Weihnachtsspecial Teil 3: Xining und seine Klöster

Weihnachtsspecial Teil 3: Xining und seine Klöster

Im dritten Teil des Weihnachtsspecials lassen wir die Wüste hinter uns und kehren langsam in die Zivilisation zurück. Über das mehr als 6000 m hohe Qilian-Shan-Gebirge mit seinen durch Yaks bevölkerten Hochebenen fahren wir nach Xining. Dort besichtigen wir zwei ganz unterschiedliche Klöster.

Von Alashan Youqi nach Xining

Der Morgen nach dem Mondfest beginnt für uns genau wie der Tag, an dem wir in die Wüste aufbrachen, mit einem mongolischen Frühstück. Bei uns ist das:

  • Tee
  • Hirsesuppe
  • Sauer eingelegtem Gemüse (Ingwer, Karotten etc.)
  • Gefüllten Teigbällchen
  • Nudelsuppe
  • Wildem Lauch (kurz in Sojasauce geschwenkt)

So gestärkt, nehmen wir endgültig Abschied von der Wüstenregion und verlassen in unserem Bus Alashan Youqi. Ursprünglich war geplant, dass wir von hier aus nach Xiahe fahren, um das Kloster Labrang zu besichtigen. Das ist allerdings nicht möglich, da die dortige Provinzregierung die Region für ausländische Touristen gesperrt hat - vermutlich aus Angst vor Ausschreitungen oder Protestaktionen. Schließlich haben wir immer noch Olympia. Und so lautet unser Ziel Xining. Wir werden dort u.a. das tibetische-buddhistische Kloster Kumbum besuchen.

Serpentinen auf dem Weg von Alashan Youqi nach Xining

Serpentinen auf dem Weg von Alashan Youqi nach Xining.

Bald nachdem wir Alashan Youqi verlassen haben, geht die Steppe in eine hügelige, karge, durch Erosion geformte Lösslandschaft über. Die Menschen hier hausen in sehr einfachen Häusern. Alles ist irgendwie nur braun und grau - sehr deprimierend. Wir sehen Menschen im Boden nach irgendetwas graben. Xu Ning erklärt, dass hier nach Heilkräutern gesucht wird.

Mobile Autowerkstatt

Mobile Autowerkstatt. Der Bus fungiert als Büro und Aufenthaltsraum. Die eigentliche Werkstatt befindet sich unter freiem Himmel vor dem Bus.

Der Chef erklärt uns den Weg

Der Chef der Werkstatt erklärt unserem Fahrer den Weg nach Xining.

Alsbald ändert sich die Landschaft wieder. Das Land wird fruchtbarer, und es wird Gemüse und Getreide angebaut. Bei der Mittagsrast sehen wir ein mit frisch geerntetem Knoblauch beladenes Transportgefährt.

Knoblauchernte

Die Knoblauchernte ist in vollem Gang.

Wir fahren nun auf das Qilian-Gebirge zu. Die Straßen sind erstaunlicherweise auch hier auf dem Land von sehr guter Qualität. Links und rechts des Weges wird Getreide geerntet. Dabei ist von Technisierung (z.B. Mähdrescher) keine Spur. Die Menschen ernten das Getreide von Hand mit Sicheln und transportieren es dann auf hochbeladenen dreirädrigen Karren ab.

Auf dem Weg zum Gebirge

Wir fahren auf das Gebirge zu.

Getreideernte ist Knochenarbeit

Die Getreideernte ist nach wie vor nicht technisiert und daher Knochenarbeit.

Durch das Qilian-Shan-Gebirge

Auf dem Weg nach Xining überqueren wir nun das Qilian-Shan-Gebirge. Zunächst beginnt der lange Aufstieg. An vielen Stellen befinden sich Baustellen an der Straße, was den Verkehr oft zwingt, auf improvisierte Umleitungen neben der Straße auszuweichen. Wir kommen an großen Zeltdörfern vorbei, in denen die Bauarbeiter in Gemeinschaftzelten untergebracht sind. Diese Zeltdörfer ziehen mit den Baustellen weiter.

