Gehoben, aber nicht abgehoben

Ein deutscher Brunello: 2008 "Cuvée Andrea" Rotwein trocken Barrique, Frank Schiele (Rauenberg, Baden)

Cuvée Andrea

Der deutsche Weinbau erfährt im Moment eine radikale Modernisierung, keine Frage. Dieser Prozess ist zwar schon längere Zeit im Gange, aber gerade die teilweise sensationellen Ergebnisse der jüngsten Zeit erschienen bis vor zehn Jahren nicht vorstellbar, insbesondere im Bereich der Rotweine.

Nun wird die Fachpresse ja nicht müde, das dem Klimawandel zuzuschreiben. Für mich ein klarer Fall von Quotenschinderei, Klimawandel verkauft sich halt gut. In Wahrheit ist es viel einfacher: Erstens gibt es mittlerweile eine große Nachfrage nach hochwertigen deutschen Rotweinen, und zweitens beherrschen immer mehr deutsche Winzer dieses Handwerk, das sie sich zunehmend von ihren Kollegen aus Südeuropa und Übersee abschauen. Dabei kommen neben interessanten Cuvées heimischer Rotweinsorten auch immer öfter die international verbreiteten und nachgefragten Edelreben Cabernet-Sauvignon, Merlot oder Syrah/Shiraz zum Einsatz. Das Ergebnis sind Rotweine, die man ohne Weiteres neben die großen Weine aus dem Burgund, dem Bordelais, der Toskana, Coonawarra oder dem Napa Valley stellen kann.

Ein besonders mutiger Vertreter der modernen deutschen Winzerzunft ist Frank Schiele aus Rauenberg im badischen Kraichgau. Bei mankannsessen.de ist er kein Unbekannter, wir widmeten ihm unser letztes Winzerporträt. Schiele musste keine Traditionen über Bord werfen, er ist erst seit 2006 Winzer und konnte somit ganz unbelastet loslegen. Bei seinen Rotweinen setzt er kompromisslos auf Cabernet-Sauvignon und Merlot, die heimischen Weinparzellen wurden dafür neu bestockt. Der einzige Traditionswein im Sortiment ist ein Spätburgunder.

Sein Flaggschiff, die "Cuvée Andrea" Rotwein trocken Barrique, möchte ich heute vorstellen und allen ans Herz legen, die für die Festtage oder den Jahreswechsel noch nach einem außergewöhnlichen Wein suchen. Dass ein solcher Rotwein in Deutschland möglich ist - man muss ihn probiert haben, um es zu glauben. Er hat wahrhaft südländisches Flair, von der Charakteristik her ist es für mich ein deutscher Brunello.

Die Parker-Aldi-Weinverlade: Azumbre Verdejo Rueda 2010 von Aldi-Süd

Azumbre Verdejo Rueda 2010 von Aldi-Süd

Eigentlich sollte es halbwegs intelligente Menschen auszeichnen, dass sie einen Fehler nur einmal machen. Leider ist da oft die Gier davor. Azumbre Verdejo Rueda 2010 - ein spanischer Rueda mit 90 Parker-Punkten aus 80-jährigen Reben für 4,99 Euro? Da muss man doch dabei sein. Eigentlich musste ich ja schon oft genug erleben, dass Aldi bei seinen zusammen-gecasteten, auf edel getrimmten vergorenen Traubensäften hemmungsloses Overselling betreibt. Ich hätte es also besser wissen müssen.

Eine kleine Recherche über diesen Wein fördert erstaunliche Informationen zutage. Offenbar stellt das Verkostungsteam von Parker überhaupt nicht sicher, dass ein mit Parker-Punkten beworbener und vertriebener Wein mit dem verkosteten identisch ist. Die Fachzeitschrift Weinwirtschaft schreibt in ihrer Ausgabe vom 15. Dezember, dass der Azumbre Verdejo bereits im April von einem Mitarbeiter des Parker-Teams verkostet, aber erst im Herbst abgefüllt wurde. Offenbar interessiert es Parker wenig, was mit den von ihnen verkosteten Weinen hinterher geschieht. Es sieht ganz so aus, als wankt hier gerade ein Mythos. Mehr Dreistigkeiten und Details zum Wein im Artikel.

