Weinvergleichstest Teil 5: Österreichische Weine

Österreichische Weine

Österreichische Weine sind im Kommen, kein Zweifel. Ich erinnere mich noch gut an eine Blindverkostung internationaler großer Gewächse, die ein Gourmetmagazin (ich meine, es war der Feinschmecker) vor einiger Zeit durchgeführt hat. Was ich noch genau weiß: Unter den ersten zehn Weinen waren, zur Überraschung aller und zum Entsetzen einiger prominenter Weingüter, vier Österreicher. Ein guter Anlass, sich österreichische Weine einmal genauer anzuschauen. Freundlich unterstützt wurden wir dabei durch den Online-Weinshop Weisbrod & Bath, der uns die Testkandidaten auswählte und zur Verfügung stellte.

Die Weine stammen alle vom Weingut Winkler-Hermaden in Kapfenstein in der Südsteiermark. Es liegt an den Hängen eines erloschenen Vulkans, ein spezielles Terroir, welches für die dort produzierten Weine offenbar nicht von Nachteil ist. Alle Weine werden in Barriques ausgebaut. Das besondere daran ist, dass die Eichen für diese Barriques ebenfalls an den Hängen des Kapfensteiner Vulkans wachsen - sehr selbstbewusst, gelten doch sonst französische oder amerikanische Barriques im Premium-Weinbau als erste Wahl.

Erste Wahl sind österreichische Weine im internationalen Vergleich jedenfalls schon länger. Leider schlägt sich das auch in einem recht selbstbewussten Marktpreis nieder. Zwei der uns zur Verfügung gestellten Flaschen reißen die 10-Euro-Marke von mankannsessen jedenfalls deutlich. Wir haben sie trotzdem getestet und beschlossen, angesichts der wirklich überragenden Qualität die Annahme nicht zu verweigern. Wer das obige Foto aufmerksam betrachtet, wird feststellen, dass die Flaschen zu diesem Zeitpunkt bereits geleert gewesen sind.

Die Kandidaten:

Grauburgunder Schlosskogel Erste STK Lage, 2006

An diesem Wein überraschte uns zunächst das Alter. Ein genauer Blick auf das Etikett erklärt, warum. "Reserve" steht dort - der Wein wurde, wie alle Weine des Weinguts, behutsam für acht Monate in Barriques aus heimischer Eiche ausgebaut. Das Ergebnis beeindruckt in jeder Hinsicht. Trotz des monumentalen Alkoholgehalts von fast 14% hat dieser Wein so gar nichts von den oftmals öligen, schweren Grauburgundern mitteleuropäischer Herkunft. Vielmehr ist der Grauburgunder Schlosskogel ein rassiger, eleganter Wein mit feinen, komplexen Aromen.

Im Glas schimmert er schwefelgelb, und das Bouquet hat gleich die nächste Überraschung parat: Der erste Eindruck ist rauchig, fast wie geräucherter Schinken. In der Testrunde fiel denn auch das Wort "schinkig". Im Mund entfaltet sich ein feines, leicht exotisches Fruchtaroma und zarte Karamellnoten, die man auch im ausgetrunkenen Glas mit der Nase noch wahrnimmt. Die schöne runde Restsüße (6,7g/l Zucker) passt ebenfalls sehr gut dazu. Die Website von Weisbrod & Bath erwähnt noch Walnuss-, Nougat- und Pfirsicharomen, dieser Einschätzung schließt man sich ebenfalls gern an. Man sollte ihn nicht zu kalt trinken, der Anbieter empfiehlt 12-14°C und attestiert ihm trotz des für Weißweine bereits fortgeschrittenen Alters eine Lagerfähigkeit bis 2013.

Insgesamt ein reifer, außergewöhnlicher Wein, der mit seinen 13,50 Euro nicht zu teuer ist. Wir genossen ihn, kongenial zum schönen Bouquet, zu Gambas im Serranomantel und zu Terlaner Schaumweinsuppe.

Blauer Zweigelt Klassik, 2007

Den nächsten Wein, den Blauen Zweigelt Klassik von 2007, hatten wir eigentlich als Übergangswein bis zum Hauptgang unseres Testmenüs geplant, aber das wird ihm nicht gerecht. Der Name lässt keinen anderen Schluss zu, hier handelt es sich um einen reinsortigen Wein aus Österreichs roter Leitrebe. Die Blaue Zweigelt ist aus einer Kreuzung von St. Laurent und Blaufränkisch entstanden und nach ihrem Züchter Friedrich Zweigelt benannt. Außerhalb Österreichs hat sie kaum Bedeutung, dabei produziert sie einen ausdrucksstarken, tanninreichen und damit lagerfähigen Rotwein.

