Winzerporträt: Weingut Hummel in Malsch, Kraichgau (Baden)

Weingut Hummel in Malsch, Kraichgau (Baden)
Besucht man Bernd Hummel in seinem Weingut im verträumten Malsch, einem kleinen Weinort im nordbadischen Kraichgau, trifft man einen völlig entspannten Mann. Kein Wunder, ein Blick an die Wände des relativ kleinen, aber dafür hohen Verkaufsraums zeigt es schon: Bernd Hummel muss niemandem mehr etwas beweisen. Von der DLG über Mundus Vini, Feinschmecker und Weinwelt bis zu Gault Millau hat er so ziemlich von jedem, der in Sachen Wein etwas zu sagen hat, Lorbeeren eingeheimst. Das Team von Man kann's essen! hatte neulich das Vergnügen, den nordbadischen Starwinzer und seine Weine kennenzulernen. Mit dem Begriff Star wird ja im Zeitalter der Casting-Shows leider sehr inflationär umgegangen, im Falle von Bernd Hummel ist dieser Begriff allerdings absolut angebracht. Zum Beispiel hat niemand Geringeres als die FIFA eine nicht geringe Anzahl seiner Spätburgunder Auslese gekauft und in VIP-Lounges von Fußballstadien ausgeschenkt. Sogar George Bush sen. himself hat bei einem Besuch in Deutschland Hummel-Wein genossen. Und offenbar hat er ihm so gut geschmeckt, dass er später über seine deutsche Botschaft noch welchen nachgeordert hat. Bei so viel Glamour bekommt man als Weinamateur schon Respekt.
Bernd Hummel

Der entspannte Starwinzer

Ein Grund für das Renommee von Bernd Hummels Weinen ist sicherlich das außergewöhnliche Terroir der beiden Weinlagen Malscher Rotsteig und Malscher Ölbaum am Letzenberg, einer Erhebung am Oberrheingraben auf halber Höhe zwischen Mannheim und Karlsruhe. An den Südhängen des Letzenberges herrschen vergleichbare Bedingungen wie in Ihringen am Kaiserstuhl. Man könnte den Letzenberg den kleinen Kaiserstuhl nennen. Der andere Grund liegt zweifelsohne in der Person von Bernd Hummel selbst. Unterhält man sich mit ihm über die Details seiner Arbeit, bekommt man eine kleine Vorlesung in Lebensmittelchemie, Önologie, Geologie und Geographie zu hören. So ziemlich alle Regionen, in denen Wein angebaut wird, hat Hummel schon bereist, sogar solche, von denen man es gar nicht ahnt, wie z.B. Indien. Man kann also davon ausgehen, dass in Hummel-Weinen internationales Spitzen-Know-how steckt. Diese Exklusivität hat ihren Preis. Zwar bewertete der Gault Millau Weinguide 2005 schon Hummels „Schoppenwein“, einen Spätburgunder aus dem Litersortiment für 6,90 Euro pro Flasche, als besten deutschen Rotwein dieses Segments mit 85 Punkten (!). Eine Punktzahl, die sonst eher von Weinen mit deutlich zweistelligen Preisen erreicht wird. Wenn man sich aber in Hummels Verkaufsraum umsieht, merkt man schnell, dass auch die große Mehrzahl seiner Kreszenzen teilweise weit jenseits der Zehn-Euro-Marke liegt.
Auszeichnungen des Gault Millau

Auszeichnungen des Gault Millau

Bernd Hummel scheint das mit dem prämierten Einstiegswein eher peinlich zu sein, betont er doch ausdrücklich, dass man einen „richtig guten“ Wein nicht für unter 30 Euro die Flasche produzieren kann. Da zuckt man schon innerlich zusammen, hat man doch seine 10-Euro-Weine bisher immer sehr genossen. Dementsprechend spannend war denn auch das Öffnen der ersten Probeflasche, ein 2006er Spätburgunder Qualitätswein „S“ trocken Malscher Rotsteig Barrique, nach Hummelscher Lesart die Basiskategorie zu immerhin 9,50 €. Die Verkostung war dann schon beeindruckend: Ein eleganter, für badische Verhältnisse deutlich tanninbetonter Wein mit feinen, rauchigen Röstaromen von neuen, getoasteten Barriques. Man ist geneigt, der Fachzeitschrift WEINWELT recht zu geben, die schrieb, Hummels Rotweine hätten „französische Züge und man muss sie neben einen … Pommard stellen“ – immerhin einer der Premier-Cru-Rotweine des Burgund. Weiter ging es mit der nächsten Stufe, dem 2005er Spätburgunder Spätlese „R“ – das „R“ steht offiziell für die badische Variante des Reserva – für stolze 19 €. Bei der Bewertung war sich das Verkostungsteam uneins, die Mehrheit plädierte für intensivere Frucht und optimal abgerundetes Aroma, während dem Autor dieser Zeilen die Säure etwas zu dominant erschien. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Wein in der Vitrine