Tue Gutes und trink dir einen: Spirit of Africa Badischer Rotwein Cuvée

Spirit of Africa

Zu Weihnachten werden ja allerorten Spenden gesammelt, auf mal mehr, mal weniger originelle Weise. Außer einem guten Gewissen hat man selber davon meist allenfalls einen kleinen Steuervorteil, wenn überhaupt. Ich möchte deshalb heute einen Weg vorstellen, wie man gleichzeitig anderen und sich selbst Gutes tun kann, indem ich den wohl ersten Benefiz-Wein überhaupt vorstelle: Den Spirit of Africa Badischer Rotwein Cuvée.

Die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf dieses Weines geht nämlich an den Verein SupEdu e.V. Support & Education for a better world, dessen Ziel es ist, Kindern in aller Welt zu ihren Grundrechten, speziell Bildung, angemessene Ernährung und gesundheitliche Versorgung, zu verhelfen. Derzeitiger Schwerpunkt der Vereinsaktivität ist Kenia, wo man sich um Schul- und Waisenkinder kümmert. Mehr zum Wein im Artikel.

Zeuge einer Verwandlung: Montes Alpha Cabernet Sauvignon 1997

Montes Alpha Cabernet Sauvignon 1997

Montes Alpha ist nicht irgendein Wein, sondern der erste exportierte Premiumwein Chiles und das Flaggschiff von Aurelio Montes, dem chilenischen Weinpionier und bekennenden Qualitätsfanatiker. Montes überlässt bei seinen Premium-Weinen nichts dem Zufall, beispielsweise lässt er die Trauben aus seinen Top-Lagen nur nachts lesen, in seiner Kellerei gibt es keine Pumpen, alles läuft per Schwerkraft. Sein Cabernet Sauvignon ist streng genommen eine Cuvée mit einem Achtel Merlot, was laut chilenischem Weingesetz erlaubt ist. Dem Wein schadet das nicht, es rückt ihn um so mehr in die Nähe der Bordeaux Grand Crus. Doch der Reihe nach.

Dieser Wein war ein Geschenk der Familie. Er hatte ein versprochenes Lagerpotenzial bis 2017. Leider wurde er in Ermangelung geeigneter Räumlichkeiten über mindestens 10 Jahre bei Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad gelagert, im Sommer auch darüber. Deshalb hatte ich zunehmend Sorge, den Höhepunkt in der Entwicklung des Weins zu verpassen, und habe ihn am vergangenen Wochenende geöffnet. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Der letzte Rosé: La Bastide St. Dominique Pays de Méditerranée 2010

La Bastide St. Dominique Pays de Méditeranée

Die Zeiten für Schönwetter-Wein dürften seit gestern erst mal vorbei sein. Widmen wir also diesen Beitrag einer Reminiszenz an den goldenen Oktober, indem wir meinen Neuerwerb verkosten, den Pays de Méditeranée 2010 Rosé meines südfranzösischen Lieblings-Châteaus La Bastide St. Dominique.

Das Château ist normalerweise renommiert für seine hochkonzentrierten aromatischen Weine der Appellations Contrôlée Côtes-du-Rhône- und Châteauneuf-du-Pape. Der hier präsentierte, als Landwein der geschützten Herkunftsbezeichnung Pays de Méditerranée klassifizierte Rosé des Jahrgangs 2010 ist sozusagen der Einsteigerwein im Rosésegment von La Bastide. Das lässt aufhorchen, denn für weniger als fünf Euro wird hier eine Qualität geliefert, die ihresgleichen sucht.

Auf den Indian Summer! Badischer Sekt Pinot Noir Rosé Winzerkeller Wiesloch 2009

Winzersekt Pinot Noir Rosé

Es gibt offenbar auch beim Wetter so etwas wie Gerechtigkeit, zumindest kann man den aktuellen zauberhaften Indian Summer durchaus als Kompensation für den miserablen Sommer betrachten. Und dann auch noch an einem verlängerten Wochenende - was will man mehr? Da kann es schon passieren, dass man auf der Terrasse spontan Lust auf etwas Spritziges bekommt.