Der Blaue Zweigelt Klassik ist, wie alle Weine des Test-Ensembles, von eher zurückhaltender, gut eingebundener Säure, dabei elegant, fast leicht. In diesem Punkt können wir der Bezeichnung der Website nicht ganz folgen, die ihn als kräftig beschreibt. Der Klassik ist von kräftiger, tief dunkelroter Farbe und würzigem Bouquet. Die dezenten Barriquenoten sind gut eingebunden und harmonieren ausgezeichnet mit der feinen Würze und den dezenten Fruchtaromen nach Weichselkirschen. Wir haben es nicht ausprobiert, aber der Blaue Zweigelt Klassik ist mit Sicherheit ein exzellenter Begleiter zu Weichkäse wie Camembert. Weisbrod & Bath liefert ihn für angemessene 8,90 Euro.

Olivin 2007

Der Olivin ist so etwas wie das Flaggschiff des Weinguts Winkler-Hermaden, Weisbrod & Bath nennt ihn denn auch ihren "wertvollsten Rotwein". Er ist benannt nach dem olivgrünen Vulkangestein, welches am Kapfensteiner Kogel zu finden ist. Die Farbe des Weins leuchtet tief dunkel-violett, und im Bouquet meint man den mineralischen Ton des Gesteins zu ahnen, welches dem Olivin seinen Namen gegeben hat. Aus derselben Traube gekeltert und gleich alt wie der "Klassik", sind sein Bouquet und Geschmack doch deutlich komplexer. Neben den für die Blaue Zweigelt typischen Weichselkirschen meint man noch einen ganzen Korb weiterer reifer, roter Früchte zu schmecken, vortrefflich kombiniert mit würzigen (die Website spricht von "pfeffrigen") Kräuteraromen und feinen Röstnoten vom Barrique aus Kapfensteiner Eiche.

Sie machen den Olivin zu einem herausragenden Wein mit einer bemerkenswerten Komplexität und Würze. Die Tannine sind kräftig und fast noch etwas jung, dem Wein wird vom Lieferanten immerhin eine Lagerfähigkeit bis 2017 bescheinigt. Man sollte ihn deshalb vor dem Trinken dekantieren und ausreichend belüften. Bei Weisbrod & Bath erhält man den Olivin für stattliche 16,50 Euro. Ein Liebhaberpreis, der dennoch nicht verhindert, dass der Wein nach Angaben des Lieferanten schnell vergriffen ist. Für uns war er der standesgemäße Begleiter zu Rinderfilet Wellington mit Rotweinzwiebeln.

Fazit

Bei diesem Test hatten wir es durchweg mit Repräsentanten des modernen österreichischen Premium-Weinbaus zu tun. Die Qualität der Gewächse von Winkler-Hermaden ist überzeugend, allerdings wird dafür auch ein entsprechender Preis verlangt. Im Gegenzug erhält man wirklich hochkarätige, nicht alltägliche Weine mit einer besonderen Charakteristik, die gerade Liebhaber von Weinen etwas abseits des Mainstream viel Freude machen dürften.

Am meisten beeindruckt hat uns dabei der Grauburgunder Schlosskogel. Er verkörpert eine markante, eigenständige Spielart der durchaus weit verbreiteten Grauburgunderrebe (auch bekannt als Pinot Grigio oder Ruländer) und überzeugt mit seiner charakterstarken Kombination von Frucht, Karamell und dezenten rauchigen Barriquenoten.

An dieser Stelle ist noch hinzuzufügen, dass ich mir erst jetzt, nach Fertigstellung des Textes, die Homepage von Winkler-Hermaden genauer angeschaut habe. Dabei durfte ich feststellen, dass sowohl der Olivin 2007 als auch der Grauburgunder Schlosskogel 2006 Erste STK Lage Reserve bereits hohe und höchste Auszeichnungen erhalten haben, unter anderem 17,5 bzw. 18 von 20 Punkten bei Gault Millau. Ich kenne die Bewertungsskala von Gault Millau für Weine zwar nicht, wenn sie aber ähnlich funktioniert wie bei Restaurants, sind das sensationelle Bewertungen. Liest man die ausführlichen Beschreibungen auf den Seiten des Lieferanten bis ganz unten, findet man diese Info auch dort.