Ein hochwertiges Angebot

Ein erster Höhepunkt nahte, als Herr Hummel spontan und ohne mit der Wimper zu zucken eine Flasche aus dem Premium-Regal der Kategorie „Auslese RR“ öffnete und uns einschenkte. Für mich war es offen gesagt das erste Mal, dass ich einen Wein probierte, der mehr als 50 (!!) Euro die Flasche kostete. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Nebenbei erfuhren wir, dass Bernd Hummel durch kompromisslose Pflege im Weinberg bei seinen Spitzengewächsen den Ertrag auf bis zu 30 Hektoliter je Hektar reduzierte – ein Wert, der selbst Renommier-Weingütern im Bordeaux zur Ehre gereicht. Und dann passierte das, was ich immer für solche Momente vorausgeahnt und befürchtet hatte: Ich suchte, innerlich händeringend, nach den Unterschieden. Gut, die Säure war noch etwas besser ausbalanciert als bei der „R“-Version, die Frucht noch etwas eleganter, aber einen Wein dieser Kategorie hatte ich mir irgendwie spektakulärer vorgestellt. Das mag an meinen mangelnden Erfahrungen in diesem Segment liegen, andererseits haben mich bei den an einer Hand abzuzählenden Gelegenheiten der Vergangenheit andere Gewächse der 25-Euro-Klasse durchaus zu beeindrucken gewusst. Nun muss ich zwei Dinge dazu sagen. Erstens wird Bernd Hummel nicht müde, darauf hinzuweisen, dass seine großen Gewächse erst nach langer Reifezeit, teilweise erst nach zehn Jahren, ihre optimale Trinkreife erlangen. Einem Wein des Jahrgangs 2005 merkt man als Laie nur leider nicht an, wie er denn 2015 schmecken wird. Schon gar nicht, wenn man ihn aus der frisch geöffneten Flasche eingeschenkt bekommt. Und zweitens muss ich gestehen, dass ich Burgunderweine zwar respektiere und gelegentlich auch genieße. Allerdings zählen sie nicht zu meinen Favoriten. Was das angeht, bin ich ein bekennender Verehrer der Weine des Midi, allen voran denen aus der Syrah-Rebe. Doch meine Stunde sollte noch kommen, mehr dazu später.
Sektreifung

Sektrüttelgestelle

Als nächstes lud Herr Hummel uns zu einer Führung durch sein Weingut ein. Erste Station war der Raum mit den Rüttelgestellen für den Winzersekt, der bei Hummel streng nach der Methode Champenoise hergestellt wird. Das heißt, der Wein reift während seiner zweiten Gärung in der Flasche auf den Hefen, anschließend wird das Hefe-Depot von Hand durch ausgeklügeltes Klopfen und Drehen der kopfüber in den Rüttelgestellen steckenden, mit Kronkorken verschlossenen Flaschen in den Flaschenhals befördert, diese Prozedur ist zu Ausbildungszwecken präzise dokumentiert (siehe Foto). Von dort wird es dann am Schluss der Prozedur nach Schockgefrieren in einer speziellen Kühlflüssigkeit durch „Degorgieren“ (von franz. „degorger“ = reinigen, entleeren) entfernt. Anschließend wird die Flasche verkorkt.
Sektrüttelanleitung

Sektschüttelanleitung zu Ausbildungszwecken

Bei dieser Gelegenheit konnten wir feststellen, dass es zwischen den Winzern der Region nicht etwa nur Wettbewerb, sondern auch eine im wahrsten Sinne des Wortes fruchtbare Zusammenarbeit gibt. Das von uns kürzlich porträtierte Weingut Menges aus Rauenberg degorgiert nämlich seine Winzersekte mit eigener Mannschaft im Hause Hummel. Ein sehr sinnvolles Joint Venture, wie wir finden. Sodann konnten wir den hochtechnisierten Maschinenpark besichtigen, vollgestopft mit automatisch gesteuerten Stahltanks und einer pneumatischen Presse. Hier wurde deutlich, dass Hummel wirklich alle Register zieht und beim Keltern seiner Weine nichts dem Zufall überlässt.
Spätburgunder im Fass