Nachdem wir auf ca. 3800 m Höhe einen Gebirgspass überquert haben, erreichen wir eine fruchtbare Hochebene, die auf etwa 3000 m Höhe liegt. Die Landschaft hier ist geprägt von Grasflächen sowie kleinen Orten, vereinzelten Gehöften und primitiven Hütten für Hirten. Auf den Weiden befinden sich zahlreiche Yaks und Schafe. Zu dieser Jahreszeit ist die Heuernte für den Winter gerade in vollem Gange. Auf den meisten Flächen ist das Gras bereits gemäht und in Bündeln zum Trocknen aufgestellt.

Heuernte im Grasland

Heuernte für den Winter auf 3000 m Höhe. Jeder Quadratmeter wird für den Grasanbau genutzt.

Wir verlassen die Hochebene auf 4000 m Höhe über einen weiteren Pass und fahren abwärts Richtung Xining. Mit abnehmender Höhe kommen wir wieder in Regionen mit Gemüse- und Getreideanbau.

Xining

Xining

Die Skyline von Xining.

Abends erreichen wir Xining, die Hauptstadt der Provinz Qinghai. Mit aktuell rund 2.000.000 Einwohnern ist Xining die kleinste (!) der chinesischen Provinzhauptstädte. Mit ca. 20% ist der Anteil an Moslems hier recht hoch. Moslemische Männer erkennt man an ihren weißen Käppis, die Frauen tragen Kopftücher in verschiedenen Farben.

Es gibt hier sehr viele moslemische Restaurants, in denen konsequenterweise weder Schweinefleisch noch Alkohol erhältlich ist (allerdings ist es erlaubt, sich sein Bier selbst mitzubringen). Abends essen wir in einem moslemischen Restaurant mongolischen Feuertopf in der moslemischen Variante.

Der Feuertopf ist ein Topf, der in zwei ineinander sitzenden Gefäßen jeweils heiße Brühe enthält. Die Brühe in dem einen Gefäß ist scharf, die im anderen ist etwas milder. Zusammen mit dem Feuertopf werden diverse Köstlichkeiten serviert:

  • Lotuswurzeln
  • 3 verschiedene Rinderschinken
  • Kartoffeln
  • ein Rauke-ähnliches Kraut
  • Wachteleier
  • Bambussprossen
  • Seetang
  • Nadelpilze
  • Austernpilze
  • Glasnudeln
  • eingelegter Knoblauch

Man gibt nach und nach die einzelnen Speisen für die gesamte Tischgesellschaft in die Brühen zum Garen. Dann fischt sich jeder die gegarten Speisen mit Stäbchen heraus und isst sie zusammen mit Reis und den Würzsaucen, die zusammen mit dem Feuertopf serviert worden sind.

Mongolischer Feuertopf

Lauter Köstlichkeiten warten darauf, im Feuertopf zu landen. Foto: U. & H.-D. Rusnak (Ausschnitt), Bearbeitung: M. Picht

Mongolischer Feuertopf

Durch die Chilis wird die Brühe mit der Zeit immer schärfer. Foto: U. & H.-D. Rusnak (Ausschnitt), Bearbeitung: M. Picht

Das Kloster Kumbum

Mönche in Kumbum

Mönche vor dem Kloster Kumbum.

Am nächsten Tag besuchen wir Kumbum Champa Ling, ein tibetisch-buddhistisches Kloster aus der Zeit der Ming-Dynastie (1378 - 1644). Der Legende nach ist Tsongkhapa, der Begründer des Gelbmützenorderns, am Standort der ältesten Tempelhalle des Klosters geboren worden. An der Stelle, an der damals das bei der Geburt vergossene Blut versickert sei, habe danach ein wundersamer Baum ausgetrieben, dessen Blätter hunderttausend [= zahllose] Bildnisse Buddhas getragen hätten, weiß Wikipedia.

Heilige Säulen

Vor dem Kloster befinden sich 8 heilige Säulen ...

Tibetische Pilger

... um die tibetische Pilger mehrere Mal herum laufen.

Mädchen mit Zopf

Tibetisches Mädchen mit kunstvoll geflochtenem Zopf.

