseführerin Lydia das Bestellen. Wenn wir ohne sie Taxi fahren, zeigen wir dem Taxifahrer unsere Zieladresse immer auf einem Zettel geschrieben mit chineschen Schriftzeichen. Ich habe allerdings auch schon von Fällen gehört, in denen ein Taxifahrer nicht lesen konnte.

Essen

In Peking essen wir mittags und abends in Restaurants. Das Essen ist vielfältig und sehr gut. Es ist nicht zu scharf, sondern im Gegenteil fast ein wenig lasch, was wohl daran liegt, dass wir anscheinend stets die Touristenversion bekommen. Lydia isst niemals mit uns an einem Tisch, sondern immer separat. Vermutlich bekommt sie "echtes" chinesisches Essen. Die typische chinesische bzw. mongolische Küche werden wir erst später auf unserer Reise kennengelernen. Dazu später mehr.

Was mir jedoch in chinesischen Restaurants stets sehr gut gefällt, ist, dass man wirklich gemeinsam alle Speisen isst. In China sitzt man mit einer Gruppe unserer Größe für gewöhnlich an einem runden Tisch, in dessen Mitte sich eine große drehbare Scheibe befindet. Man bestellt dann viele verschiedene kleine Gerichte (wichtig ist, dass es eine gerade Anzahl ist, da das Glück bringt), die auf diese Scheibe gestellt werden. Beim Essen wird die Scheibe gedreht, so dass jeder von jeder Speise nehmen kann.

Chinesisches Essen

Viele verschiedene Gänge werden gleichzeitig auf einer drehbaren Platte serviert. (Foto: B. & B. Hoffmann (Ausschnitt), bearbeitet durch M. Picht)

Ein kulinarisches Highlight unseres Aufenthaltes in Peking ist sicher der letzte Abend, an dem es Pekingente gibt (wobei unsere beiden Hamburger Mitreisende bemerken, im Hamburger Pekingentenhaus schonmal bessere Pekingente gehabt zu haben. Mittlerweile habe ich mich selbst davon überzuegen können, dass das zutrifft).

Im Hutongviertel

Hutongs sind enge Gassen an denen sich traditionelle Wohnhöfe befinden. Leider werden diese Wohnviertel nach und nach abgerissen, was sehr schade ist, da diese Viertel sehr viel Atmosphäre haben und zweifellos ein Stück traditionelles und "wahres" China zeigen.

Eingang eines Hauses im Hutong-Viertel

Eingang eines Hauses im Hutong-Viertel

<strong />Kind im Hutong-Viertel

Kind im Hutong-Viertel

Abseits vom Trubel der 17-Millionen-Stadt Peking habe ich hier im Hutong-Viertel den Eindruck, dass die Menschen hier sehr entspannt und zufrieden leben, und zwar nicht nur in den Hofhäusern, sondern auch auf den Straßen.

Männer vor Laden im Hutong-Viertel

Männer beim Nachmittagsschwatz

Männer beim Schach

Überall beliebt: Chinesches Schach

Himmelstempel und Himmelspark

Sehr seltsam mutet an, dass in vielen Geschäften und Unternehmen bei Schichtwechsel die Angestellten zum Appell antreten. Wir sehen dies mehrfach. Auf dem Foto unten sehen wir es auf dem Weg zum Himmelstempel vor einem Restaurant. Das andere Foto zeigt, dass - obwohl der Motorisierungsgrad in China zunehmend steigt - immer noch sehr viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Morgenappell vor einem Restaurant

Morgenappell vor einem Restaurant am Eingang des Himmelstempels

Fahrradparkplatz

Fahrradparkplatz vor dem Eingang des Himmelstempels

Im Himmelstempel (laut Reiseführer ist der korrekte Name eigentlich "Himmelsaltar") hat der chinesische Kaiser (auch "Himmelssohn" genannt) in Stellvertretung für das gesamte Reich einmal im Jahr, nämlich am Tag der Wintersonnenwende, ein Tieropfer dargebracht. Es ist ein weitläufiges Gelände mit beeindruckenden, reich verzierten Gebäuden. Alle Dachziegel auf den Gebäuden und Mauern sind blau, da die Farbe Blau den Himmel symbolisiert.

