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Zum Feste nur das Beste: Der Wein zum Weihnachtsmenü

von weinnase
08. Dezember 2012

Der Wein zum Festmenü 2012
Ein festliches Dinner wird erst durch passende Weine eine runde Sache. Unser Sponsor Solvino war wie auch letztes Jahr wieder so nett, uns ebensolche zu unserem Weihnachtsmenü zur Verfügung zu stellen. Die waren mal wieder etwas kostspieliger, aber einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul, pardon auf den Preis. Und zu Weihnachten darf es ja gern mal etwas mehr sein, deshalb heben wir zum Fest der Feste traditionell die Zehn-Euro-Grenze bei Weinempfehlungen auf. Das ist schon deshalb sinnvoll, weil das Niveau der diese Woche vorgestellten Rezepte hochwertige Weine quasi erforderlich macht, um kulinarisch auf Augenhöhe zu bleiben. Dieses Mal durften wir uns an folgenden kostbaren Tropfen erfreuen:

  • Ambrosia Chardonnay Barrique 2009, Aloisiushof, St. Martin, Pfalz
  • Rioja Luis Canas Reserva Seleccion de la Familie 2005
  • Riesling Auslese Steinbuckel 2009 von Philipp Kuhn, Laumersheim, Pfalz

Den Anfang zu unserer Vorspeise Gewürzgarnelen mit Ingwer-Mayonnaise machte der

Ambrosia Chardonnay Barrique 2009

vom Aloisiushof in St. Martin in der Pfalz. Eins vorab: Der Ambrosia ist ein un- und außergewöhnlicher Wein. Ambrosia ist ja sowohl ein anderer Name für das Beifußblättrige Traubenkraut als auch griechisch für Unsterblichkeit, laut Homer war es die Speise und Salbe der griechischen Götter. Ich vermute stark, dass letzteres die Inspiration für diese Namensgebung war. Als reinsortiger Chardonnay ist er mit einem Alkoholgehalt von stattlichen 13,5 Vol.%, die er allerdings gut zu verbergen weiß, von der kräftigen Sorte. Im Glas leuchtet er dunkel-strohgelb, im Bouquet fallen zunächst deutliche Barriquenoten auf, dann gelbe Früchte wie Honigmelone, Papaya und (unreife) Mango.

Am Gaumen dann Litschi, weißer Pfirsich, aber auch Röstpaprika. Die kräftige, mineralische Struktur kommt mit den pikanten Gewürzen des Gerichts bestens zurecht, die feine Säure und die konzentrierte Frucht tun ein übriges. Der Wein sollte nicht zu kalt getrunken werden, wir empfehlen 12 °C. Die Website von Solvino schwärmte seinerzeit von viel gelber, reifer Frucht, 8 Monaten Reife in neuen französischen Barriquefässern, samtigen und weichen, integrierten Holznoten. Außerdem von Vanille, Karamell und Mandelnoten, Fülle und Länge. Kann man alles gelten lassen, den Holzton fanden wir allerdings für einen Weißwein schon recht dominant.

Leider ist dieser Wein nicht mehr erhältlich und bei Solvino auch nicht mehr gelistet, den 2015er Nachfolger kann man auf Anfrage für 18,99 Euro z. B. hier reservieren.

Zum Hauptgang, der vanillegeschmorten Lammhaxe mit Pastinaken-Apfel-Püree und Knusperschalotten durfte dann der

Rioja Luis Canas Reserva Seleccion de la Familie 2005

zeigen, was er kann. Und das war einiges. Der Rebsortenmix von 85% Tempranillo und 15% Cabernet Sauvignon mit einem mittleren Rebstock-Alter von 45 Jahren sowie der Alkoholgehalt von opulenten 14,5 Vol.% kündigen ein aromatisches Schwergewicht an. Überraschend ist zunächst das klare dunkle Rubinrot, das trotz des Alters keine Oxidationsspuren zeigt. Das Bouquet dann komplex und durchaus eigensinnig: Der Aromenstrauß weckt Assoziationen an frischen Teer, Leder, Röstaromen, Cassis und Karamell.