Ein letztes Wort noch zum Internet-Auftritt der freundlichen Sponsoren dieses Weintests: Die Website von Weisbrod & Bath, www.ps-wein.de, überzeugt nicht nur durch ein reichhaltiges Sortiment mit Wein von vier Kontinenten, sie bietet auch unvergleichliche Möglichkeiten für die Weinsuche. So gibt es neben einer Freitextsuche eine Expertensuche mit zahlreichen Parametern wie Region, Jahrgang und Rebsorte (sogar Cuvées aus bis zu drei Rebsorten lassen sich angeben), einen Wein-Menü-Berater, mit dem man sich die passenden Weine z.B. zu Kartoffelsuppe, Jakobsmuscheln oder Ziegenkäse empfehlen lassen (und natürlich auch kaufen) kann, und - unseres Wissens einmalig für Weinshops - einen Aromen-Baukasten, in dem man verschiedene Wein-Aromen wie diverse Früchte, Kaffee, Karamell oder Schokolade sowie die Farbe des Weins auswählen kann und daraufhin einen passenden Wein aus dem Sortiment von Weisbrod & Bath empfohlen bekommt. Eine interessante Spielerei, allerdings setzt sie voraus, dass man sehr zielsicher bei der Identifikation von Aromen ist, außerdem muss man Glück haben, dass der Lieferant die Weine in exakt derselben Weise klassifiziert hat. Insofern sollte man dieses unterhaltsame Feature vielleicht nicht zu ernst nehmen.

Und schön ist es dort ...

.. nicht nur die Weine sind ausgezeichnet, das Weingut liegt auch besonders schön und ist einen Besuch wert. Für Sportliche empfiehlt sich eine kleine Bergtour mit dem Rad nach Kapfenstein. Für österreichische Verhältnisse finde ich die Preise durchaus moderat.

Zum Weintest

Also das Weingut Winkler-Hermaden ist tatsächlich gut, allerdings haben sie die nicht wirklich typischen Weine des Betriebes getestet. Für die Steiermark sind ja eher Weinsorten wie Sauvignon-Blanc, Welschriesling, Morillon (Chardonnay) oder für die Region Klöch auch die Traminer typisch und bekannt. Und sowieso eher die Weißweine als die Roten. Warum sie da gerade zwei Rotweine und nur einen Weißwein getestet haben, verstehe ich nicht ganz. Aber vielleicht hat auch der zitierte Weinhändler seine Hände im Spiel gehabt.

Was die Preise betrifft, so kann ich ihnen nicht wirklich zustimmen. Ich schätze schon seit langem auch deutsche Weine und muß sagen, dass das Preisniveau in DE im Schnitt doch hübsch über AT liegen. Aber es freut mich zu hören, dass sie die Weine aus Österreich schätzen gelernt haben.

Schöne Grüße aus Wien
Robert Pillmeier

wir hatten schon die Hände im Spiel, aber...

Hallo,
es ist schon richtig, dass wir als die Weine anstellender Händler die Hände im Spiel hatten. Ich denke, das muß man auch nicht verschweigen, und das tut der Artikel ja auch nicht.
Aber das die Weine nicht typisch für den Betrieb sind ist nicht richtig. Die Weine sind nicht typisch für die Steiermark, das ist korrekt, aber für das Weingut Winkler-Hermaden allemal. Denn Winkler-Hermaden selbst ist ja nicht typisch für die Steiermark, weil das Weingut viel stärker auf Rotwein setzt, als andere Betriebe der Region, was man ja auch daran sieht, dass beide Flagschiffe des Weingutes, der Olivin und die Cuvée Hermada, Rotweine sind.
Und nicht nur das: Insgesamt wird bei Winkler-Hermaden mehr Rotwein als Weißwein produziert, wenn auch nur knapp. Ca. 51% der Produktion verfallen auf Rotwein, 49% auf Weißweine (inkl. eines kleinen Anteils an TBA und BA).
Und unter den Weißweinen wiederum ist der Grauburgunder der das Flagschiff.
So gesehen ist die getestete Auswahl schon repräsentativ und typisch für das Weingut.
Sicherlich, es werden auch die typischen steirischen Sorten Morillon, Sauvignon Blanc und Traminer produziert - letzterer mit Schwerpunkt beim Zweitgut von Winkler-Hermaden dem, früher gräflichen, Weingut Stürgkh in Klöch -, aber eben nicht so deutlich vorrangig wie bei anderen Gütern der Region.

Viele Grüße,
Torsten Schneider

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