Gehoben, aber nicht abgehoben

Vi de la terra Mallorca: Mortitx Negre Anyada 2008

Mortitx Negre Anyada

Kein Schreibfehler: Dieser Wein heißt wirklich so, und auch die Schreibweise des Weinguts ist korrekt. Er hat ein zweisprachiges Etikett, auf spanisch und in einer Sprache, die, soweit ich das beurteilen kann, Mallorquinisch sein muss. Genau weiß ich es leider nicht, denn selbst das Wiktionary ist da überfordert. Aber "Vi" muss mallorquinisch für Vino sein, so viel ist wohl klar. Wieder was gelernt.

Nein, ich war nicht im Urlaub auf Mallorca. Nicht, dass das eine Schande wäre. Aber dieser Wein ist kein Urlaubs-Mitbringsel. Und dass es auf Mallorca mehr gibt als den Ballermann, ist mittlerweile auch allgemein bekannt. Im Ballermann jedenfalls dürfte man diesen Wein nicht serviert bekommen.

Zeit für das Besondere: 2009 Villa Tabernus Cuvée weiß (Pfalz) 3 Liter Weinschlauch

2009 Villa Tabernus Cuvée weiß

Regelmäßige Besucher von Jacques' Weindepot kennen vielleicht schon Villa Tabernus, einen Zusammenschluss von vier ehrgeizigen Pfälzer Winzern aus Bad Bergzabern von der Südlichen Weinstraße. Die vier Herren haben sich zum Ziel gesetzt, modernstes Weinbau-Know-How mit mehr als 500 Jahren Weinbautradition zu vereinen.

Ihre Website bietet leider nicht wirklich hilfreiche Informationen über das, was sie so treiben, da wird man bei Jacques besser bedient. Wirklich überzeugend ist dagegen die Verkostung ihrer Produkte an der Probiertheke von Jacques. Ihr 2009 Villa Tabernus Cuvée weiß ist ein modernes und ansprechendes Produkt deutscher Weinbaukunst

Basis dieser überaus unkonventionellen Cuvée sind die Rebsorten Riesling, Weißburgunder und Müller-Thurgau (sic!). Der 3-Liter-Weinschlauch liefert dazu eine ebenso moderne wie effiziente Verpackung, die nebenbei auch noch wirklich ästhetisch daherkommt. Dabei hat dieser frische Tropfen Effekthascherei gar nicht nötig.

Frankenwein einmal anders: Frank & Frei 2009

Frank & Frei 2009

Fränkischer Müller-Thurgau im Bocksbeutel, möglichst noch mit verschnörkelter Schrift und bräunlichem Etikett, das war jahrezehntelang ein Monument deutscher Weinbau-Tradition. Frankenweine hatten zwar bei Kennern schon immer einen guten Ruf, weil sie auch in der Phase, als deutscher Wein wie Limonade schmeckte, immer trocken - der ungeübte Weintrinker sagt "sauer" - gewesen sind. Als Kultwein taugten sie jedoch nie, dafür war ihr Image viel zu konservativ.

Dazu kam: Wer etwas auf sich hielt, trank lange Zeit lieber "Pinno gritschio", Prosecco oder eben Riesling, aber auf gar keinen Fall Müller-Thurgau. Diese Rebsorte ist das Synonym für deutschen Schlotzerwein. Wikipedia charakterisiert sie treffend als anspruchslos, kaum ausbaufähig und als Lieferant großer Erntemengen für Massenweine. Auch das jüngst erfolgte Re-Branding als "Rivaner" änderte daran nicht sonderlich viel.

Siebzehn befreundete Winzerinnen und Winzer aus Franken wollten das nicht auf sich sitzen lassen und ließen bei ihrem Projekt keinen Stein auf dem anderen, die traditionelle Müller-Thurgau-Rebe wurde sozusagen völlig neu eingekleidet. Nicht Bocksbeutel, sondern Bordeauxflasche. Kein Korken, sondern Drehverschluss. Keine Schörkel auf dem Etikett, sondern ein puristisches Logo auf modernem, rostrotem Hintergrund. Und in der Flasche kein "saurer" Wein, sondern eine faustdicke Überraschung. Wer diesen Wein kostet, nimmt an einem aufregenden Modernisierungs-Experiment teil.