Der Wein besticht durch ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Säure, Tannin und Fruchtsüße und durch seine filigrane Struktur. Bei dem Alkoholgehalt ist das durchaus überraschend. Auch Solvino (Link geht auf den 2015er Nachfolger) zeigt sich sehr überzeugt von seinem Produkt: Man spricht von "verführerischen Aromen nach reifen Früchten, welche sich in einem marmeladenartigen Duft vereinen. Dazwischen ... balsamische Noten, welche zum Teil an Eukalyptus erinnern". Auch hier kein Widerspruch.

Der Ausbau erfolgte für 20 Monate in neuen Barriques, davon je zur Hälfte französische und amerikanische Fässer. Die empfohlene Trinktemperatur beträgt 18 °C. Dieser Wein war dem Wine Advocate von Robert Parker 2012 edle 95 von 100 Punkten wert. Da sind 15,99 € pro Flasche schon fair zu nennen.

Eine Einschränkung muss dann doch sein: Die eher filigrane Statur war mit der Aromenbombe unseres Hauptgangs, speziell der kräftigen Sauce mit den Vanillearomen streckenweise ein wenig überfordert. Evtl. wäre ein stämmig-konzentrierter Wein wie z. B. ein australischer Shiraz dem besser gewachsen gewesen. Für mediterrane Lammgerichte dürfte der Luis Canas dagegen allererste Wahl sein.

Als Begleiter für den krönenden Abschluss, den Chili-Schokoladenmousse-Kuchen mit Gewürz-Aprikoseneis, durfte dann der

Riesling Auslese Steinbuckel 2009 von Philipp Kuhn

ran. Für die Beschreibung eines solchen Weines fehlt uns etwas die Übung. Im positiven Sinne, denn so etwas trinkt man nicht alle Tage. Die Farbe strohgelb, das Bouquet konzentriert, man wittert Rosinen und Muskat und ein weiteres Dutzend edler Aromen, die die untrainierte Nase auf die Schnelle nicht zuzuordnen weiß, aber genießerisch aufsaugt. Hängen blieben Attribute wie hocharomatisch, klar, nicht klebrig, sehr edel, toller Schmelz! Das Verkostungsteam war sich einig: Der Wein ist die perfekte Wahl zu Schoko und Frucht.

Wein-Portale wie Wein-Plus greifen da stärker in die Tasten: "Duft nach kandiertem und angetrocknetem Steinobst mit tabakigen Aromen, Tönen von kandierten Heilkräutern und etwas Kuchengewürz sowie Mineralik im Hintergrund. Konzentrierte, saftige, kandiert wirkende Frucht mit zarten Karamelltönen, sehr lebendige, fast rassige Säure, nachhaltig am Gaumen, wieder Kräuteraromen, Mineralik, fester Bau, gute Tiefe, viel Zug, recht lang. Macht sprachlos. Ganz große Apricot-Nase. Und wie die rund 11 g Säure in nimmerendenden Nachhall die 200g (!!) Restzucker überholen ist einfach nur sensationell." Wir lassen das mal alles so stehen, weil es alles irgendwie passt.

Zum Schluss gibt es noch eine schlechte und eine gute Nachricht, die schlechte zuerst: Dieser Wein ist im Handel nicht mehr erhältlich, selbst die sonst immer fündige Suchmaschine wine-searcher.com kann hier nicht weiterhelfen. Jetzt die gute: Die Lage Steinbuckel bei Laumersheim ist mittlerweile zum Großen Gewächs befördert worden. Philipp Kuhn hat seitdem keine Auslese mit Süßreserve mehr gekeltert. Dafür macht diese Nachricht neugierig auf seinen 2019 Riesling “Steinbuckel” VDP.GROSSES GEWÄCHS trocken.

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