Im Barrique-Keller

Schließlich betraten wir für das große Finale den Barrique-Keller. In dieser Saison war der Keller überschaubar, der Jahrgang 2009 lieferte wegen der starken Trockenheit im Sommer nur Volumina von 70% des Jahrgangsdurchschnitts und darunter. In ertragreicheren Jahren stapeln sich die Barriques in Hummels Keller auch schon mal in Zweier- und Dreier-Etagen. Dabei sprechen wir hier von echten Wertanlagen, kostet doch ein Barrique namhafter französischer Hersteller 6-800 Euro. Es gibt zwar mittlerweile auch Discounter-Angebote aus russischer Produktion, sie wurden von Herrn Hummel jedoch als qualitativ nicht ausreichend bewertet. Die dann folgenden Fassproben haben meinen Horizont als Weinschmecker wirklich erweitert. Ich hatte mich ja an dieser Stelle schon darüber mokiert, dass alle Welt heutzutage anfängt, Cabernet-Weine zu keltern, und dafür plädiert, man solle es doch die Leute machen lassen, die es können. Nun, was soll ich sagen: Bernd Hummel kann es ganz offensichtlich. Das Aroma nach schwarzen Johannisbeeren, das für die Cabernet so typisch ist, nahm einen so gefangen, dass man nicht anders konnte als beeindruckt zu sein.
Fassprobe

Fassprobe

Das ging dann gleich so weiter mit der nächsten Fassprobe, einem Syrah. Ich hatte schon recht abschreckende Beispiele badischen Syrahs gekostet, die Winzer hatten diese recht anspruchsvolle Rebe nicht wirklich in den Griff bekommen. Anders Bernd Hummel, ihm bereitet das offensichtlich keinerlei Probleme. Der gerade drei Monate alte Wein präsentierte sich mit einer Würze und Dichte, dass man meinen konnte, in einem Weinkeller des Midi zu stehen. Das Highlight war dann aber doch wieder eine bodenständige, lokale Sorte, nämlich der Schwarzriesling, in Frankreich Pinot Meunier (Müller-Pinot) genannt und eine der zugelassenen Rebsorten für die Champagner-Cuvée. Der Schwarzriesling gilt zwar als schlichter als die bekannten Edelreben Pinot Noir und Chardonnay, aber es kommt ja bekanntlich drauf an, was man draus macht. In Deutschland hat diese Rebe den Ruf, empfindlich und schwierig zu kultivieren zu sein, weshalb sich nur überschaubar viele Winzer auf dieses Wagnis einlassen. Nun bin ich immer auf der Suche nach Weinen jenseits des Mainstream, deshalb war der hummelsche Schwarzriesling genau mein Ding. Ich kann hier nicht genau beschreiben, wieso, ich weiß nur, dass dieser Wein trotz seiner Jugendlichkeit in Sachen Eleganz und Fruchtigkeit bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wenn er auf Flaschen gezogen und verfügbar ist, werde ich auf jeden Fall zuschlagen.

Fazit

Bei unserem Besuch wurde schnell deutlich, dass Bernd Hummel in einer Liga spielt, in der wir vom Man kann's essen!-Team uns sonst nicht tummeln, was Wein angeht. Seine Qualitäten als Winzer sind herausragend, die vielen Referenzen und Stammkunden sprechen eine klare Sprache. Interessant dabei ist, dass Hummel nach eigener Aussage 90 Prozent seiner Weine an Privatkunden verkauft, ein in seiner Kleinteiligkeit mühsames, aber auch ehrliches Geschäft, schließlich muss man dem Kunden dabei in die Augen sehen. Hummel lebt sehr konsequent nach dem Motto "Das Leben ist zu kurz, um schlechte Weine zu trinken". Das praktiziert er beruflich wie privat, er nennt eine Sammlung von ca. 2.000 hochwertigen Flaschen sein eigen. Hummel-Weine sind etwas für Liebhaber und Kenner, insbesondere wenn sie große, tanninbetonte Spätburgunder schätzen. Der größte Teil des Sortiments reißt leider eindeutig die Man kann's essen!-Preis-Schallmauer von 10 Euro. Ob das gerechtfertigt ist, mag jeder für sich entscheiden. Aber schon die für einstellige Preise erhältlichen Einstiegsweine sind einen Besuch bei Hummel wert. Wer dies nicht persönlich tun kann, für den gibt es unter www.weingut-hummel.de auch einen Online-Shop.

Winzer in Nordbaden

Haallo,
schön wäre eine Karte von Nordbaden - oder vielleicht ein Landschaftsfoto vom Letzenberg und Mannaberg. Hier sind nicht nur die Weine Spitzenklasse sondern auch die Landschaft.
Grüsse aus Rauenberg.

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