Rarität: Weinbau Pavillon Gundelsheimer Himmelreich Urban 2003

Pavillon Urban

Wer eine Flasche des heute verkosteten Weins besitzt, darf sich glücklich schätzen, denn er hat eine absolute Rarität im Keller. Der Gundelsheimer Himmelreich ist nämlich aus der Rebsorte Urban gekeltert. Urban? Rebsorte? Ja, manche Entdeckungen sind so ungewöhnlich, dass es selbst im Internet kaum Informationen darüber gibt. Die Rebsorte Blauer Urban war früher in Südeuropa sehr verbreitet, wurde aber vor ca. 100 Jahren zugunsten von Trollinger und Lemberger fast ausgerottet.

In Deutschland gibt es heute fast nur noch Versuchsanbau. Einer dieser experimentierfreudigen Winzer ist Norbert Greiß, Besitzer des Weinguts Pavillon in Gundelsheim, Württemberg und Fan des naturnahen Weinbaus. Er entdeckte Ende der neunzehnhundertneunziger Jahre in einer Parzelle seiner Weinberge Rebstöcke, die er keiner der ihm bekannten Rebsorten zuordnen konnte. Das Gutachten eines Önologen ergab zweifelsfrei, dass es sich dabei um Blauen Urban handelte. Greiß war sofort hellauf begeistert und begann mit dem Experimentieren. Das war gar nicht einfach, schließlich gab es so gut wie keine Erfahrungen mehr im An- und Ausbau dieser Rebsorte. Der hier vorgestellte Wein ist das Ergebnis von fünf geduldigen Jahren Versuchsanbau. Der im Holzfass ausgebaute 2003er profitierte dabei besonders von den Ausnahmebedingungen des Jahrhundertsommers.

Weinrallye #34: Wein und Knabberei - Menges Sarah's Secco mit "Nice Things"

Weinrallye #34: Wein und Knabberei
Weinrallye

Das Thema der Weinrallye Nr. 34, Wein und Knabberei, liefert mir einen willkommenen Anlass, endlich einmal unseren Standardsnack zum Begrüßungssekt zu bloggen: Räucherforellenmousse auf Pumper-nickel. Da der Name dieser kleinen Köstlichkeit etwas länglich ist, nannte sie ein guter Freund britischer Herkunft, der sie seinerzeit bei Alfred Biolek entdeckt hat, schlicht "Nice Things". Dazu gibt's diesmal einen ebenso exotischen wie delikaten Schaumwein: Sarah's Secco vom hier mittlerweile gut eingeführten Weingut Menges.

Portugiesischer Prosecco: Vinho Verde Encostas da Maia Branco und Vinho Verde Guimaraes Rosé 2009

Vinho Verde

Mal ehrlich: Prosecco hat irgendwie was Versnobtes, spätestens seit dem Bully-Herbig-Film Der Schuh des Manitu, in dem Abahachis schwuler Zwillingsbruder Winnetouch bei jeder Gelegenheit mitten in der Prärie Prosecco schlürfen muss. Für mich ist Prosecco ein bisschen das Getränk der Wannabes und oft genug von trauriger Qualität, wirklich stilsichere Menschen trinken Winzersekt, Crémant oder eben Champagner.

Wie gut für Individualisten, dass es weitere Alternativen mit einem erstaunlichen Preis-Leistungs-Verhältnis gibt. Das Land der Wein-Geheimtipps Portugal hat auch hier was Passendes auf Lager, nämlich den Vinho Verde. Das ist nicht etwa "grüner Wein", und hat auch mit Grünem Veltliner nichts zu tun. Vielmehr stammt Vinho Verde aus dem Norden Portugals, wo das Klima für eine flächendeckend grüne Vegetation sorgt, wie Wikipedia weiß. "Grün" steht hier eher für "jung".

Der Wein von dort hat einen leichten, spritzigen Charakter und moussiert leicht, die natürliche Kohlensäure entsteht beim biologischen Säureabbau. Damit bietet der Vinho Verde in Sachen Leichtigkeit, Fruchtigkeit und Mundgefühl alles, was ein Prosecco hat, dazu ist er natürlich viel exklusiver - wenn man einem Prosecco-Schlotzer mal so richtig eins auswischen will. Ich habe mir zwei Vinho Verdes genauer angeschaut und natürlich probiert: Den Encostas da Maia Branco (weiß) und den Guimaraes Rosé, beide Jahrgang 2009.

