Winzerporträt: Weingut Menges in Rauenberg, Kraichgau (Baden)

Winzerporträt: Weingut Menges in Rauenberg, Baden

Das ZEIT-Magazin widmet sich in seiner 49. Ausgabe unter dem Titel Essen ist das neue Tanzen ganz dem Thema Genuss. Natürlich geht es auch um Wein. Unter Anderem erfährt man, dass in Deutschland nur jede sechste Flasche Wein direkt vom Winzer gekauft wird*).

Der Durchschnittsdeutsche dürfte vermutlich immer noch häufiger seinen Neuwagen als Selbstabholer direkt vom Werk in Empfang nehmen, als seine Nahrungsmittel beim Bio-Bauernhof zu kaufen. Wein wird ganz überwiegend im Supermarkt und beim Discounter gekauft, leider oft genug ohne das geringste Vorwissen über den Flascheninhalt.

Wir wollen zwar nicht behaupten, dass es auto-gut ist, Wein direkt beim Winzer zu kaufen. Auf jeden Fall aber ist es ein ganz spezielles Einkaufserlebnis, wenn man nicht nur die Ware, sondern auch den Produzenten vor dem Kauf persönlich kennenlernen kann. Deshalb haben wir beschlossen, für diese schöne, individuelle Einkaufsweise, und natürlich für die Produzenten guten Weines, in unserem Blog mit einer neuen Artikelserie etwas Werbung zu machen. Den Anfang machten wir mit unserem Besuch beim Weingut Menges in Rauenberg, Kraichgau (Baden). Selbstverständlich nicht ohne die Erzeugnisse genauer unter die Lupe zu nehmen.

Sebastian Menges

Der Junior-Chef Sebastian Menges

Empfangen wurden wir vom freundlichen und sympathischen Junior-Chef Sebastian Menges standesgemäß mit einem Glas Sekt aus eigener Produktion. Die schlicht Pinot genannte Cuvée von verschiedenen Weiß-, Grau- und Spätburgunderweinen der Kategorie extra trocken war mit ihrer Eleganz und feinen Fruchtigkeit die perfekte Einstimmung auf unseren Besuch.

Menges ist mit 6 ha bewirtschafteter Rebfläche und ca. 35.000 Flaschen pro Jahr ein relativ kleines Weingut. Es wird von Familie Menges mit drei Mann aus drei Generationen - Großvater Alfred, Vater Edwin und Sohn Sebastian - geführt. Parallel betreibt die Familie noch einen nicht gerade kleinen Gasthof, geleitet von Susanne Menges, und eine Weinstube mit Restaurant, wo Edwin Menges abends noch am Herd steht. Vor einem solchen Arbeitspensum kann man nur den Hut ziehen. Da ist es verständlich, dass die Weinstube mit ihrem gemütlichen, an schönen Sommertagen fast immer bis auf den letzten Platz belegten Innenhof, an Wochenenden, an Feiertagen und in den Schulferien geschlossen ist. Dafür kann man Wein bis abends um 22.00 Uhr einkaufen. Wer partout am Wochenende Menges-Wein trinken möchte, der geht ein paar Straßen weiter zum Hotel Winzerhof von Bruder Jürgen Menges, wo ebenfalls alle Produkte des Hauses im Ausschank und auf Anfrage auch im Verkauf sind.

Familie Menges bestreitet den gesamten Produktionsprozess von der Weinlese über die Abfüllung bis zur Vermarktung selbst und stellt sich damit ganz selbstbewusst der Konkurrenz zum benachbarten Winzerkeller Wiesloch, der von zehn Kraichgauer Winzergenossenschaften betrieben wird und Weine von mehr als dem Hundertfachen der Mengesschen Rebfläche im Angebot hat. Nur beim Brennen der Obstschnäpse und des Tresterbrandes, der übrigens im Holzfass ausgebaut wird, lässt man sich unter die Arme greifen.

Das Angebot verteilt sich, für die Region typisch, auf zahlreiche verschiedene Rebsorten, darunter sieben Weiß- und fünf Rotweinsorten. Und das sind nur die, die auf der Preisliste auftauchen. Neben den für deutsche Weine typischen sortenreinen Abfüllungen gibt es nämlich noch einige sehr spannende, innovative Cuvées, in denen weitere Rebsorten zum Einsatz kommen. Dazu drei verschiedene Winzersekte und, als wäre das noch nicht abwechslungsreich genug, sogar ein wirklich delikater Balsamico-Essig.