Alter Mann ruht sich aus

Ein alter Mann ruht sich vor dem Kloster aus.

Xu Ning engagiert für uns eine sehr gut englisch sprechende Führerin, die uns in ca. 1 - 2 Stunden im Kloster herumführt. Es ist faszinierend, die verschiedenen, mitunter sehr alten und oft mit Kunstwerken reich verzierten Tempel, zu besichtigen. In manchen Tempeln sehen wir Skulpturen aus Yakbutter, die mit der Zeit langsam zerfallen.

Viele Besucher des Klosters sind Pilger, die hier sind um zu beten oder an religiösen Zeremonien teilzunehmen. Immer wieder sehen wir Menschen, die vor sich eine lange schmale Matte ausgebreitet haben und sich wieder und wieder aus dem Stand heraus flach auf diese Matte schmeißen, um dann sogleich wieder aufzustehen. Aus Respekt vor der Religionsausübung der Gläubigen ist Fotografieren hier nicht gestattet.

Dach eines Gebäudes

Das Dach eines Klostergebäudes.

Mönchszellen

Mönchszellen.

Mönch mit Schubkarre

Auch Mönche helfen bei der Renovierung des Klosters.

Ein Baby

Ein Baby ist vom rituellen Rauch fasziniert. Im Hintergrund sieht man mehrere Gebetsmühlen.

Auf dem Platz vor dem Kloster sehen wir sehr verschiedene Typen von Menschen: Da sind tibetische Pilger, Familien mit kleinen Kindern, alte Menschen, Mönche, aber auch Menschen, die so aussehen, dass man ihnen nachts nicht so gerne auf der Straße begegnen möchte.

Mann mit Goldzähnen

Der Mann hat einen guten Zahnarzt.

Das daoistische Kloster Beichan

Kloster in den Felsen

Das Kloster ist in die Felsen hinein gegraben.

Kurz vor unserer Abreise aus Xining besuchen wir das daoistische Kloster Beichan. Dieses Kloster ist in die Felsen oberhalb der Stadt gegraben. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über ganz Xining.

Aussicht auf Xining

Vom Kloster hat man einen sehr schönen Blick auf Xining.

Wikipedia weiß, dass der Daoismus (oder auch Taoismus) eine Philosophie und Religion ist, die als Chinas eigene und authentische Religion angesehen wird. Derzeit gibt es in der VR China ungefähr 3.000 daoistische Heiligtümer, die von ca. 25.000 Nonnen und Mönchen bewohnt werden. Die daoistischen Tempel sind teilweise ökonomisch unabhängig, indem sie Hotels, Restaurants, Teehäuser oder Souvenirgeschäfte und Kampfkunstschulen betreiben und daoistische Organisationen engagieren sich in öffentlichen Bereichen wie dem Umweltschutz, Bildung oder Katastrophenhilfe.

Dass daoistische Mönche sehr geschäftstüchtig sind, merken wir als einige Mönche - anscheinend aus einer spontanen Eingebung heraus - von uns zusätzlich Geld für die Besichtigung einzelner Tempel oder Schreine verlangen. Da wir bereits am Eingang der Klosters Eintritt gezahlt haben, zahlen wir nicht. Später sehen wir einige Mönche, die sich unbeobachtet glauben, beim Geld zählen.

Mönche beim Geld zählen

Daoistische Mönche zählen ihre Einnahmen.

Vor einiger Zeit gab es im Kloster Beichan einen Brand, bei dem einige der aus Holz gebauten Tempel zerstört worden sind. Nach und nach werden diese Gebäude nun wieder aufgebaut.

Tischler sägen

Ein niedergebrannter Tempel wird gerade wieder aufgebaut.

Tempelbauarbeiten

Nach der Besichtigung von Beichan verlassen wir Xining mit dem Bus in Richtung Lanzhou, der letzten Station unserer Chinareise.

Alter Mann beim Holzsammeln

Ein alter Mann sammelt vor dem Kloster Brennholz.

Die anderen Teile des Reiseberichtes

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Sehr interessante Berichte

Sehr interessante Berichte und schöne Fotos. Besten Dank.

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