Glücklicherweise hatte ich für diesen Fall vorgesorgt. Bei mir im Kühlschrank befand sich noch ein Fläschchen badischer Rosé-Sekt des Jahrgangs 2009 des Winzerkellers Wiesloch, den ich eigentlich für einen lauen Sommerabend angeschafft hatte.

Terrassenwein für den Spätsommer: Ducourt La Rose du Pin 2010 Rosé Weinschlauch 5 l

Ducourt La Rose du Pin 2010 Rosé Weinschlauch

Wenn es gut läuft, gibt der Sommer am kommenden Wochenende noch mal alles, zumindest wenn man das Glück hat, im Südwesten der Republik zu wohnen. Eine gute Gelegenheit also, sich doch noch einen Rosé-Weinschlauch für die Terrasse zuzulegen. Mein bevorzugter Weinschlauch-Lieferant ist nach wie vor Jacques' Weindepot, kaum irgendwo ist die Auswahl größer und die Qualität vergleichbar hoch. Der sonst immer von mir bevorzugte Marrenon fiel allerdings diesmal gnadenlos durch: Der 2010er Jahrgang ist leider arg blass, flach und irgendwie nichtssagend geraten. Also etwas tiefer ins Portmonee gegriffen und sich einen Bordeaux Rosé gegönnt.

Na geht doch: Wolfberger Crémant d'Alsace Blanc de Noirs

Wolfberger Crémant d'Alsace Blanc de Noirs

Man soll sich immer auf seine Stärken konzentrieren, sagt eine Weisheit. Im Falle der Winzergenossenschaft Wolfberger liegt die Stärke klar in der Produktion eleganter Crémants. Die unter derselben Marke erhältlichen Weißweine haben, wie hier getestet, dagegen anscheinend eher schwankende Qualität. Eigentlich erstaunlich, da die Qualität eines Crémants ja wesentlich durch den verwendeten Wein bestimmt wird. Nehmen wir halt mal an, dass die Winzer von Wolfberger bei der Produktion des Pinot gris 2008 einen schlechten Tag hatten. Der diesmal getestete Wolfberger Crémant d'Alsace Blanc de Noirs brut ist jedenfalls über jeden Zweifel erhaben.

Versprechen nicht gehalten: Wolfberger Pinot Gris 2008 Rèserve Particulière

Wolfberger Pinot Gris 2008

Eine Marke ist ein Qualitätsversprechen, lernt man als Marketing-Student im ersten Semester. Und Wolfberger ist eine Marke für elsässischen Wein, die Genossenschaft aus Eguisheim in der Nähe des hübschen Städtchens Colmar produziert etwa 10% allen elsässischen Weins.

Bei großen Winzergenossenschaften bin ich normalerweise skeptisch, was die Qualität angeht. Mein Eindruck ist, dass einige eher ihren Umsatzzielen die höchste Priorität einräumen. Wolfberger hatte mich da kürzlich mit ihrem eleganten, knackigen Crémant d'Alsace brut angenehm überrascht. Deshalb griff ich bei meinem letzten Einkauf in Frankreich auch gern zum Wolfberger Pinot Gris 2008 Rèserve Particulière, im Sonderangebot für 4,99 Euro. Auch, da die goldene Banderole prämierte Qualität signalisierte.

Um es vorwegzunehmen: In diesem Fall hat die Marke ihr Qualitätsversprechen leider nicht gehalten.

Außer Konkurrenz: Dr. Benz Résumé 2007

Dr. Benz Résumé 2007

Über geschenkte Weine blogge ich am liebsten. Das ist Genuss ohne Reue. Man kann sich voll auf den Wein konzentrieren, ohne sich Gedanken über das Investment zu machen. Schmeckt er, ist die Freude doppelt groß, und man denkt dankbar an den Schenker zurück. Schmeckt er nicht - egal, dann hat man wenigstens kein Geld verschwendet. Es mag ja auch gute Freunde geben, die sich nicht mit Wein auskennen.

Beim Dr. Benz Résumé 2007 stellte sich die Frage "schmeckt oder nicht" glücklicherweise nicht. Wohl dem, der gute Freunde oder nette Verwandte hat, die zum Lager der Connaisseure zählen. Der Résumé 2007 ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Regent und stammt nicht aus Frankreich, sondern aus dem südbadischen Kenzingen-Bombach. Das macht neugierig, und das völlig zu Recht.