Tor im Himmelstempel

Tor im Himmelstempel

Kuppel

Kuppel eines der Tempel

Zu dem Bereich des Himmelstempels gehört der Himmelspark, und hier können wir etwas beobachten, was mich wirklich beeindruckt: Viele chinesische Parkanlagen werden insbesondere von älteren Menschen für gemeinsame Aktivitäten genutzt. Man trifft sich vormittags, um gemeinsamen Hobbies und Interessen nachzugehen und um sich fit zu halten. Das ist ein sehr schöner Brauch, und es ist schade, dass wir so etwas in Deutschland nicht kennen.

Kalligrafieübungen

Kalligrafieübungen

Musikerin

Musizieren

Man sieht hier Menschen den unterschiedlichsten Aktivitäten nachgehen: Z.B. Kalligrafieren, wobei etwa Gedichtverse mit Wasser auf den Boden gemalt werden. Die Schriftzeichen verdunsten natürlich sofort wieder, aber es ja auch nicht darum, etwas Dauerhaftes zu schaffen, sondern vielmehr darum, sich in der Kunst der Kalligrafie zu üben. Andere Menschen trainieren artistische Kunststücke oder tanzen und musizieren zusammen.

Und natürlich gehen auch viele Parkbesucher ihrer Leidenschaft für Brettspiele nach, z.B. dem chinesischen Schach oder Domino.

Dominospieler

Dominospieler lassen ich auch durch Fotografieren nicht stören.

Entspannung

Entspannung mit Qi-Gong-Kugeln.

Obwohl es im Himmelspark sehr voll ist, ist die Atmosphäre dort eher ruhig und entspannt, so dass man sich als Tourist fast ein bisschen als Eindringling fühlt.

Tian'anmen-Platz (Platz des himmlischen Friedens) und die verbotene Stadt

Der Platz des himmlischen Friedens ist insbesondere in der westlichen Welt wegen des Massakers, das dort im Jahre 1989 stattgefunden hat, bekannt. In China wird es lapidar als "Zwischenfall vom 4. Juni" bezeichnet.

Der Platz liegt im Zentrum Pekings und gilt als größter befestigter Platz der Welt. Neben dem Denkmal für die Helden des Volkes und einem Denkmal für die Olympischen Sommerspiele 2008 fällt auf dem Platz vor allem das massive Aufgebot an Sicherheitskräften auf. Dies sind sicherlich Vorkehrungen zur Vermeidung von Anschlägen, allerdings ist zu vermuten, dass die chinesischen Behörden damit auch Proteste gegen die Menschenrechtssituation in ihrem Land verhindern wollen.

Es sind aber auch viele Touristen (gerade auch chinesische) dort. Wie man auf dem Foto unten sieht, lässt sich gerade eine Familie (vermutlich aus der chinesischen Provinz) vor dem Tor des himmlischen Friedens, das den Platz im Norden begrenzt, fotografieren.

Soldaten auf dem Platz des Himmlischen Friedens

Soldaten treten auf dem Platz des Himmlischen Friedens an

Familie vor dem Eingang zur Verbotenen Stadt

Familienfoto vor dem Eingang zur Verbotenen Stadt

Unser nächstes Ziel ist die Verbotene Stadt, die sich hinter dem Tor des himmlischen Friedens befindet. Auf dem Weg dorthin müssen wir eine Hauptverkehrsstraße durch eine Unterführung unterqueren. Dort werden alle Taschen und Gepackstücke gescannt. Auch in der Verbotenen Stadt ist Militär stationiert. All das führt einem noch einmal das massive Aufgebot von Sicherheitskräften vor Augen. Offensichtlich wollen die chinesischen Behörden gerade für die Zeit der Olympischen Spiele Anschläge aber auch Proteste unter allen Umständen verhindern.

Halle in der Verbotenen Stadt
Bottich in der Verbotenen Stadt

Die Verbotene Stadt kannte ich bisher nur aus dem Film "Der letzte Kaiser" von Bernardo Bertolucci. Es ist ein riesiges Areal mit beeindruckenden, reich verzierten Bauten, die von der früheren Macht und dem Reichtum der chinesischen Kaiser zeugen. Wir durchqueren das Gelände von Süden nach Norden und kommen dabei durch diverse Innenhöfe. Im Unterschied zum Himmelstempel sind in der Verbotenen Stadt alle Dachziegel goldgelb, denn das war die Farbe des chinesischen Kaisers.