Staubige Flaschen im Weinkeller

Die Jahrgangsreserve

Beim Besichtigen des Weinguts wird deutlich, was das Erfolgsrezept von Menges ist: Kompromisslose Qualität und Innovation. Durch einen effizienten Mix von langjähriger Erfahrung und Tradition mit moderner Technologie und kreativen Produkten schafft es das Menges-Trio, sich am umkämpften Weinmarkt zu behaupten. Dabei gibt es dann auch schon mal Diskussionen, ob zwei Stunden Arbeit nun besser in die Webpräsenz des Gutes oder im Keller investiert sind. Aber ohne Marketing verkauft sich nun mal der beste Wein nicht, und wenn Menges keine Webpräsenz hätte, könnten wir dieses Blog schließlich so gar nicht schreiben.

Die Preisliste stellt dankenswerterweise hilfreiche Informationen über Säure- und Zuckergehalt der angebotenen Weine bereit. Sie zeigt, dass das Menges-Sortiment neben den klassischen, bei traditionellen "Vierteleschlotzern" immer noch beliebten halbtrockenen Schoppenweinen auch trockene Weine mit Restzucker im Zehntelgrammbereich umfasst.

Schon die Einstiegsweine im Litersortiment aus den Rebsorten Silvaner, Portugieser und Spätburgunder sind zwar leichte, aber nicht unbedingt süffige, sondern eher knackig-frische Weine, die, so verrät Sebastian Menges augenzwinkernd, nur deshalb keine QbA-Weine sind, weil ihm die Zertifizierung zu lange gedauert hätte und er sie so schneller verkaufen kann. Auch die immer mehr in Mode kommenden internationalen Sorten Sauvignon und Chardonnay sind vertreten. Die Sauvignon hat Menges über zehn Jahre im Versuchsanbau kultiviert, eher er sie 2006 offiziell zuließ.

Die Preisgestaltung des Angebots kann man nur als fair bezeichnen, das gilt für die gesamte Produktpalette. Der Anspruch von Familie Menges ist es, auch in der Preisklasse fünf Euro pro Flasche einen qualitativ anspruchsvollen Wein anzubieten. Womit sie hervorragend in das Konzept von mankannsessen passen.

Detaillierte Beschreibungen und Bewertungen einiger Menges-Weine findet man auf dem Portal wein-plus.de, diese sind allerdings nur Abonnenten zugänglich.

Cuvée Sebastian

Die Kreation des jungen Meisters

Der erste Wein, den wir verkosten konnten, ist unter der Federführung des jungen Meisters entstanden und trägt deshalb auch seinen Namen. Die Cuvée Sebastian ist ein umwerfend duftiger, spritzig-leichter Weißwein mit knackigen 7,1 g Säure und nur 0,6 g Restzucker auf den Liter. Das Bouquet duftet verführerisch nach Frühlingsblumen - ich meinte, Maiglöckchen zu riechen. Die Zusammensetzung der Cuvée zu erraten, dürfte auch einem versierten Weinschmecker kaum gelingen: Es sind Muskateller, Riesling und Sauvignon! Wer jetzt noch nicht neugierig auf die Weine von Menges geworden ist, dem ist nicht zu helfen.

Weißer Burgunder

Weißer Burgunder Spätlese Barrique 2008

Der dann folgende Wein war ein Kracher und der Beweis, dass Menges auch auf Modetrends professionelle Antworten parat hat: Ein Weißer Burgunder Spätlese Barrique 2008. Mit Barrique-Weißweinen habe ich in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen gemacht, viele Winzer pflegen immer noch den Anfang der Neunziger in Mode gekommenen brachialen Typ des schweren, mit Vanille-Aromen überladenen Neue-Welt-Weins, den ich höchstens zu einem scharf gewürzten Thai-Curry trinken würde. Hier aber haben wir es mit einem fein ausbalancierten, rassigen Gewächs aus der Nobellage Rauenberger Burggraf zu tun, bei dem das Barrique sehr subtil integriert ist und diesem Tropfen höchste Eleganz verleiht. Die Preisgestaltung ist mit 12,50 Euro pro Flasche recht selbstbewusst. Ich habe trotzdem eine Kiste mit nach Hause genommen.