Terrassenwein spezial: Menges St. Laurent Rosé "Aira" trocken 2009

Menges St. Laurent Rosé Aira

Viele Gelegenheiten für Terrassenweine gab es diesen Frühling ja noch nicht, aber noch ist es wohl zu früh, die Hoffnung aufzugeben. Mein Klassiker unter den Terrassenweinen ist ein leichter, fruchtiger Rosé, er passt für mich am besten zu lauen Frühlings- oder Sommerabenden im Freien.

Bei unserem Besuch im Weingut Menges letzten Herbst konnten wir bei einer Fassprobe einen Rosé probieren, der mir so gut gefiel, dass ich mir damals genau den Abfülltermin gemerkt habe. Neulich war es endlich so weit: Der Menges St. Laurent Rosé "Aira" 2009 Qualitätswein mit Prädikat trocken, eine Rarität im badischen Weinbau, kam endlich in den Vertrieb. Ich wollte den Verkaufsstart um keinen Preis verpassen und war ziemlich früh dran, der Wein war zwar schon abgefüllt, aber noch nicht etikettiert.

Sebastian Menges ließ es sich aber nicht nehmen, extra für mich sechs Flaschen mit einem Spezialetikett zu versehen, wie man auf dem Foto erkennen kann. "Aira" hieß er da noch nicht, und warum er so heißt, muss ich noch herausfinden. Die Begriffsdefinitionen, die man im Internet findet (ein argentinischer Schriftsteller, eine westäthiopische Stadt, der okzitanische Begriff für Gelände ...) passen alle irgendwie nicht. Hier schuldet mir Herr Menges noch Feedback.

Junger Portugieser: Villa Romanu tinto 2008

Vlila Romanu 2008

Der Villa Romanu tinto 2008 ist in jeder Hinsicht ein bemerkenswerter Wein. Zunächst ist er ein Repräsentant des modernen portugiesischen Weinbaus. Gekeltert im Weingut Herdade de Perdigão, ist er eine gelungene Cuvée der einheimischen Reben Trincadeira und Aragonez (Tempranillo) mit der internationalen Cabernet. Er ist aber auch ein überaus eleganter Vertreter des modernen jungen Weins, der trotz seines jugendlichen Alters erstaunlich viel Rückgrat aufweist. Auch dieser Wein wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Online-Shop für portugiesische Wein O Vinho.

Weinvergleichstest Teil 5: Österreichische Weine

Österreichische Weine

Österreichische Weine sind im Kommen, kein Zweifel. Ich erinnere mich noch gut an eine Blindverkostung internationaler großer Gewächse, die ein Gourmetmagazin (ich meine, es war der Feinschmecker) vor einiger Zeit durchgeführt hat. Was ich noch genau weiß: Unter den ersten zehn Weinen waren, zur Überraschung aller und zum Entsetzen einiger prominenter Weingüter, vier Österreicher. Ein guter Anlass, sich österreichische Weine einmal genauer anzuschauen. Freundlich unterstützt wurden wir dabei durch den Online-Weinshop Weisbrod & Bath, der uns die Testkandidaten auswählte und zur Verfügung stellte.

Fantastisch zu Fisch mit Fenchel: De Martino Estate Sauvignon blanc 2009

De Martino Estate Sauvignon blanc 2009

Da mankannsessen mittlerweile berühmt ist für seine Fischgerichte, soll heute hier ein klassischer Begleiter zu Fisch vorgestellt werden: Ein Weißwein aus der Sauvignon-Rebe, in diesem Fall der De Martino Estate Sauvignon blanc 2009 aus dem Maipo Valley in Chile.

Die Sauvignon Blanc ist eine sehr alte Rebsorte aus Frankreich, gleichzeitig ist sie eine der populärsten weltweit verbreiteten Edelreben, sie ist die zweitwichtigste weiße Rebe nach Chardonnay. Damit ist sie so etwas wie das Weißwein-Pendant zur Cabernet Sauvignon. Die Namensähnlichkeit ist dabei offenbar kein Zufall, Wikipedia weiß zu berichten, dass die Cabernet Sauvignon aus einer natürlichen Kreuzung von Sauvignon und Cabernet Franc entstanden sein soll.