Die Verbotene Stadt ist zwar einerseits sehr beeindruckend. Andererseits zeugt es aber auch von einer Art Perversion, solch ein Areal zu erschaffen, nur damit dort ein einziger zeugungsfähiger Mann (der Kaiser, ansonsten haben dort nur Eunuchen gewohnt) mit tausenden seiner Bediensteten wohnen kann.

Touristen in der Verbotenen Stadt

Täglich besichtigen sehr viele Touristen die Verbotene Stadt

Rast in der Verbotenen Stadt

Auch für Chinesen ist die Besichtigung anstrengend

Weiter geht's

Nach zwei Tagen in Peking geht es dann weiter in Richtung Lanzhou, einer Stadt in Zentralchina, etwa 1500 km westlich von Peking. Wir fliegen vom neuen Terminal 3 des Pekinger Flughafen ab, dessen riesige Hall von einem imposanten, geschwungen Glasdach gekrönt wird. Wie Wikipedia weiß, ist diese Halle das größte Gebäude der Welt. Auch hier ist alles sehr gut organisiert. Die Kontrollen sind extrem gründlich. Selbst die Metallreißverschlüsse unserer Hosen werden vom Kontrollpersonal misstrauisch beäugt, da die Metalldetektoren bei ihnen anschlagen.

Olypiafans im Himmelspark

Olympiafans im Himmelspark

Peking hat einen ersten Eindruck von China vermittelt. Insbesondere die hervorragende Infrastruktur und die sehr gute Organisation waren beeindruckend. Die Sehenswürdigkeiten haben einen Einblick auf die Jahrtausende alte chinesische Kultur vermittelt und bewusst gemacht wie hoch entwickelt sie bereits war, als die Europäer fast noch in Höhlen gelebt haben. Alles in allem verlasse ich Peking jedoch mit dem Gefühl, lediglich eine sorgfältig arrangierte Inszenierung Chinas für die Außenwelt gesehen zu haben und freue mich darauf, in Zentralchina ein authentischeres China zu erleben.

Die anderen Teile des Reiseberichtes

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Wunderbar

Herzlichen dank Mipi - mit Asien Berichtenmachst Du mir eine besondere Freude und ich hoffe das ich in den nächsten Jahren eine ausführliche Reise durch China machen kann.. Ich denke die Problematik mit dem Englisch liegt darin begründet das China so viele viele Jahren abgeschnitten von der westlichen Welt war und Mao jegliche Fremdsprachen verboten hat...
Ich finde Deine Bilder so spannend und schön und das erinnert mich an meine Zeit in Südkorea.. ich habe auch viele Schnappschüsse dieser Art nur halt nicht digital... das war bestimmt eine unvergessene Tour und Du bestimmt vielen Emotionen und kulinarischen Eindrücken behalten... es gibt ein tolles Buch von Polly Evans - ein humor- und liebevoller Reisebericht einer Frau durch China kurz vor den Olympischen Spielen!

Schönes Special. Da war ich

Schönes Special. Da war ich letztes Jahr. Das Essen in Peking und auch Shanghai war wirklich athemberaubend.

Ich wünsche dir einen guten Rutsch und viel Erfolg und Gesundheit für das kommende Jahr!

Schöne Fotos und toller

Schöne Fotos und toller Bericht, danke! :-)

China und Indien sind total unterschiedlich, das kann man gar nicht vergleichen, obwohl man es natürlich tut, sind ja 2 Riesenreiche mit massen Menschen, die sehr unterschiedlich damit umgehen.

Smog ist mal da, mal nicht, kommt darauf an - manchmal hat man einfach Glück. :-)

...

@Alissa: Danke für den Buchtipp.
@Tobias: Bei uns war das Essen in Peking eher touristisch. Dir auch alles Gute.
@Barbara: Dann hatten wir wohl Glück :-)

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Nach dem Essen: Prickelnder Lesegenuss mit dem neuen Buch von Ann Westphal