Barrique

Ein Barrique aus französischer Eiche

Dann wurde es richtig spannend: Für mich zum ersten Mal konnten wir neuen Wein direkt aus dem Fass probieren. Hierzu kommt eine überdimensionale Pipette zum Einsatz, mit der der Wein durch eine kleine Öffnung dem Fass entnommen und dann direkt in die Probiergläser gefüllt wird.

Fassprobe

Ein aufregender Moment: Die Fassprobe

Das Ergebnis war abermals eine Überraschung: Wir hatten einen St. Laurent Rosé 2009 vor uns. Roséweine kommen in Deutschland ja nach wie vor meistens als süffiger Weißherbst daher, den man zwar gut auf der Terrasse "schlotzen" kann, der aber gehobenen Ansprüchen oft nicht standhält. Wenn ein deutscher Winzer seinen Wein Rosé nennt und ihn dann noch in kleinen Eichenfässern reifen lässt, darf man auf einen gewissen Qualitätsanspruch schließen. Und richtig: Dieser Wein war, obwohl noch mitten in den Entwicklung, von begeisternder Fruchtigkeit und Frische. Da es sich um ein älteres, ungetoastetes Barrique handelte, war auch nichts von Holz oder Vanille zu spüren, es sorgte hier vielmehr für ein weiches, rundes Aroma. Ich warte schon jetzt gespannt auf die Abfüllung. Wann die ist, wird hier nicht verraten, nachher bekomme ich keinen mehr ...

Fassprobe

Der St. Laurent Rosé 2009

Den Abschluss bildete eine zweite Fassprobe, diesmal eine Rotwein-Cuvée. Cuvées werden bei Menges traditionell mit den Vornamen von Familienmitgliedern getauft. Senior Alfred gab dieser Cuvée aus Dornfelder und Portugieser seinen Namen. Das Bouquet kam noch etwas ruppig daher, aber der kirschige Geschmack ließ schon etwas von dem leichten, aromatischen Roten ahnen, der es mal werden sollte.

Etikettiermaschine

Weingut Menges füllt selbst ab

Neue Flaschen

Wie schon gesagt wurde, füllt Weingut Menges seinen Wein selbst ab und vermarket ihn auch in der hauseigenen Probierstube und dank Junior Sebastian auch im Internet. Einen Webshop gibt es zwar nicht, aber dafür findet man auf der Mengesschen Homepage nicht nur Telefon, Fax und E-Mail, sondern sogar die Handynummern von Sebastian und Edwin Menges. Das Telefon bedient auch den Gasthof der Familie und ist von 6 bis 23 Uhr besetzt. Wer also Menges-Wein kaufen möchte, wird garantiert einen Weg finden. Für den, der ganz konventionell vorbeifahren möchte, hier eine navi-fähige Adresse: Hotel Restaurant Gutshof GmbH, Suttenweg 1, 69231 Rauenberg.

*) Eine Anmerkung zu den im Artikel des ZEIT-Magazins getätigten Äußerungen über das angeblich überlegene Geschmacksvermögen von Frauen kann ich mir nicht verkneifen: Ich freue mich, dass immer mehr selbstbewusste Frauen im Winzerberuf erfolgreich sind. Mir ist es aber relativ egal, ob ein guter Wein von einem Winzer oder einer Winzerin gekeltert wurde. Die im Artikel gepflegte Selbstdarstellung finde ich deshalb etwas überheblich.

Liebe Weinnase, Ich danke für

Liebe Weinnase,
Ich danke für den und gratuliere zu dem sehr gut geschriebenen und fotografisch gekonnt dokumentierten Bericht, eine Freude. Was für ein Unterschied im Ertrag zum Red Mountain Weingut im fast tropischen Myanmar, wo es keine Winterruhe für die Reben gibt, die aus 75 ha Rebland mit je 5500 Rebstöcken pro Hektare nur 90'000 Flaschen erzeugen.
Gruss vom Hochrhein, Erich

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